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Hamburg und München - Rene Adler stellt nach dem HSV-Debakel gegen Eintracht Frankfurt die Charakterfrage. Sie richtet sich auch an den Mann, der das Team zusammengestellt hat.

Am Freitagabend gab die bittere Abrechnung von Rene Adler den Ton vor, am Samstag appellierte der verletzte HSV-Kapitän an den Zusammenhalt von Mannschaft, Verein und Zuschauern.

"Ich verstehe den Unmut der Fans", sagte Johan Djourou einen Tag nach dem 0:3 gegen Eintracht Frankfurt den Reportern bei seiner Rückkehr ins Lauftraining: "Aber wir müssen auch in solchen Zeiten zusammenstehen. Anders wird es nicht gehen."

Adler, der Djourou derzeit auf dem Platz vertritt, fand am Abend deutlichere Worte: "Kotzt mich an" - "Keine Lust, immer das Arschloch zu sein" - "Wir haben uns abschlachten lassen, das ist auch eine Einstellungsfrage."

Rene Adler stellt die Charakterfrage

Der Torwart des Tabellen-17. stellte die Charakterfrage, auf eine Art und Weise, dass sie nicht zu überhören war - und mit dem Segen seines Trainers. "Klar, das ist auch gut so", antwortete Markus Gisdol am Samstag auf die Reporterfrage, ob er Verständnis für Adlers Worte habe.

"Es muss jeder im Klub verstehen, dass wir nur gemeinsam den Karren aus dem Dreck holen können", hatte der Ex-Nationalkeeper zuvor festgehalten: "Da darf es keinen geben, der ausschert und denkt, er könne in der Scheiße selbst noch möglichst gut aussehen."

Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer formulierte seine Kritik diplomatischer: "Das war nicht zu entschuldigen, wir befinden uns im Abstiegskampf", sagte er am Freitagabend. Am Samstag baten er und Gisdol die Mannschaft zu einem halbstündigen Rapport. "Es war sachlich, aber sehr direkt", berichtete Gisdol.

Falsche Prioritäten bei Sommer-Transfers?

Dass die Brandrede nötig wurde, ist eine bittere Erkenntnis, nachdem Beiersdorfer im Sommer 30 Millionen Euro in das Team stecken durfte.

In Spieler, die nicht das mitbringen, was der HSV gerade benötigt? Der teils als Heilsbringer empfangene Alen Halilovic demonstrierte bei seinem Startelf-Debüt mit einem desorientierten Auftritt, warum er bei Bruno Labbadia keine große Rolle spielte.

Auch 14-Millionen-Einkauf Filip Kostic, Olympiasieger Douglas Santos und der eingewechselte Bobby Wood fügten sich nahtlos in das Debakel ein.

Die von Adler gestellte Charakterfrage, sie richtet sich indirekt auch an den Mann, der das Team zusammengestellt hat: Beiersdorfer.

Gisdol wirkt schon verzweifelt

Nicht nur die Einstellung der Hamburger lässt Zweifel zurück, es stellt sich auch die Frage, ob der über die Jahre von vielen Händen zusammengepuzzlete Kader gut genug zugeschnitten ist auf das Offensivkonzept seines neuen Trainers Markus Gisdol. Die Offensivpositionen ist zwar gut besetzt, es fehlen aber ein guter Sechser und ein spielstarker Innenverteidiger, die das Spiel nach vorne besser antreiben und absichern könnten.

Routinier Emir Spahic ist letzteres nicht - und dennoch schmerzt, dass er sich gegen Frankfurt offenbar schwerer verletzt hat. Spahic habe "mehr als eine Zerrung" verkündete Gisdol am Samstag, "in Köln haben wir sicher keinen Innenverteidiger".

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Am Abend davor wirkte der Trainer schon etwas verzweifelt: "Schon bei kleinen Dingen verliert die Mannschaft ihre Sicherheit. Es wird ein langer und harter Weg, das wieder hinzubekommen."

Ein rastloser noch dazu: Am Dienstag geht es im DFB-Pokal zum Drittligisten Hallescher FC, in der Liga warten dann Köln und Dortmund. Gegner, die einem HSV in dieser Verfassung noch weit mehr Leid zufügen können.

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