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München - Beim FC Bayern ist ein Kampf der Alphatiere entbrannt. Karl-Heinz Rummenigge ist an mehreren Fronten gefordert - und muss das Verhältnis mit Uli Hoeneß austarieren.

Jahrelang hatte es beim FC Bayern München in der Außendarstellung kaum Nebengeräusche gegeben. Hier und da war mal ein leises Knirschen zu hören, das aber zumeist im Handumdrehen behoben wurde. 

Jürgen Klinsmanns Buddha-Statuen und Louis van Gaals Ego-Touren sind fast schon in Vergessenheit geraten, wohl auch angesichts der erdrückenden Erfolge der letzten Jahre. FC Harmonie statt FC Hollywood stand auf dem imaginären Schild an der Säbener Straße. Man feierte Erfolge und hatte sich lieb.

"Darüber kann ich nur lachen"

Angefacht durch die Schwächephase der letzten Wochen sind jedoch kleine Risse in der Bayern-Fassade entstanden. Es knirscht nun lauter und die Verantwortlichen tun sich schwer, damit umzugehen.

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Am deutlichsten zeigt sich die aufkommende Dissonanz im Disput zwischen Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Jerome Boateng, die sich gegenseitig via Medien die Meinung geigten.

Rummenigge warf dem Verteidiger vor, die Bodenhaftung verloren zu haben. Boateng konterte seinen Vorgesetzten schließlich mit einer Aussage ("Darüber kann ich nur lachen. Das nächste Mal soll er mir das auch ins Gesicht sagen"), die Fragen über das Machtgefüge beim Rekordmeister aufwirft.

Doch auch im Inner Circle der Bayern scheint es den einen Strang, an dem jahrelang alle zogen, nicht mehr zu geben. Von Außen beschleicht einen das leise Gefühl, dass ausgerechnet die Rückkehr von Uli Hoeneß die Bayern-Statik etwas ins Ungleichgewicht gebracht hat.

Echte Freude bei Rummenigge?

Im Vorfeld der Präsidentenwahl hatte Rummenigge zwar stets betont, sein langjähriger Weggefährte sei willkommen. Doch aus dem Munde des Vorstandschefs klang es eher nüchtern und unsentimental: "Er hat das jetzt für sich entschieden, dass er das noch einmal machen möchte. Das war zu erwarten und kommt ja nicht überraschend."

Erst als Hoeneß gewählt war, teilte Rummenigge auf der Jahreshauptversammlung mit, er freue sich über dessen Rückkehr. Dass es jedoch die pure Freude war, darf getrost bezweifelt werden.

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Dabei lief die Zusammenarbeit der beiden Machtmenschen über Jahrzehnte nahezu reibungslos, bevor Hoeneß seine Haftstrafe antreten musste. Rummenigge, der kühle Manager, wirkte eher im Hintergrund, während Hoeneß kein Rampenlicht scheute, um die Belange des FC Bayern zu verteidigen.

Das Vakuum, das der damals 62-Jährige nach seiner Verurteilung hinterließ, füllte Karl Hopfner als gewählter Präsident nur von Amtswegen aus - doch war es Rummenigge, der nun auch die "Abteilung Attacke" verkörperte, zumindest die Light-Version.

Als sich im Sommer sein Comeback auf dem Präsidentenstuhl abzeichnete, preschte Hoeneß vor und kündigte die Rückkehr der alten Verhältnisse an: "Ich denke, dass Karl-Heinz Rummenigge und ich Bayern noch stärker machen. Ich könnte mir vorstellen, dass Karl-Heinz mehr fürs Geld verantwortlich ist und ich fürs Herz."

Uneinigkeit beim Posten des Sportdirektors

Seitdem, so hat man den Eindruck, knirscht es auch im Verhältnis der beiden Bosse.

Als Rummenigge am vergangenen Freitag zu verstehen gab, der FC Bayern warte, bis Philipp Lahm seine aktive Karriere beendet, um ihm den Posten des Sportdirektors zu übertragen ("Wir haben da einen im Hinterkopf, den werden wir holen, aber der muss im Moment noch Fußball spielen"), widersprach ihm Hoeneß keine 24 Stunden später.

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"Er hat nicht gesagt, Philipp Lahm wird Sportdirektor am 1. Juli. Diese Position ist so wichtig und wertvoll für den Verein, dass man sich dabei Zeit lassen muss, um eine richtige Entscheidung zu treffen", sagte Hoeneß.

Um sich jetzt über diese Personalie Gedanken zu machen, sei der Zeitpunkt noch nicht der richtige. "Zur neuen Saison ist ein neuer Sportdirektor da. Und basta!"

Uneinigkeit schon beim Hummels-Transfer

Genau andersherum lief es im Frühjahr, als sich der Wechsel von Mats Hummels zum FC Bayern abzeichnete. Damals korrigierte Rummenigge eine Aussage von Hoeneß, der behauptet hatte, der Nationalspieler sei auf die Münchner zugekommen.

"Der Uli hat sich da auf eine Frage etwas missverständlich ausgedrückt", meinte Rummenigge damals: "Fakt ist, dass schon der FC Bayern bei Mats Hummels an die Tür geklopft hat und nicht umgekehrt."

Wo früher die Bälle blind zugespielt wurden, scheinen sich die beiden nun schwer zu tun, auf einen einheitlichen Nenner zu kommen. Nicht nur für die Außendarstellung des Rekordmeisters dürfte es von entscheidender Bedeutung sein, dass die Verhältnisse an der Bayern-Spitze gerade gerückt werden.

Im Kampf der Alphatiere müssen die Fronten abgesteckt sein.

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