Video

München und Dortmund - Thomas Tuchel ist nach dem Sieg gegen den HSV hin- und hergerissen. Die mangelhafte Chancenverwertung bereitet dem BVB-Coach Sorgen. Nicht zum ersten Mal.

Ein kurzes Abklatschen mit seinem Trainerteam war noch die größte Gefühlsregung von Thomas Tuchel.

Nachdem Shinji Kagawa in der 81. Minute das beruhigende zweite Tor für Borussia Dortmund gegen den Hamburger SV gelang, ließ sich der BVB-Coach mit versteinerter Miene in seinen Trainerstuhl fallen.

Dass in der Nachspielzeit auch noch Toptorjäger Pierre-Emerick Aubameyang für ein letztlich standesgemäßes 3:0 sorgte, änderte nur wenig am Gemütszustand Tuchels.

"Eine einzige Achterbahnfahrt"

"Die Freude steht mir wahrscheinlich nicht ins Gesicht geschrieben, weil es einfach fahrlässig ist, wie wir spielen", sagte Tuchel nach dem Abpfiff bei Sky.

"Es ist eine einzige Achterbahnfahrt. Wir haben so einen Aufwand betrieben und mir wird angst und bange, wenn ich an unser Programm denke."

Video

Die kommenden Gegner sind unter anderem der FC Bayern in der Liga und im Pokal, dazu der AS Monaco in der Champions League - Fahrlässigkeiten wie gegen den Hamburger SV können den BVB in den kommenden Wochen teuer zu stehen kommen.

Daher war Tuchel auch nach dem Sieg "hin- und hergerissen". Einerseits war der 43-Jährige glücklich über das Ergebnis und darüber, dass seine Mannschaft "so viele hochkarätige Torchancen gegen so einen defensivstarken Gegner herausgespielt" habe.

Dennoch dauerte es nach dem frühen Freistoßtor von Gonzalo Castro (13.) bis zur 81. Minute, ehe das Spiel entschieden war.

"Vielleicht lustig 1:1 - bei 100:0 Torschüssen"

"Im Stadion und bei allen unseren Spielern schleicht sich dann so ein Gefühl ein, vielleicht geht das hier ja lustig 1:1 aus - mit 100:0-Torschüssen", meinte Tuchel, der das natürlich überhaupt nicht lustig gefunden hätte.

Nicht zum ersten Mal in dieser Saison verpasste es die junge Dortmunder Mannschaft, frühzeitig den Sack zuzumachen.

Video

Erst am Samstag im Derby bei Schalke 04 habe man den Gegner laut Tuchel durch zwei vergebene Großchancen unmittelbar nach dem Führungstreffer "einfach leben gelassen". Am Ende hieß es 1:1.

Weil es gegen den HSV am Ende doch noch gut ausging für den BVB, wolle er auch nicht zu kritisch werden, meinte Tuchel.

Aber: "Das Gespür, wann eine Partie entschieden werden kann, geht uns ab. Das formuliere ich nicht als Vorwurf, sondern als Gemütszustand."

Aubameyang als Sinnbild der Probleme

Sinnbildlich dafür stand Torjäger Aubameyang.

Kein Spieler hat in dieser Saison mehr Großchancen liegengelassen als der Gabuner, auch gegen die Hamburger war er nach zahlreichen vergebenen "Hundertprozentigen" erst mit seinem sechsten und letzten Torschuss erfolgreich.

"Wir sind froh, wenn er am Ende doch noch trifft", lobte ihn Tuchel für seinen unermüdlichen Einsatz.

"Krisen schleppt er nicht mit sich herum. Wenn, dann nur für ganz kurze Zeit. Deshalb kann das ein ganz wichtiger Treffer gewesen sein."

Nicht nur für den nach seinem Masken-Jubel öffentlich viel kritisierten Aubameyang persönlich, sondern auch für die ganze Mannschaft.

Vielleicht ändert sich dann auch wieder Tuchels Gemütszustand.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel