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TSG 1899 Hoffenheim v Hertha BSC - Bundesliga
Niklas Süle steht mit der TSG Hoffenheim derzeit auf Tabellenplatz drei © Getty Images

München - Vor dem Knüller beim FC Bayern spricht Niklas Süle im SPORT1-Interview über seine noch steile Karriere, den Lauf der TSG und Nagelsmann. Den Bayern kündigt er einen heißen Kampf an.

Für Nikas Süle ging alles rasend schnell.

Erst gewann der Innenverteidiger von 1899 Hoffenheim bei Olympia die Silbermedaille, elf Tage später gab er dann sein Debüt in der Deutschen Nationalmannschaft.

Bei seinem Trainer Julian Nagelsmann ist der 21-Jährige längst zur festen Größe geworden und steht für das neue Hoffenheim. Es läuft also rund bei Süle. 

Vor dem Spiel beim FC Bayern (Sa., ab 15.30 LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht der Senkrechtstarter im SPORT1-Interview über seine noch junge Karriere, seinen Klub und Nagelsmann.

SPORT1: Herr Süle, Silbermedaille bei Olympia, Debüt in der Nationalelf und Senkrechtstarter im Verein. Leben Sie gerade einen großen Traum?

Niklas Süle: Klingt so (lacht). Jeder träumt davon in der Nationalmannschaft zu spielen. Das war mein erster kleiner Schritt und dafür habe ich sehr lange und hart gearbeitet. Zusammen mit dem Finale in Rio bei Olympia waren das natürlich zwei Highlights in meiner jungen Karriere. Die Einladung von Bundestrainer Joachim Löw hat mich riesig gefreut und die kurze Zeit dort war sehr aufregend. Ich werde das nicht vergessen, muss mich jetzt aber auf das Hier und Jetzt konzentrieren und das ist 1899. Da spielen wir eine großartige Saison und haben noch viel vor.

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SPORT1: Warum ist Hoffenheim gerade so gut?

Süle: Bei uns passt im Moment alles zusammen. Das Klima ist auf und neben dem Platz super. Wir haben für jede Spielsituation einen anderen Plan, sind absolut variabel in unserem System. Wir können Dreier-, Vierer- oder Fünferkette spielen und da auch im Spiel problemlos wechseln. Wir sind in dieser Saison schwer ausrechenbar. Das ist eine unserer großen Stärken. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass wir nicht nur einen jungen Trainer haben, sondern zusätzlich eine verdammt junge Truppe. Es macht einfach Spaß, jeden Tag zum Training zu fahren. 

SPORT1: Unter Julian Nagelsmann kam der Erfolg zurück nach Hoffenheim. Anfangs gab es Bedenken, ob er das alles schaffen kann. Er hat es geschafft. Was sind die Gründe?

Süle: Er ist trotz seines jungen Alters ein absoluter Fachmann und weiß genau, wie er mit der Mannschaft umgehen muss - ganz egal in welcher Situation. Er hat uns vom ersten Tag an Mut zu gesprochen. Als er kam, stand der Verein unten drin und er sagte sofort selbstbewusst: "Jungs, viel schlimmer kann es nicht mehr werden. Ich will, dass ihr guten Fußball spielt." Gleich das ganze Vertrauen zu bekommen, wenn du mit dem Rücken zur Wand stehst, ist grandios. Sein Plan funktionierte vom ersten Tag. Jeder Spieler glaubte daran, dass es mit ihm klappen kann. 

SPORT1: Was zeichnet den Mensch Nagelsmann aus?

Süle: Julian ist ein grundehrlicher Typ. Und er tut uns einfach gut. Wenn du als Spieler einen ehrlichen Trainer hast, dann weißt du woran du bist. Julian spricht alles ganz offen an und macht das nicht hinten herum, er ist zu jedem Spieler korrekt - egal ob Stammspieler oder Ergänzungsspieler. So arbeiten wir alle auf einer guten Basis zusammen. Der Trainer holt alle mit ins Boot und jeder Spieler weiß, dass er gebraucht wird. Wir sind einfach eine super Truppe und Julian ist ein Glücksfall für den Klub.

SPORT1: Sie kennen sich ja schon länger. 

Süle: Ja, und er ist vom Typ her der gleiche geblieben. Das rechne ich ihm ganz hoch an, weil das in der Fußballbranche nicht so leicht ist. Mancher verändert sich zum Negativen. Julian steht als jüngster Trainer der Bundesliga so sehr im Fokus und macht das alles ganz cool und souverän. Das ist alles andere als einfach. Davor ziehe ich den Hut. 

SPORT1: Tim Wiese hat zuletzt gesagt, ihn würde es nerven, dass es im Fußball keine echten Typen mehr gibt, die ihre Meinung sagen. Wie sehen Sie es?

Süle: Gerade im Fußball prasselt viel auf einen Spieler oder einen Trainer ein. Du hast eine Vorbildfunktion auf und neben dem Platz, gerade für Kinder. Du musst versuchen, du selbst zu bleiben. Das Wichtigste ist für mich, dass alles respektvoll abläuft. Wenn man mal Erfolg hat, dann soll man das nicht gleich überbewerten und wenn es mal nicht so gut läuft, dann soll man sich auch nicht gleich einen Kopf machen. Man sollte immer wissen, dass die Familie und die Gesundheit das Wichtigste ist. Man sollte sich nie verstellen, sondern einen guten Job machen und nicht künstlich werden. Wir spielen Fußball, das ist für mich der beste Beruf der Welt und darüber sollten wir froh sein. 

SPORT1: Am Samstag geht es nach München. Warum müssen die Bayern aufpassen?

Süle: Spiele beim FC Bayern sind immer schwer. Wir haben in der Allianz Arena gegen sie noch nie gewonnen. Aber wir haben keinen Grund uns zu verstecken, wir spielen momentan einen super Fußball. Wir sind im eigenen Ballbesitz besser geworden und schalten sehr schnell um. Wir sind zudem die zweitbeste Mannschaft bei Torabschlüssen und auch bei Phasen, wo wir das Tempo runterfahren, ist es ein guter Mix drin. Bayern wird auch seine Probleme bekommen, wenn wir unser Spiel durchdrücken können. 

SPORT1: Sie sind ein Fan von Jerome Boateng.

Süle: Jerome Boateng ist für mich ein ähnlicher Spielertyp wie ich, bei dem ich mir vieles abschaue, weil er schon da ist, wo ich hinwill. Es gab schon einige Male Kontakt mit ihm, sein Trikot habe ich auch schon. Ich werde ihn normal begrüßen und dann geht es auf den Platz – da will dann jeder von uns beiden was mitnehmen. 

SPORT1: Sie sind der jüngste Debütant bei 1899 Hoffenheim. Wie haben Sie das bis heute alles wahr genommen?

Süle: Ich hatte das Glück, dass ich mit Markus Gisdol (1899-Coach von 2013 bis 2015, d. Red.) einen Trainer hatte, der mich schon mit 17 ins kalte Wasser schmiss. Er hat früh auf mich gezählt. Dann hat sich das entwickelt. Am Anfang war ich kein Stammspieler, aber ich habe versucht, mit guten Leistungen ins Team zu kommen. Das ist mir ganz gut gelungen. Nach meiner schweren Verletzung war ich acht Monate weg vom Fenster, da musste ich mein eigenes Ding machen. Das hat mir in meiner Entwicklung sehr geholfen und mich mental stärker gemacht. Und ich habe versucht, besser zurückzukommen. Ich denke, das ist mir gelungen.

SPORT1: 1899 und RB Leipzig sorgen bisher für Furore in der Liga. Wie würden Sie beide Klubs vergleichen?

Süle: RB Leipzig ist das Hoffenheim von 2008. Ralf Rangnick hat seine Philosophie und bringt diese voll rüber. Er holt auch mal unbekanntere Spieler, doch die schlagen voll ein. Rangnick hat wohl einfach ein Näschen dafür. RB kaufte keine Superstars, wie viele erwartet haben. Das Gerüst in Leipzig ist größtenteils noch aus der 2. Liga vorhanden. Hoffenheim unterscheidet sich nur davon, dass wir mehr Erfahrung haben. Auch bei uns gibt es viele junge Spieler, die den Sprung in den Profikader schaffen. Wir sind nur ein Stück weiter als die Leipziger, weil sie erst das erste Jahr Bundesliga spielen. Aber der Weg von RB wird ähnlich werden. Spieler aus der eigenen Jugend zu den Profis heranführen, das ist kein Prozess, der von heute auf morgen klappt.

SPORT1: Thema Nationalmannschaft: Wie sind da Ihre Gedanken?

Süle: Ich will im Verein Gas geben und habe mich bewusst entschieden, noch ein Jahr in Hoffenheim zu spielen, weil ich mich unbedingt weiterentwickeln will. Die Erstnominierung kam sehr überraschend für mich, aber ich habe mich natürlich riesig gefreut. Wenn Herr Löw wieder entscheidet, dass ich dabei sein soll, dann freue ich mich. Ansonsten bin ich auch sehr froh, für die U 21 zu spielen. Irgendwann will ich aber schon im A-Team fest dabei sein. Ich mache mir mit 21 keinen Druck. 

SPORT1: Sie sagten, Sie sind nur noch ein Jahr in Hoffenheim. Wird das Ihre Abschieds-Saison?

Süle: Ich fühle mich in Hoffenheim sehr wohl, deshalb bin ich im Sommer geblieben. Ich will meine gute Entwicklung fortsetzen und mit dem Verein Erfolg haben. Was in der Zukunft kommt, wird man dann sehen. 

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