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Doha und München - Bis vor Kurzem war ein Abschied von Holger Badstuber beim FC Bayern kaum vorstellbar. Doch das Leihgeschäft mit Schalke 04 ergibt für alle Parteien Sinn.

Eine halbe Stunde war im ersten Bayern-Spiel des Jahres absolviert, da kam die Bestätigung: Holger Badstuber, der im Test-Kick im Trainingslager in Katar gegen Eupen schon gar nicht mehr im Kader des Rekordmeisters stand, kehrt dem FC Bayern München vorerst den Rücken.

Kurz nach Bekanntwerden bestätigte der Verteidiger auf seiner Facebook-Seite: "Jetzt ist es raus: Ich werde die Bayern verlassen!"

Den 27-Jährigen, der mit 13 Jahren nach München wechselte, zieht es auf Leihbasis zunächst bis zum Saisonende zum Ligarivalen FC Schalke 04. Nach SPORT1-Informationen wird Badstuber seinen Vertrag beim Rekordmeister um ein Jahr verlängern - wenn die Leihe denn zustande kommt, der Verteidiger also den obligatorischen Medizincheck besteht.

Schalkes Sportdirektor Christian Heidel hat im Verlauf der Verhandlungen bei SPORT1 betont: "Es macht nur Sinn, wenn es sich für alle drei Parteien lohnt. Wenn das alles passt, wird Holger Badstuber kommen."

Ob es sich tatsächlich für alle Beteiligten lohnt, wird sich herausstellen. SPORT1 erklärt, wer wie vom Badstuber-Transfer profitieren könnte.

- Holger Badstuber:

Für Badstuber ist die Leihe ein logischer Schritt. Der 27-Jährige hatte zu Beginn des Bayern-Trainingslagers gesagt, er wolle in der Rückrunde "mehr Spielpraxis bekommen". Trainer Carlo Ancelotti kann ihm die nicht garantieren.

Bei den Königsblauen kommt ihm die Verletzungsmisere zu Gute. Vor der Winterpause fielen die Verteidiger reihenweise aus. Coke und Benedikt Höwedes laborieren nach wie vor an ihren Verletzungen.

Ob Badstuber angesichts der Konkurrenz mit Matija Nastasic und Naldo gleich von Anfang an ran darf, ist zweifelhaft, auch wenn der Serbe derzeit nur individuell trainiert. Profitieren könnte er von Markus Weinzierls Variante mit drei Innenverteidigern.

Sicher ist jedoch: Badstuber wird auf Schalke mehr zum Einsatz kommen, als das in München der Fall gewesen wäre.

- FC Bayern:

Wie im bisherigen Verlauf der Hinrunde bereits klar wurde, hat Badstuber bei den Roten kaum Chancen auf Einsätze. Ancelotti setzt in der Innenverteidigung auf Mats Hummels, den derzeit verletzten Jerome Boateng und Javi Martinez.

Außerdem betonte der Italiener in Katar explizit, dass zur Not auch David Alaba oder Joshua Kimmich in der Mitte verteidigen könnten. Ein deutliches Zeichen an Badstuber, der im Training in Katar zwar Vollgas gab, ab und zu aber deutlich unzufrieden wirkte. Ancelotti hat somit einen Akteur weniger, den er bei Laune halten muss.

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Auch perspektivisch gesehen könnte Badstubers Leihe ein Gewinn sein. Franck Ribery bringt es auf den Punkt:  "Ich wünsche Holger viel Glück und hoffe, dass er dann im Sommer noch besser zu uns zurückkommt."

Auch Karl-Heinz Rummenigge ist bewusst, dass Badstuber die Bayern in der nächsten Saison weiterbringen könnte - vorausgesetzt, er findet auf Schalke seine alte Form wieder. "Wir hoffen, dass Holger in den kommenden Monaten viele Einsatzminuten sammelt", wünscht sich Bayerns Vorstandsboss deshalb.

- Schalke 04:

Die Knappen leihen nicht nur einen Spieler aus, den einst sportliches Weltklasse-Format auszeichnete. Welche herausragenden menschlichen Qualitäten Badstuber hat, zeigten vor allem die Reaktionen seiner Bayern-Mitspieler kurz nach Bekanntwerden des Wechsels.

Kapitän Philipp Lahm etwa meinte: "Es ist schon sehr besonders, wenn jemand den Verein verlässt, der so lange dabei war wie Holger. Ich finde das sehr schade."

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In erster Linie gewinnt Schalke eine weitere Alternative für die zuweilen dünn besetzte Defensive hinzu. "Zum Beispiel gegen Bayer Leverkusen mussten wir mit Johannes Geis als Innenverteidiger spielen, weil die anderen ausgefallen sind. Mit Tilo Kehrer haben wir vier Innenverteidiger, aber es kann immer etwas passieren und darauf wollen wir vorbereitet sein", begründete Heidel bei SPORT1 im Vorhinein die Verpflichtung Badstubers.

Eine Qualität strich er besonders heraus: "In der Spieleröffnung - und das ist für uns sehr wichtig - ist Holger einer der Besten, den ich kenne."

Der Linksfuß hat bereits des Öfteren unter Beweis gestellt, sich schnell an neue Situationen gewöhnen zu können. Die zeitweilige Umfunktionierung zum Außenverteidiger bewältigte er sowohl bei den Bayern als auch im Nationaltrikot problemlos.

Trotz aller Vorteile ist der Transfer nicht ganz risikofrei. Doch Badstubers hinlänglich thematisiertes Verletzungspech ist für Heidel kein Hindernis: "Seine Fitness stellt null Probleme dar."

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