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München - Die BVB-Verantwortlichen beklagen, dass Fouls gegen Borussia Dortmund zum Trend werden - nicht zu Unrecht. Die Statistiken offenbaren Überraschendes.

Hans-Joachim Watzke will die Foul-Debatte also nicht auf sich beruhen lassen.

Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund stützt sie nicht nur, die Beschwerde seines Trainers Thomas Tuchel, dass unfaire Angriffe gegen den BVB zum Trend werden. Er fordert seine Mannschaft sogar auf, Konsequenzen daraus zu ziehen. "Vielleicht sollten wir mal ein bisschen härter einsteigen und auf den Fairness-Preis verzichten", sagt er der Bild.

Die nächste Volte eines Klubs, der nicht gut im Verlieren ist? Oder ist sie berechtigt, die Dortmunder Selbstwahrnehmung als Opfer, das sich wehren muss, mindestens verbal?

Ein Blick in die Statistiken zeigt: Völlig unberechtigt ist sie nicht (DATEN: Die Foul-Statistik der Bundesliga).

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BVB als Foul-Opfer: eher untypisch

Tatsächlich ist der BVB aktuell das am zweitmeisten unfair gestoppte Team (114) hinter dem FC Ingolstadt (115) und gleichzeitig die Mannschaft, die die wenigsten Fouls begeht (46).

Typisch ist das keineswegs: In der Statistik der meistgefoulten Teams fand sich der BVB zuletzt immer in der unteren Hälfte wieder. Im Meisterjahr 2012 war er gar das am seltensten gefoulte Team der Liga.

Sind die Gegner nun auf die Idee gekommen, dass mehr Fouls gegen den BVB solche Erfolge verhindern können? Und muss Dortmund im Gegenzug selber mehr Fouls begehen, weil der Faire der Dumme ist? Ganz so einfach ist es natürlich nicht.

BVB und FC Bayern mit guten Fairness-Werten

Wer sich die Zahlen vergangener Jahre anschaut, kann im Gegenteil auf die Idee kommen, dass der Faire der Kluge ist.

Der FC Bayern beging in den vergangenen beiden Spielzeiten die wenigsten Fouls und wurde Meister, auch Dortmund hat der Gewinn des Fairplay-Preises der DFL im vergangenen Jahr keineswegs geschadet.

Erfolgsteams wie Bayern, Dortmund oder auch Gladbach sind oft faire Teams, was damit zu tun hat, dass sie über die Klasse verfügen, ihre Gegner mit spielerischen Mitteln zu bezwingen und auf Schmutzeleien nicht angewiesen sind. So weit, so logisch.

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Bayern foulen? Gar nicht so leicht

Was aber ebenfalls auffällt: Erfolgreiche Teams werden normalerweise auch seltener Opfer von Fouls.

Dortmund und Bayern gehörten in den vergangenen Jahren konstant zu den am wenigsten gefoulten Teams, die Münchener wurden 2015/16 sogar am seltensten regelwidrig aufgehalten.

Immer mal wieder forderten Kritiker, gegen Pep Guardiolas Pass-Maschinerie notfalls per Dazwischentreten ins Stocken zu bringen. Bayerns Gegner fanden das als Mittel offenbar nicht so probat - oder sie kamen schlicht nicht dazu, weil die Münchener den Foulversuchen durch ihr Spiel entkamen.

Unter Ancelotti gelingt ihnen das im Moment auch noch besser als Tuchels BVB, der Guardiolas Spielidee ja recht nahesteht. Die Bayern haben bislang 74 Fouls eingesteckt, die sechstwenigsten der Liga.

Häufigstes Foul-Opfer: Sokratis

Warum es Dortmund jetzt häufiger erwischt? Ganz einfach ist die Frage nicht zu beantworten.

Zwar hat der BVB viele Spieler, die oft in Eins-zu-Eins-Situationen gehen und entsprechend eher gefährdet sind, Neuzugang Ousmane Dembele etwa ist der am zweithäufigsten gefoulte Dortmunder Spieler (14).

Andererseits treffen Fouls nicht nur die Dribbler und Fummler: Marcel Schmelzer (13) wurde fast genauso häufig ausgebremst wie Dembele, Verteidiger Sokratis (15) noch häufiger.

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Tuchel will Bewusstsein schaffen

Man sieht das generelle Problem beim Blick in die Statistik: Foul ist nicht gleich Foul, kleine Abwehr-Ringkämpfe beim Eckball nicht dasselbe wie die taktische Grätsche, um Dortmunds Tempo-Offensive gezielt aus dem Fluss zu bringen.

Letztere sind Tuchels Problem - und seine Klage über die vielen Fouls gegen Dortmund dient nicht zuletzt dazu, die Schiedsrichter kommender Partien auf dieses Problem aufmerksam zu machen.

Eine Idee, die mehr Erfolg verspricht als Watzkes eher ins Leere führender Einfall mit dem Zurückfoulen.

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