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Bei Hoffenheims Spiel in Köln wurde Dietmar Hopp auf Plakaten beleidigt
Bei Hoffenheims Spiel in Köln wurde Dietmar Hopp auf Plakaten beleidigt © Getty Images

Christian Seifert bezeichnet die Verhaltensweise einiger Fan-Gruppierungen als "asozial". Von einem Stehplatzverbot hält der DFL-Geschäftsführer wenig.

Geschäftsführer Christian Seifert von der Deutschen Fußball Liga (DFL) verurteilt die jüngsten Verfehlungen verschiedener Ultra-Gruppen und fordert härtere Maßnahmen. "Es steht außer Frage: Die Verhaltensweise von einigen Fans ist asozial — das hat nichts mehr mit kritischer Meinungsäußerung zu tun", sagte Seifert bei einem Hintergrundgespräch in Frankfurt/Main.

Erst am vergangenen Freitag war Mäzen Dietmar Hopp beim Auswärtsspiel der TSG Hoffenheim beim 1. FC Köln auf Plakaten beleidigt worden. "In Wahrheit sind diese Personen die Totengräber der Fankultur, um die es ihnen angeblich geht", sagte Seifert.

Auch während der Heimspiele von Eintracht Frankfurt und des Hamburger SV sorgten am Wochenende Ultras mit dem Einsatz von verbotener Pyro-Technik für Aufsehen. Wie die Kölner müssen auch sie mit Strafen durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) rechnen.

Ein Stehplatzverbot ergibt für Seifert trotz der Vorfälle wenig Sinn: "Das führt wieder nur zu irgendwelchen Solidarisierungstendenzen." Über die bildstarken Choreografien der Ultras gelte es nach Meinung des 47-Jährigen jedoch nachzudenken. "Da verzichte ich lieber auf eine Choreografie, wenn der Preis dafür Gewalt-Exzesse und Pyro sind."

Auch die Notwendigkeit immer größerer Polizeiaufgebote sieht Seifert mit Besorgnis: "95 Prozent der Zuschauer ist nicht mehr klarzumachen, warum Stadien aussehen wie militärische Krisengebiete, weil über der Stadt die Hubschrauber kreisen und vermummte Polizisten herumlaufen. Wenn das alles nötig ist, um die vermeintliche Fußballkultur zu schützen, sollten wir darüber nachdenken, was wir unter Fußballkultur verstehen."

Um der Fanproblematik Herr zu werden, sieht Seifert auch die Vereine in der Pflicht und fordert ein strikteres Vorgehen. "Da braucht es den Willen von allen Seiten. Die anderen 50.000 im Stadion und der DFB tun mehr für die Fußballkultur als die, die Böller abschießen oder Plakate hochhalten oder Raketen in die Blocks schießen."

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