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Kyriakos Papadopoulos startete seine Profikarriere 2007 bei Olympiakos Piräus © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/ dpa picture alliance/ iStock

Der Hamburger SV ist in der Rückrunde nicht wiederzuerkennen. Einen großen Anteil am neuen Erfolg hat Neuzugang Kyriakos Papadopoulos. SPORT1 stellt den Mann der Stunde vor.

Kyriakos Papadopoulos kam, sah und siegte. Seit der Grieche in der Winterpause zum Hamburger SV gewechselt ist, läuft es für den 24-Jährigen wie am Schnürchen.

Hinten sorgt der sympathische Kraftprotz für Stabilität, vorne steuert er wichtige Treffer bei. Dabei war Papadopoulos fast abgeschrieben. 

SPORT1 stellt den Mann der Stunde in der Bundesliga vor:  

Frühentwickler

Schon mit 15 Jahren und 283 Tagen feierte Papadopoulos sein Debüt als Profi für Olympiakos Piräus. Zu diesem Zeitpunkt war er der jüngste Spieler, der in der höchsten griechischen Liga ein Pflichtspiel bestritten hat.

Er durchlief alle Junioren-Nationalteams Griechenlands, war jüngster Debütant der U21 und absolvierte mit 19 Jahren im Juni 2011 sein erstes A-Länderspiel. Bereits bei der U19-EM 2008 wurde er von Scouts von Manchester United, Arsenal und Chelsea beobachtet, ging aber 2010 zu Schalke 04.

Die Königsblauen erhielten später lukrative Angebote für den Stammspieler, unter anderem von Chelsea, Milan, Zenit St. Petersburg und Liverpool, die allesamt abgelehnt wurden.

Jubel gegen Ex-Klubs

Vom inzwischen weit verbreiteten Brauch, nicht gegen den Ex-Klub zu jubeln, hält Papadopoulos gar nichts. Sowohl seinen Siegtreffer gegen Leverkusen als auch das Führungstor in Leipzig feierte er frenetisch.

"Gegen Leverkusen war das schon richtig geil. Ich hatte vorher zwar gesagt, ich juble nicht, wenn ich ein Tor schieße. Aber es ist einfach über mich gekommen. Was soll ich machen? Da waren zu viele Emotionen. Und ich kann nicht lügen. Ich war einfach ehrlich", sagte er.

"Ich bin jetzt hier und gebe alles für den HSV. Ich kann nicht leise sein und Schauspielerei machen. Ich bin einfach nicht so. Und so ist Fußball."

Und am Samstag ergänzte "Papa": "Bei Leipzig hat es nicht für mich gepasst. Natürlich war es deshalb für mich etwas Besonderes, hier zu spielen. Ich wollte unbedingt gewinnen und zeigen, was ich kann."

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Positiv verrückt

"In Sachen Herz und Mentalität ist er jemand, der all das abliefert, was ich mir wünsche", meinte Trainer Markus Gisdol: "Er ist vorausgegangen und hat alle mit seiner Art mitgezogen. Genau diese Mentalität brauchen wir."

Und auf die Frage, ob er jemals zuvor ein "Mentalitätsmonster" trainiert habe, antwortete der Coach bei Sky: "Ja - Papadopoulos bei Schalke." Gisdol war 2011/12 Assistent der S04-Trainer Rangnick und Stevens.

Lewis Holtby spielte sogar von 2010 bis 2013 mit dem Griechen zusammen. "Auf dem Platz ist Papa ein brutaler Kämpfer und eine fußballerische Bereicherung für uns", sagte er. "Wenn der ein Kopfballduell gewinnt, dann schreit er immer laut rum. Das ist geil. Das sind die Emotionen, die du im Abstiegskampf brauchst. Der hat einen Schaden - natürlich im positiven Sinne."

Dass es bei so viel Zuneigung an Spitznamen nicht mangelt, ist zwangsläufig. "Papa" wird alternativ auch gerne Popeye, Hulk oder Koloss von Rhodos gerufen.

Rückennummer

Nicht wenige reagierten mehr als verwundert, dass Papadopolous beim HSV mit der Rückennummer neun von Vereinslegende Uwe Seeler aufläuft. Doch es passt: Zum einen, weil der 24-Jährige nach wenigen Wochen wie schon bei Schalke und Leverkusen auf dem Weg zum Publikumsliebling ist - zum anderen wegen seiner Torgefahr im Strafraum.

Die Süddeutsche Zeitung fühlt sich schon an ein früheres HSV-Kopfballungeheuer erinnert und titelte "Papa Hrubesch". Eine "falsche Neun" im Wortsinn sozusagen.

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Zukunft offen

Nach dem tollen Start werden Stimmen laut, Papadopoulos langfristig an die Rothosen zu binden. Bisher ist er nur bis Saisonende von Bayer Leverkusen ausgeliehen, wo er einen Vertrag bis 2020 besitzt.

"Hamburg ist ein toller Verein mit super Fans. Also warum nicht? Wenn ich am Ende hierbleiben will und der Verein die Ablöse zahlen kann, wird man sehen, was passiert", sagt der Umworbene. HSV-Sportchef Jens Todt zeigt sich zurückhaltend:  "Kyriakos ist ein interessanter Spieler. Wir müssen die Machbarkeit prüfen, wenn wir die Klasse erhalten haben."

Denn mit seinem letzten Klub RB Leipzig hatte Leverkusen eine Kaufoption über 12 Millionen Euro vereinbart - und viel günstiger dürfte Papadopoulos bei anhaltend guten Leistungen auch für die Hamburger nicht werden. Im Zweifel müsste Mäzen Klaus-Michael Kühne wieder in die Tasche greifen.

Krankenakte

Ein großes Fragezeichen stand und steht hinter Papadopoulos' Gesundheit. Seit seiner ersten Knie-OP im November 2012 bestritt er nur 38 Bundesligaspiele. Ein wesentlicher Grund, warum ihn Schalke 2014 an Leverkusen abgab.

Doch auch bei Bayer hatte er anhaltende Probleme, allein 2016 laborierte er an einer Kapselverletzung, einem Sehnenanriss sowie Knieproblemen und musste sich einer weiteren Knie-OP unterziehen.

Nach seiner Leihe vor der Saison nach Leipzig kam er nur auf ein Ligaspiel mit 27 Minuten Einsatzzeit. Doch in Hamburg scheint das Knie zu halten.

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