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München und Köln - Offensiv bricht der HSV derzeit Negativrekorde, zu allem Übel verliert Bobby Wood die Nerven. Was bleibt, sind Durchhalteparolen - und ein trauriger Vergleich.

Um zu verdeutlichen, wie schlimm es derzeit wirklich um den Hamburger SV steht, reicht der Vergleich mit Tasmania Berlin.

Das One-Hit-Wonder aus der Saison 1965/66 gilt bis heute als schlechteste Mannschaft der Bundesliga-Geschichte. Das Traurige für alle HSV-Fans: Die Hamburger sind aktuell noch schlechter.

Auf die Drei-Punkte-Regel umgerechnet, hatte Tasmania vor gut 50 Jahren nach neun Spieltagen vier Zähler auf dem Konto, zudem sechs Tore geschossen.

HSV seit 662 Minuten ohne Tor

Der HSV traf nun schon seit 662 Minuten nicht mehr und insgesamt erst zwei Mal, zwei Punkte stehen zu Buche - und damit erschreckenderweise auch einer weniger als die Hamburger bereits Platzverweise sammelten.

© iM Football

Dass der jüngste beim 0:3 gegen den 1. FC Köln ausgerechnet Bobby Wood traf, ist für den HSV ebenso besorgniserregend wie symptomatisch.

Der vor der Saison von Union Berlin an die Alster gewechselte Stürmer war bisher der einzige Lichtblick in den Reihen des Bundesliga-Dinos.

Auf Woods Konto gingen an den ersten beiden Spieltagen die bislang einzigen Hamburger Ligatore, am vergangenen Mittwoch ebnete der US-Nationalspieler mit zwei Treffern den Weg zum 4:0 im Pokalspiel bei Drittligist Hallescher FC.

Gisdol hadert mit Schiri

In Köln aber verlor Wood die Nerven, rammte Gegenspieler Dominique Heintz den Ellenbogen in den Magen und flog vollkommen zu Recht vom Platz. Beim Stand von 0:0. 28 Minuten später hieß es aus Sicht des HSV 0:3.

So klang Modestes Dreierpack gegen den HSV bei SPORT1.fm:

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"Unser Platzverweis war der unnötigste in dieser Saison. So eine Rote Karte ist nicht zu entschuldigen", kritisierte Trainer Markus Gisdol Woods Ausraster bei Sky: "Du kannst dir nicht so eine Rote Karte abholen, das können wir nicht akzeptieren."

Nicht akzeptieren wollte Gisdol allerdings auch, dass es Augenblicke zuvor auf der Gegenseite nach einem taktischen Foul von Marco Höger keine Gelb-Rote Karte für den Kölner gegeben hatte.

"Wenn die Schiedsrichter uns immer unterweisen und erklären, was ein taktisches Foul ist, dann zeigen sie solche Szenen", motzte Gisdol, "das ist eine hundertprozentige Gelbe Karte."

Kostic und Halilovic bisher enttäuschend

Mag sein, dass Gisdol damit Recht hatte. Wahrscheinlich hätte das Spiel dann auch einen anderen Verlauf genommen. Ob der allerdings so ausgesehen hätte, dass die Hamburger offensiv plötzlich ungeahnte Kräfte entwickelt hätten?

Mit Blick auf die komplette bisherige Saison darf das - selbst gegen Kölner in Unterzahl - getrost bezweifelt werden.

Die Offensivkräfte, insbesondere die Neuverpflichtungen, übertreffen sich gegenseitig an Harmlosigkeit.

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Für 14-Millionen-Mann Filip Kostic steht eine mickrige Torbeteiligung gegen einen Drittligisten zu Buche, für den fünf Millionen Euro teuren, bei Barca ausgebildeten und als "Mini-Messi" gefeierten Alen Halilovic ebenso.

Nächster Gegner: Borussia Dortmund

Nicht umsonst hielt der ehemalige HSV-Boss Bernd Hoffmann bei Sky fest: "Ganz offensichtlich rentiert sich das eingesetzte Kapital was Punkte und Tore angeht nicht."

Weil auch Pierre-Michel Lasogga (ein Tor im Pokal) Ladehemmung hat und nun noch Wood ausfällt, sieht die kurzfristige Prognose für die Rothosen düster aus - zumal der Gegner am kommenden Samstag Borussia Dortmund heißt.

Was also bleibt den Verantwortlichen außer Durchhalteparolen?

"Dass wir nicht plötzlich explodieren, ist auch klar. Wir müssen uns mühsam und Schritt für Schritt den Erfolgen annähern", forderte Gisdol, der schon jetzt auf weitere Verstärkungen und eine geregelte Vorbereitung im Winter schielt.

Djourou: "Uns wird keiner helfen"

Kapitän Johan Djourou erklärte: "Uns wird dabei keiner helfen, wir müssen da selbst raus. Momentan läuft alles gegen uns, aber wir müssen unbedingt positiv bleiben."

Und Matthias Ostrzolek forderte, man müsse "die Tabelle ausschalten und mutig bleiben. In den vergangenen Jahren haben wir schon ganz andere Drucksituationen bewältigt." Genau darauf ruhen aktuell wohl die Hoffnungen, aber selbst Ostrzolek fügte an: "Klar ist auch, dass wir langsam punkten müssen."

Sonst droht der traurige Negativrekord von Tasmania aus der Saison 1965/66: Für die Berliner standen am Saisonende umgerechnet zehn Punkte und 15 Tore zu Buche.

Selbst in der aktuellen Verfassung sollte das nicht der Maßstab für den HSV sein.

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