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Lotto King Karl gehört mit "Hamburg, meine Perle" zum festen Programm vor jedem HSV-Heimspiel

München - In der schweren Krise des Hamburger SV spricht Stadionsprecher und Fan Lotto King Karl über das aktuelle Verhältnis zwischen den Hanseaten und den Anhängern.

Hanseaten gelten gemeinhin als nüchtern und emotional mitunter vielleicht etwas unterkühlt.

Für Selbstironie sind die Menschen im hohen Norden eigentlich nicht gerade bekannt.

Umso mehr hat es überrascht, dass ausgerechnet die Fans des Hamburger SV am vergangenen Samstag beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund ihren Klub auf die Schippe nahmen.

"Erste Liga - keiner weiß warum" war auf einem Banner in der Nordkurve zu lesen - dort, wo die treuesten Fans stehen und nun schon seit einigen Jahren mitleiden. Ganz nach dem Motto: Humor ist, wenn man trotzdem lacht!

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"Keine herausragende Eigenschaft"

"Selbstironie ist bisher keine herausragende Eigenschaft der hanseatischen Fußballfans im Volkspark gewesen. Aber nun hat die Nordtribüne auch auf diese Art und Weise kommuniziert", sagt HSV-Fan und Stadionsprecher Lotto King Karl im Gespräch mit SPORT1.

"Es gibt diese neue Dimension, die man schon von einigen anderen Vereinen kennt. Die Mainzer singen 'Wir sind nur ein Karnevalsverein', die Kölner haben sogar einen Karnevalsverein innerhalb des Klubs."

Lotto ist seit elf Jahren für das Rahmenprogramm vor den Heimspielen des HSV zuständig. Sein Song "Hamburg, meine Perle", den der 49-Jährige vor jeder Partie zuhause zum Besten gibt, ist längst Kult und weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. 

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Seit vielen Jahren im Niedergang

Den Niedergang seiner Rothosen hat Lotto daher aus nächster Nähe mitbeobachten müssen. Die Fans haben inzwischen nur noch Hohn übrig für ihren Verein oder reagieren wütend. Beim 2:5 gegen den BVB gab es zur Halbzeit böse Pfiffe - da stand es schließlich schon 0:3.

"Dass kein Jubel herrscht, kann keinen im Verein überraschen", meint Lotto. Gegen den BVB sei es schwierig gewesen, "weil die Stimmung generell nicht gut war, andererseits kam eine Mischung aus Jetzt-erst-recht und Galgenhumor auf." 

Klar sei aber, dass man im Kampf um den Klassenerhalt immer noch "einige Spiele" vor der Brust habe - und die gelte es auch akustisch zu gestalten: "Die Jungs und Mädels, die eine Dauerkarte haben, haben bestimmt nicht vor, sich bis Mai komplett in die schlechte Laune zu ergeben, die vom Platz kommt."

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Keine Gleichgültigkeit

Der Musiker sieht die generelle Situation zwischen Fans und Verein dabei noch nicht so dramatisch, wie es nach den jüngsten Unmutsbekundungen erscheinen mag. "Gleichgültigkeit ist es sicher nicht, wenn du auf Platz 18 ein ausverkauftes Stadion hast. Dass die Fans über die Leistungen trotzdem sauer sind, ist auch klar", sagt Lotto.

Von einer wachsenden Kluft zwischen der Mannschaft und den Fans will er noch nicht sprechen. Dass das heutige Team nach den vielen Negativrekorden "keine Mannschaft ist mit Helden, die jeder Fan Tag und Nacht verehrt", stehe jedoch außer Frage.

Und doch gebe es nach wie vor eine erstaunliche Leidenschaft der Menschen für den angeschlagenen Dino: "Alle Gräben, die sich auftun, alle Spruchbänder, die aufgehängt werden, alle Pfiffe, die gepfiffen werden, hängen auch mit Sorge und Frust zusammen - und zwar Sorge um den Klub, um die große Liebe HSV."

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