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Julian Meißner kommentiert die Lage beim HSV am 10. Spieltag © SPORT1 / Getty Images

München - Der Hamburger SV erlebt die nächste Katastrophensaison. Wieder durchmogeln kann nicht die Lösung sein. Julian Meißner kommentiert die Lage nach dem 10. Spieltag.

Wenn sich die eigenen Fans abwenden und der Gegner Mitleid hat, weiß man, wie es um den Zustand eines Fußballklubs bestellt ist. Der Hamburger SV ist nach Jahren des Siechtums ganz unten angekommen.

Tabellenletzter, das hatten wir bereits. Zwei Punkte aus zehn Spielen, das ist neu. Dazu 4:23 Tore. Es sind erschreckende Zahlen, die den Niedergang des einst so stolzen Bundesliga-Gründungsmitglieds dokumentieren.

Die Uhr ist abgelaufen. Der Abstieg ist längst überfällig.

Klub-Legende Uwe Seeler erlebte an seinem 80. Geburtstag eine an Peinlichkeit kaum zu überbietende Vorstellung seines Herzensvereins. Als das Spiel gegen Dortmund längst den Bach heruntergegangen war (27. Minute / 0:3), skandierten die Fans: "Außer Uwe könnt ihr alle gehen."

Auch Seeler muss einsehen, dass sein Klub in der Bundesliga aktuell nichts mehr zu suchen hat. Bei den Fehlern, die die Hamburger begehen - sportlich wie strategisch - stellen sich einem die Nackenhaare auf. Mittlerweile ist das fast ein Dauerzustand bei Spielen der Hanseaten oder neuen Fehltritten der Führungsmannschaft.

Natürlich ist die Situation nach dem 10. Spieltag eine Momentaufnahme und die Wende noch zu schaffen.

Wenn man die Fans zurückgewinnt. Nicht wieder sofort den Trainer feuert. Vielleicht, indem man dem offensichtlich überforderten Dietmar Beiersdorfer einen fähigen Sportdirektor zur Seite stellt. Einen Plan entwickelt, anstatt panikhaft Millionen des Investors Klaus-Michael Kühne zu verpulvern. Die Erwartungshaltung in realistischem Rahmen hält.

Nur: Kann man dem HSV eine erneute Rettung überhaupt noch wünschen? Angesichts der Konkurrenz im Abstiegskampf, die ihre Arbeit teilweise mit einem Bruchteil des Budgets, dafür aber solide und zielgerichtet erledigt? Wäre ein Jahr in der Zweiten Liga nicht das Richtige, um mit einem durchdachten Konzept wieder in die Spur zu finden und die Fans zurückzugewinnen?

"Erste Liga, keiner weiß warum", stand am Samstag dick und fett auf einem Banner im Volksparkstadion.

Eine Frage, die sich nach dieser Saison vielleicht erübrigt hat. Selten hatte ein Klub den Abstieg so verdient wie der HSV.

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