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Eintracht Frankfurt v Borussia Dortmund - Bundesliga
Eintracht Frankfurt ist in dieser Saison gerade im eigenen Stadion eine Macht © Getty Images

Frankfurt am Main - Eintracht Frankfurt steht nach dem zwölften Spieltag auf Platz vier. Die Anhänger träumen schon von der Champions League. Was macht die Hessen in dieser Saison so stark?

Rasend schnell verbreitet sich in den sozialen Netzwerken unter Frankfurter Fußballfans  gerade eine Videosequenz, die wirklich nett anzusehen ist. Ein Trailer, der auf die Champions League einstimmt. Die Bilder, die Geräusche – alles originalgetreu. Bis dann plötzlich ein Wappen mit dem roten Adler auftaucht und in den Mittelpunkt rückt. Das Eintracht-Emblem.

Denn die Hessen stehen sensationell auf Platz vier. Noch nie hatte die Eintracht seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 zu diesem Zeitpunkt mehr Zähler eingesammelt. Und die Aufgaben vor der Winterpause (in Augsburg, gegen Hoffenheim, in Wolfsburg und gegen Mainz) sind nicht unlösbar. Was sind die Gründe für den Aufschwung?

Der Trainer

Niko Kovac hat nicht nur den Klassenerhalt geschafft, sondern jetzt eine Mannschaft geformt, die zwar aus 17 verschiedenen Nationen besteht, aber trotzdem eine Einheit darstellt. Der Trainer selbst ist authentisch geblieben. Die Ansprachen sind klar, die Vorgaben eindeutig – und trotzdem hält der 45-Jährige einen engen Draht zu seinen Spielern.

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Die Eintracht-Elf tritt wie eine Kovac-Kopie auf. Versessen und verbissen, willens- und kampfstark.  Körpersprache und Körperlichkeit sind prägende Merkmale dieses wehrhaften Ensembles, das sich seine Erfolge auf Basis harter Arbeit verdient. Nicht immer schön, aber enorm effektiv.

Der in Berlin geborene Kroate beteuert: "Alle träumen - ich nicht. Alle müssen vernünftig bleiben und nicht anfangen zu fliegen." Zwei freie Tage gewährte er trotzdem. Erst Dienstag beginnt die Vorbereitung aufs Auswärtsspiel in Augsburg.

Die Spieler

Frankfurt hat keine Stars, sondern ein funktionierendes Kollektiv. Die Abhängigkeit von Torjäger Alexander Meier, der immer häufiger ausgewechselt oder auswärts gar nicht mehr aufgestellt wird, ist gebrochen. Abgesehen von Torwart Lukas Hradecky (hielt schon in der Vorsaison stark) scheint fast jeder Feldspieler besser geworden zu sein.

Jeder schwebt auf seiner ganz persönlichen Wolke sieben. Selbst erfahrenere Profis wie die Verteidiger Timothy Chandler und Bastian Oczipka oder der Routinier Szabolcs Huszti erleben ihren zweiten oder dritten Frühling. Marco Fabian, vergangenen Winter verpflichtet, ist zum Leistungsträger gereift, der sich mit dem Verein identifiziert – der Mexikaner hat sogar eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit erworben.

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Und einer wie Leihgabe Jesus Vallejo, den Real Madrid mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückholt, berichtet mit strahlenden Augen von der Marschroute dieser Mannschaft. "Alles aus sich herauszuholen – das ist hier nicht verhandelbar", erzählt der junge spanische Verteidiger.

Die Taktik

Anders als in der oft verklärten Ära Anfang der 90er-Jahre, als die Eintracht mit Stars wie Anthony Yeboah und Jay-Jay Okocha, Uwe Bein oder Andreas Möller den "Fußball 2000" zelebrierte, bildet eine stabile Defensive den Grundstein für die Erfolgsserie. Vor allem die Umstellung auf eine Dreierkette – meist in einem 3-4-3-System - hat Früchte getragen.

Zumeist spielt Makoto Hasebe die Position in der Abwehrmitte, der spielintelligente Japaner treibt auch das Aufbauspiel geschickt an. Als Verteidiger sind David Abraham und Vallejo wichtige Stützen, stark im Zweikampf, dazu enorm schnell.

Erst zehn Gegentore hat die Eintracht kassiert. Frankfurt gewinnt vor allem seine Heimspiele – gegen Schalke (1:0), Leverkusen (2:1), Köln (1:0) und nun Dortmund (2:1) – nicht im Hurra-Stil, sondern meist in einem zermürbenden Abnutzungskampf.

Der Verein

Die Ära Heribert Bruchhagen ist Geschichte. Dank Sportvorstand Fredi Bobic weht ein frischer Wind durch die Geschäftsstelle. Sein Büro liegt direkt gegenüber dem von Vorstand Axel Hellmann, der sich um Marketing, Finanzen und die Gesamtausrichtung kümmert.

Bobic ist für die sportlichen Belange zuständig, arbeitet eng mit Sportdirektor Bruno Hübner zusammen, hat einen eigenen Scout (Ben Manga) mitgebracht. Und der 45-Jährige hat im Sommer vieles auf den Prüfstand gestellt, rund ums Profiteam fast alles. "Wenn in Verein sich erst in gefühlt letzter Minute in Sicherheit bringt, ist es doch ganz normal, danach jeden Stein umzudrehen."

Die Maßnahmen fruchten. Im SPORT1-Doppelpass betonte Bobic am Sonntag: "Wir sind ein Ausbildungsverein, aber wir müssen ein guter Ausbildungsverein sein." Derzeit ist Frankfurt ein echter Europapokalanwärter. Vieles erinnert an die Saison 2012/2013, als der Klub unter Armin Veh als Aufsteiger direkt in die Europa League stürmte.

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