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SV Darmstadt 98 v SC Freiburg - Bundesliga
Darmstadt 98 hat trotz des dritten Sieges in Folge nur noch minimale Chancen auf den Klassenerhalt © Getty Images

Darmstadt - Dem Schlusslicht gelingt mit dem dritten Dreier in Folge Historisches. An die Rettung glaubt kaum mehr einer, dennoch reisen die Hessen frohen Mutes nach München.

Darmstadt 98 hat seinen Abstieg aus der Bundesliga mit einem historischen Sieg noch einmal um mindestens eine Woche verschoben.

Dem Tabellenletzten gelangen am 31. Spieltag durch das 3:0 (2:0) gegen den SC Freiburg erstmals in seiner Vereinsgeschichte drei Erfolge in Serie - ein Bundesliga-Sieg mit drei Toren Unterschied gelang den Hessen zudem zuletzt vor fast 38 Jahren im Mai 1979 gegen Bremen (ebenfalls 3:0).

Von einer Rettung sind die Südhessen bei acht Punkten Rückstand auf den Relegationsrang zwar weiterhin meilenweit entfernt (Die Tabelle der Bundesliga), und schon am nächsten Samstag dürfte das Ende des Lilien-Märchens besiegelt sein, wenn das Gastspiel beim Rekordmeister Bayern München ansteht. Doch daran dachte zunächst niemand, Fans und Spieler genossen den Erfolg, den Felix Platte (22.), Jerome Gondorf (45.+1) und Sven Schipplock (65.) mit ihren Treffern sicherstellten, in vollen Zügen (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker).

Darmstadt "mit breiter Brust" zum FCB

"Es tut einfach gut, dass wir nun mal eine positive Serie haben. Man kann nur den Hut vor uns ziehen", meinte Angreifer Marcel Heller und sagte mit Blick auf die Reise zum Goliath: "Wir können jetzt mit breiter Brust dorthin fahren."

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Wie Heller wusste auch Trainer Torsten Frings, dass ein Sieg gegen den FCB, in dessen Stadion, in dieser Situation, nur mit "viel, viel Glück" machbar ist. "Aber ich habe immer gesagt, dass man in jedem Spiel die Chance besitzt, etwas zu holen", sagte Frings: "Und wie ich meine Jungs kenne, werden sie alles probieren und aus sich rausholen."

"Der Funken Hoffnung ist extrem klein, wir rechnen nicht mehr mit der Rettung", sagte Angreifer Platte: "Aber wir werden weiter Gas geben und gucken, was in München drin ist."

Trotz der beiden zurückliegenden Siege, darunter die ersten Auswärtspunkte der laufenden Spielzeit überhaupt, hatte Frings keine Gedanken an ein mögliches Wunder verschwendet - kampflos aufgeben wollten die Hessen allerdings nicht.

Freiburg lange schläfrig

Die Gastgeber spielten vor 17.400 Zuschauern von Beginn an befreit auf - auch, weil die Freiburger äußerst abwartend agierten und den Spielaufbau der Gastgeber erst ab der Mittellinie zu stören versuchten. So kamen die Lilien immer wieder zu Abschlüssen, unter anderem durch den auffälligen Mario Vrancic (19./21.). Die Führung durch Platte, der per Kopf traf, war auch deshalb mehr als verdient (Ergebnisse und Spielplan).

Dass Freiburg nicht nur bei dieser Aktion zu schläfrig wirkte und bis zur Pause lediglich einmal in Person von Nils Petersen (14.) auf das Tor geschossen hatte, brachte SC-Coach Christian Streich mächtig in Rage. Immer wieder stand der 51-Jährige wild gestikulierend an der Seitenlinie.

"Ich hätte neue Spieler bringen müssen, habe mich aber nicht getraut. Einige sind auf dem Zahnfleisch gegangen. Wir spielen nicht immer so schlecht, Darmstadt nicht immer so gut - aber wenn das zusammenkommt, dann haben wir keine Chance. Darmstadt war in allen Belangen überlegen", zeigte sich Streich selbstkritisch.

Da die SC-Profis den Plan ihres Chefs nicht umsetzen konnten, blieb Darmstadt das dominierende Team, wenngleich der Treffer von Gondorf, ebenfalls mit dem Kopf erzielt, unmittelbar vor der Pause ein wenig überraschend kam.

Zum Vergleich: In der bisherigen Saison hatten die Lilien, in der Vorsaison mit 14 Kopfballtoren noch die Nummer eins der Liga, insgesamt nur zwei Mal auf diese Weise getroffen.

Schipplocks Torflaute endet

Mit dem Beginn des zweiten Durchgangs wurden die Gäste ein wenig aktiver - und weil die Darmstädter weiterhin mutig nach vorne spielten, entwickelte sich eine unterhaltsame Partie. Die besseren Chancen besaßen dabei die Gastgeber durch Sandro Sirigu (56.) und den starken Gondorf (59.) (Der Tabellenrechner der Bundesliga).

In der 64. Minute hätte Marcel Heller die Entscheidung herbeiführen können, als er alleine auf das Freiburger Tor zustürmte. Anstatt zu schießen, legte er denn Ball jedoch zu Gondorf quer, der in letzter Sekunde entscheidend gestört wurde. Besser machte es wenig später Schipplock, der damit eine lange Durststrecke beendete.

"Mir ist kein Stein, sondern ein ganzer Felsen vom Herzen gefallen", sagte Schipplock, der 1957 Minuten auf einen Torerfolg gewartet hatte: "Das hat ziemlich an meinem Ego gekratzt." Von Frings gab es für den "total verdienten Treffer" ein Sonderlob, "weil sich Sven immer in den Dienst der Mannschaft stellt".

Ob er damit auch eine Option für die Startelf gegen München ist? "Das Spiel ist noch so weit weg, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht", sagte Frings, der viel lieber den Moment des Erfolgs auskostete. "Wir sind überglücklich, uns noch eine weitere Woche Fußball-Bundesligist nennen zu können."

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