vergrößernverkleinern
Borussia Dortmund v 1. FC Union Berlin - DFB Cup
Mario Götze ist im Sommer vom FC Bayern zu Borussia Dortmund zurück gekehrt © Getty Images

Dortmund - Es geht bergauf mit Mario Götze. Der BVB-Rückkehrer findet stetig zu besserer Form, hat sein Spiel aber verändert. SPORT1 zieht eine Zwischenbilanz.

Es waren Zentimeter, die ihm zum Derbyhelden fehlten: Mario Götze ließ im Strafraum vier Schalker stehen, schloss nach Doppelpass mit Dembele ab, doch Schlussmann Ralf Fährmann machte sich breit und konnte Götzes Schuss aus kurzer Distanz zur Ecke klären.

Die Fan-Diskussionen um den Weltmeister in Diensten des BVB, sie wären vorerst erledigt gewesen. So geht es Woche für Woche auf den Rängen weiter: Wie gut ist dieser Mario Götze wirklich?

SPORT1 analysiert vor Dortmunds Spiel in der Champions League gegen Sporting Lissabon (ab 20.15 Uhr im Liveticker und in unserem Sportradio SPORT1.fm) seine bisherigen Auftritte.

DAS DERBY

Die genialen Momente des Mittelfeldspielers blitzten in den letzten Spielen wieder öfters auf.

Gegen Schalke - wie oben beschrieben - in der 73. Minute, nur acht Minuten später mit einem direkten Zuspiel auf Aubameyang, dessen Volley-Drehschuss knapp das Ziel verfehlte.

Zwischenzeitlich tauchte er aber auch immer wieder ab, riss das Spiel zu wenig an sich, kam mit seinen Bällen zu wenig zwischen die Abwehrreihen.

"Ich bin nicht zufrieden", sagte Götze nach dem 0:0 gegen die Gelsenkirchener. "Wir haben es nicht konsequent ausgespielt und die Lücken nicht gefunden", sagte der Nationalspieler und zeigte sich dabei durchaus selbstkritisch.

DIE FITNESS

Nach langer Verletzungspause in der Vorsaison geht es für Götze auch bergauf. Das unterstreichen gegen Schalke auch die drittbesten Laufwerte in der BVB-Elf (11,16 Kilometer).

"Körperlich fühle ich mich immer besser, das steht außer Frage", sagte er nach dem Derby. Ihm sei aber "auch bewusst, dass ich eine Verletzung hatte im letzten Jahr".

Video

Bei seiner vollen Leistungsstärke ist der 24-Jährige noch nicht wieder angelangt. "Es ist wie eine Grippe", beschrieb es kürzlich Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. "Er hat eine lange Zeit in der Krise gesteckt. So lange braucht man dann auch, um da wieder rauszukommen."

DIE AKZEPTANZ

Die Ressentiments gegenüber dem einstigen Meisterhelden sind größtenteils verflogen. Stattdessen kommt von den Rängen wohlmeinender Applaus.

Die Fans auf der Tribüne scheinen zu spüren, dass Götze vor allem eins braucht, um sein Potenzial voll auszuschöpfen: Vertrauen.

Götze selbst sagt: "Ich fühle mich wohl und bin glücklich." Er flachst mit den Mitspielern, lacht, wirkt lockerer als zu Bayern-Zeiten.

DIE ROLLE

Götze soll dem Spiel der Tuchel-Elf mehr Struktur verleihen, so die abgewanderten Ilkay Gündogan und Henrik Mkhitaryan als Taktgeber ersetzen. Kein leichtes Unterfangen.

Tuchel dosiert die Einsätze seiner Nummer 10 noch bewusst, gönnte ihm etwa gegen Ingolstadt eine Pause. Seine Einwechslung nach 59 Minuten verlieh der zuvor harmlosen Offensive neue Impulse und half den Punkt zu retten.

Defensiv hat er an Qualität gewonnen, ist rustikaler, verfügt über ein gutes Stellungsspiel, gewinnt zweite Bälle. Offensiv sucht er inzwischen wieder mehr die Eins-gegen-eins-Situationen – Zeichen zurückgewonnenen Selbstbewusstseins.

DIE NEBENLEUTE

Die spielerische Stärke seiner Nebenleute hebt auch Götzes eigenes Spiel nochmal auf ein anderes Level. Als Raphael Guerreiro gegen Schalke 20 Minuten vor Schluss in die Partie kam, gab das auch Götze einen Schub.

Welt- und Europameister kombinierten gefällig, Götze fühlte sich im Zusammenspiel mit dem 22-Jährigen sichtlich wohl.

Götze wird auch profitieren, wenn Andre Schürrle wieder mehr spielt und er auch Marco Reus irgendwann wieder an seiner Seite weiß. Dann können sich Kumpelfaktor und Spielwitz vereinen.

DIE ZWISCHENBILANZ

Seit seiner Rückkehr vom FC Bayern München hat der Nationalspieler zehn Pflichtspiele in Liga, Pokal und Champions League bestritten – mit unterschiedlichem Erfolg.

Ein Treffer (gegen Legia Warschau) und ein Assist (gegen Sporting Lissabon) sind zu wenig für einen Ausnahmefußballer wie Götze.

Dennoch befindet sich Dortmunds Nummer 10 auf einem guten Weg. Mehr Chancen zu kreieren und selbst treffen, gehört zu seinen Hauptaufgaben.

"Er kommt immer mehr. Wenn man ehrlich ist, ist er nur noch minimal davon entfernt, auch Tore selbst zu erzielen oder entscheidende Vorlagen zu geben", sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke im Bild-Interview. 

DIE PROGNOSE

"Ich fühle mich wohl und bin glücklich", sagt Götze über den Status quo. Damit ist die wichtigste Basis für den sensiblen Ballstreichler gegeben.

Geht die Entwicklung des 24-Jährigen so weiter, werden die Fans bald wieder den Mario Götze bejubeln können, wie sie ihn sich wünschen.

Doch bis dahin braucht es noch ein wenig Geduld.

Video

"Dortmund hat nicht nur für diese Saison, sondern für die Zukunft eingekauft", sagte SPORT1-Experte Armin Veh im Volkswagen Doppelpass über das schwarzgelbe Gesamtkonstrukt.

Auch Götzes Anpassungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel