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Borussia Dortmund v Bayern Muenchen - Bundesliga
Thomas Tuchel ließ gegen Bayern mit einer Fünferkette spielen © Getty Images

München - Der taktische Plan von Thomas Tuchel geht auf. Der FC Bayern wird vom Pressing der Dortmunder überrascht. Auch eine Umstellung schadet dem BVB nicht.

Erstmals seit viereinhalb Jahren hat Borussia Dortmund wieder ein Heimspiel gegen den FC Bayern München gewonnen. Ein Grund dafür war auch die ausgeklügelte Taktik von Trainer Thomas Tuchel.

SPORT1 erklärt sie:

Tuchel schickte sein Team im 5-3-2 aufs Feld, wobei Mario Götze und Andre Schürrle interessanterweise auf den Achterpositionen vor Spielmacher Julian Weigl agierten.

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In der Anfangsphase zahlte sich die Änderung voll und ganz aus. Dortmund war druckvoll im Pressing und brachte die Bayern durch kleinere taktische Kniffe ins Schwitzen.

Ribery spielt BVB in die Karten

So rückte beispielsweise Götze regelmäßig nach innen und attackierte Xabi Alonso und Thiago quasi gleichzeitig. Unterstützt wurde er gegebenenfalls von einem der beiden Dortmunder Mittelstürmer. Der BVB neutralisierte die Münchener Schaltzentrale.

Götze gab ganz bewusst die rechte Seite auf, um den Pressingdruck zentral zu erhöhen. Da Linksaußen Franck Ribery immer wieder den Weg nach innen suchte, wirkte sich dieser Schachzug Tuchels nicht negativ für den BVB aus. Dies galt auch für die gesamte Herangehensweise der Schwarz-Gelben.

Dortmund entnervt Bayern

Es war von Beginn an klar, dass die Dortmunder die hohe Intensität über 90 Minuten nicht würden aufrechterhalten können. Sie entnervten die Bayern für fast eine halbe Stunde, indem zahlreiche Balleroberungen erzielt und viele Umschaltangriffe initiiert wurden.

Der schleppende und zuweilen ungenaue Spielaufbau des nun entthronten Tabellenführers war ein direktes Resultat Dortmunds aggressiver Pressingarbeit.

Durch Dortmunds starkes Pressing fiel auch der Führungstreffer von Pierre-Emerick Aubameyang. Die Bayern konnten den Ball in der elften Minute nicht entscheidend klären, was Götze für seine geschickte Torvorarbeit nutzte.

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Für eine weitere Viertelstunde blieben die Dortmunder auf dem Gaspedal, bevor sie langsam an ihre schwindenden Kraftreserven dachten.

Das nun zurückhaltendere Pressing ermöglichte Bayern die zunehmende Kontrolle über die Partie. Ohne dynamische Zweikämpfe und ohne etwas Chaos rund um die Mittellinie fiel es Carlo Ancelottis Mannschaft bei weitem leichter, den Ball laufen zu lassen.

Götze und Schürrle standen nun tiefer, hielten sich vornehmlich an der Seite von Weigl vor der eigenen Abwehrkette auf. Auch Dortmunds Verteidiger wagten seltener Vorstöße und konzentrierten sich auf ihre Deckungsaufgaben.

Costa-Wechsel bringt Umstellungen

Dieser Trend sollte sich nach der Pause fortsetzen, wobei der BVB zweimal die Chance hatte, den entscheidenden K.o.-Schlag zu landen.

Ancelotti wollte unterdessen die Niederlage im taktischen Duell mit Tuchel nicht akzeptieren und nahm eine wirkungsvolle Umstellung vor. Der Italiener wechselte Douglas Costa für Joshua Kimmich ein und stellte auf ein 4-4-2 um.

Thomas Müller wurde damit von seiner sichtbar ungeliebten Rolle auf der rechten Seite erlöst und durfte nun im Sturmzentrum für Unruhe sorgen. Costa beackerte derweil die Außenbahn.

Da Marcel Schmelzer zumeist nach innen rückte, um Lewandowski zu bewachen, hatte Costa viele Freiräume, die er zu nutzen versuchte. Wenige Minuten nach Costas Hereinnahme reagierte Tuchel und wechselte Erik Durm ein, um die linke Seite besser abzusichern.

Tuchels Team schaltet in Verteidigungsmodus

Bis zum Schlusspfiff war es für den BVB vor allem ein defensiver Kraftakt. Die Bayern bekamen zunehmend Räume auf den Außenbahnen oder auch in den Halbräumen angeboten, da Dortmund diese Zonen nicht mehr schnell genug zuschieben konnte. Aber ein Treffer gelang Ancelottis Team nicht.

Tuchels riskantes Schachspiel zahlte sich aus. Er wusste, dass seine Spieler nach einer intensiven Anfangsphase in den Verteidigungsmodus schalten mussten.

Der BVB-Coach betätigte sich vor allem in der zweiten Halbzeit als unermüdlicher Antreiber seiner Mannschaft. Hätte der FC Bayern den Ausgleich oder gar noch den Siegtreffer erzielt, würde Tuchels strategische Herangehensweise natürlich viel kritischer betrachtet werden.

Aber Trainer werden im Fußballgeschäft nun einmal an Resultaten gemessen. Und so ist es Ancelotti, der sich nach einigen mediokren Leistungen und dem verlorenen Topspiel in Dortmund unangenehmen Fragen stellen muss.

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