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München - Borussia Dortmund rühmt sich für seinen Jugendstil, der gerne als Erklärung für Niederlagen herangezogen wird. Doch die Statistik taugt ohnehin nicht als Alibi.

Thomas Tuchel hat sicher schon angenehmere Zeiten erlebt in seiner Karriere als Fußballlehrer. Der Trainer von Borussia Dortmund muss dieser Tage mit ansehen, wie sein BVB den Status als Nummer zwei in Deutschland verspielt. 

Aufsteiger RB Leipzig ist auf elf Punkte enteilt. Eine Pleite im direkten Duell am kommenden Samstag (ab 18 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER), und die Schwarz-Gelben müssen die Wiederholung der Vizemeisterschaft aus dem Vorjahr wohl endgültig abhaken.

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Selbst die direkte Qualifikation für die Champions League ist nach dem 18. Spieltag akut gefährdet.

Hat der BVB seinem Trainer eine Mannschaft an die Hand gegeben, die zu jung und unerfahren ist für die Königsklasse und die Top-Plätze in der Liga?

Jugendstil? Ausrede gilt nicht

Die BVB-Bosse rühmen sich regelmäßig für ihren Jugendstil, zuletzt durfte sich Sportdirektor Michael Zorc darüber freuen, das schwedische Talent Alexander Isak diversen internationalen Topklubs vor der Nase weggeschnappt zu haben. Und Ousmane Dembele pries Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erst vor kurzem als "Roh-Diamant", der "unfassbares Potenzial" habe.

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Die Dortmunder Verantwortlichen inszenieren ihre Mannschaft gerne als Bubi-Truppe, als Team, dem die Zukunft gehöre. Wohl wissend, dass der personelle Umbruch Zeit benötigt.

Ein halbes Jahr Eingewöhnungszeit hatte Boss Watzke dem neu zusammengewürfelten BVB zu Saisonbeginn eingestanden. Im Dortmunder Umfeld war das von einigen fälschlicherweise als Freibrief für eine Saison ohne Ergebnisdruck interpretiert worden. 

Eine Ausrede für sportliche Misserfolge hatte Watzke den Seinen gar nicht liefern wollen. Das Alibi, wonach der BVB zu jung sei, um Erfolge einzufahren, erweist sich bei genauerer Betrachtung ohnehin als wertlos. So jung, wie sich der BVB macht, ist der aktuelle Kader nämlich gar nicht.

HSV-Elf jünger als der BVB

Das Durchschnittsalter der Dortmunder Startelf in Mainz (25,5 Jahre) lag nur unwesentlich unter dem des Gegners (25,7). Leverkusen (24,4) schickte gegen Gladbach ebenso wie Leipzig (24,6) gegen Hoffenheim (25,5) und Freiburg (25,3) gegen die Hertha sogar eine noch jüngere Mannschaft aufs Feld. Selbst das Durchschnittsalter von Liga-Dino HSV (25,2) lag bei der Pleite in Ingolstadt unter dem des BVB.

Und noch eine Statistik könnte man der Borussia entgegen halten: Nimmt man die Altersstruktur des gesamten Kaders, stellt Dortmund nur das siebtjüngste Team der Liga (25,1 Jahre). Vor dem BVB platziert sind in diesem Ranking Eintracht Frankfurt (24,7) und RB Leipzig (24,1). Zwei Teams, die in der Tabelle derzeit vor den Dortmundern stehen.

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Das Alter und die fehlende Erfahrung der BVB-Youngster taugen also nur bedingt als Erklärung für die ausbleibenden Ergebnisse in dieser Saison.

Nicht umsonst sah sich Watzke erst kürzlich genötigt, den sportlich handelnden Personen beim BVB die Saisonziele des Klubs eindringlich in Erinnerung zu rufen.

Er erwarte "nicht mehr und nicht weniger von allen Beteiligten, als dass wir uns direkt für die Champions League qualifizieren", sagte Watzke.

Vermutlich hatte Thomas Tuchel diese Aussage im Hinterkopf, als er nach der neuerlichen Enttäuschung in Mainz vor die Mikrofone trat und seinem Team "fehlenden Mumm" vorwarf.

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