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Gibt Uli Hoeneß (l.) künftig die Kontrollinstanz für Trainer Carlo Ancelotti (M.)? Philipp Lahm wird als Alternative heiß gehandelt © SPORT1-Montage: Marc Tirl / Getty Images / Imago

Seit Sommer ist der FC Bayern ohne Sportdirektor. Mit der Rückkehr von Uli Hoeneß könnte sich etwas ändern - oder aber erst nach der Saison.

Beim FC Bayern haben sie immer noch alles. Außer halt die Tabellenführung in der Bundesliga - und einen Sportdirektor. Vor wenigen Wochen gab Matthias Sammer sein Ausstandsessen, außer Dienst ist der 49-Jährige aber schon seit dem Sommer.

Bisher wurde Sammers Fehlern nach außen besonders dann sichtbar, wenn mal wieder vergeblich nach einer Bayern-Größe gefahndet wurde, die regelmäßig über das Wohl und Wehe des Vereins und der Mannschaft Auskunft geben wollte.

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Sammer war dafür der perfekte Gesprächspartner. Er war nah dran an der Mannschaft, er stellte sich nach jedem Spiel und nicht selten auch in der Zeit dazwischen. Zuletzt hat Karl-Heinz Rummenigge versucht, die Lücke in der Außendarstellung zu schließen. Es ist dem Vorstandsvorsitzenden nur bedingt gelungen.

Suche nach dem Sammer-Erben

Und jetzt, da die Bayern ins Straucheln geraten und weg sind vom ihrem unantastbaren Fußball, wo es nicht so läuft wie erhofft und ihr Trainer immer noch auf der Suche nach sich selbst ist, werden die Rufe nach einer Besetzung der vakanten Stelle wieder lauter.

Aber wer könnte der neue starke Mann beim Rekordmeister werden? Eine Bestandsaufnahme.

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Hoeneß wird sich einmischen

Auf der Jahreshauptversammlung am kommenden Freitag ist unter Tagesordnungspunkt 6 die Wahl des Präsidiums notiert. Dass Uli Hoeneß erneut zum Präsidenten gewählt wird, steht außer Frage. Und auch das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden wird er wieder übernehmen.

Hoeneß hat bei einer erfolgreichen Wahl bereits angekündigt, entscheidende Veränderungen durchzusetzen. Er wolle für das "Herz" des Klubs stehen und "das Familiäre leben". Und - wie es sich für einen Patron gehört - auch mal dazwischen gehen, wenn die Dinge eine falsche Wendung nehmen.

Ohne den ewigen Mahner Sammer ist den Bayern diese Pingeligkeit abhanden gekommen, das nimmermüde Anstacheln der eigenen Angestellten. Es fehlen gleich zwei Getriebene, Sammer und Trainer Pep Guardiola.

Zu viel Freiraum durch Ancelotti?

Da scheint zu wenig Spannung, es gibt keine großen Reibungspunkte derzeit. Sammer musste Guardiola nicht kontrollieren, auch wenn es bei seinen Trainingsinspektionen vom Balkon an der Säbener Straße aus oft so aussah. Aber er war ein starker Mitspieler oder Gegenpol, je nach Gemengelage.

Carlo Ancelotti braucht nun bestimmt keinen Aufpasser. Aber der Trainer gönnt seinen Spielern auch außerhalb des Platzes viel Freiraum. Das kommt bei einigen gut an, andere fanden die straffere Regelung unter Guardiola besser. Ein bisschen mehr Direktive könnte den Bayern wohl nicht schaden.

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Reschke anderweitig ausgelastet

Uli Hoeneß wird sich ganz sicher oft genug melden. "Das deutliche Wort wird weiter mein Markenzeichen sein. Das wird sich nicht ändern, ich werde sicher nicht herumeiern", sagte er im Kicker.

Aber Hoeneß hat in seiner Doppelfunktion genug andere Aufgaben zu erledigen, als dass er sich noch in einer verkappten Sportdirektorenrolle um die täglichen Belange der Mannschaft und des Trainerteams kümmern könnte.

Ähnlich verhält es sich mit Kaderplaner Michael Reschke, der zwar ein überragendes Netzwerk besitzt, aber auf Grund seiner Stellenbeschreibung kaum die nötige Zeit finden könnte.

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Lahm nächsten Sommer Sportdirektor?

Philipp Lahm hat sein Karriereende für den Sommer 2018 angekündigt. Mittlerweile halten sich aber die Gerüchte, dass der Kapitän womöglich schon im Sommer kommenden Jahres seine Laufbahn beenden wird. 

Die Voraussetzungen für eine Karriere am Schreibtisch sind bestens. Und die fehlende Erfahrung im möglichen neuen Job würde durch die Troika Hoeneß-Rummenigge-Hopfner in der ersten Zeit bestens kompensiert.

Allerdings müssten die Bayern mindestens noch sieben Monate warten, ehe der Posten des Sportdirektors neu besetzt wird.

Eberl? Reuter? Nicht zu bekommen

Eine externe Lösung offenbart sich derzeit auch nicht. Die angeblichen Kandidaten Max Eberl und Stefan Reuter sind in ihren Klubs fest verwurzelt und nicht verhandelbar. Bleibt noch die letzte Variante: Die Bayern lassen alles so, wie es derzeit ist.

Das ist das wahrscheinlichste Szenario. Auch wenn im Moment eine zusätzliche Instanz nicht schaden könnte, die nah dran ist an der Mannschaft.

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