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Hamburger SV v SV Darmstadt 98 - Bundesliga
Gotoku Sakai und der Hamburger SV haben einen Befreiungsschlag verpasst © Getty Images

Hamburg - Der Hamburger SV verliert völlig überraschend gegen Darmstadt und wirkt überfordert. Trainer Markus Gisdol ist als Psychologe gefordert. Erinnerungen an Stuttgarts Abstieg werden wach.

Markus Gisdol hatte den Grund für die Blamage schnell ausgemacht. "Es ist der Kopf, nichts anderes", sagte der Trainer des Hamburger SV nach der mehr als dürftigen Vorstellung gegen den Tabellenletzten SV Darmstadt 98.

Sein Team agierte "ein bisschen wie gelähmt", "überhastet und ungeduldig" in diesem "Muss-Spiel", in dem ein "Muss-Sieg" erwartet worden war (Tabellenrechner der Bundesliga).

Die Statistik zum Spiel © iMFootball

Und so wirkte der HSV am Ende überfordert. "Wir hatten Schwierigkeiten, mit der Situation klarzukommen", sagte Gisdol.

In den bisherigen 14 Auswärtsspielen hatte Darmstadt nicht einen Punkt geholt, doch ausgerechnet der zuletzt so heimstarke HSV lud die Hessen gleich zu einem Dreier ein

"Es geht bis zum letzten Spieltag"

Viel zu zurückhaltend für ein Kellerduell präsentierten sich Lewis Holtby, Bobby Wood und Co. - und so sorgten Aytac Sulu (51.) und Felix Platte (53.) bei einem Eigentor von Fabian Holland (90.+3) für die peinliche 1:2 (0:0)-Pleite des HSV.

Damit ist die Abstiegsangst mit voller Wucht an die Elbe zurückgekehrt.

"Es geht bis zum letzten Spieltag, da bin ich ganz sicher. Das wird für alle Mannschaften noch ganz heiß", sagte Gisdol, der sich mit dem HSV plötzlich wieder auf Rang 15 wiederfindet, mit nur einem Zähler Vorsprung auf Augsburg auf dem Relegationsrang.

Gisdol als Psychologe gefragt

Vor dem direkten Duell nächste Woche beim FCA ist Gisdol im Saisonendspurt jetzt als Psychologe gefragt. Er wolle "viele Gespräche" führen, die Niederlage schnell analysieren und dann nach vorne blicken.

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"Wir sind nach wie vor in der Situation, in der wir alles in der eigenen Hand haben", sagte Gisdol und versuchte, seinem verunsicherten Team für den Klassenkampf wieder Mut zu machen.

Dem HSV fehlten die nötige Spritzigkeit und Ideen, um die Defensive der Lilien zu knacken und auch ein Stück weit wohl der unbedingte Wille zum Sieg. Hinterher war im Volkspark wieder eine allgemeine Verunsicherung zu spüren, die Fans pfiffen nur kurz - danach herrschte gespenstische Ruhe.

Erinnerungen an den VfB Stuttgart

"Ich werde jetzt nicht auf uns draufhauen, aber auch nichts schönreden", sagte Holtby, der sich die erste Heimniederlage nach über fünf Monaten auch nicht richtig erklären konnte: "Wir bleiben jetzt ruhig. Alles andere bringt uns doch gar nichts."

Aaron Hunt versicherte, den so gut wie abgestiegenen Tabellenletzten auf keinen Fall unterschätzt zu haben: "Dafür ist die Situation viel zu prekär."

Im Umfeld des HSV erinnert man sich mit Grauen an den Absturz des VfB Stuttgart in der Vorsaison, als die Schwaben sich schon gerettet fühlten und nach einem Leistungseinbruch dann doch in die 2. Liga mussten. 

Auch der HSV schien zuletzt auf einem guten Weg, gewann immerhin gegen Teams wie Hoffenheim, Köln oder Mönchengladbach. 

Rauchbombe soll keine Ausrede sein

Die Vorstellung gegen Darmstadt gibt allerdings Anlass zur Sorge. "Wir haben viele falsche Entscheidungen getroffen, insgesamt war es keine gute Leistung", sagte Gisdol, der zudem monierte, dass Schiedsrichter Sascha Stegemann seinem Team einen berechtigten Elfmeter verweigerte.

Doch der ausgebliebene Pfiff in der Szene mit Gideon Jung (28.) war ebenso wenig der Grund für die Pleite wie die Spielunterbrechung direkt nach Anpfiff, als HSV-Fans Rauchbomben und Böller gezündet hatten.

"Geholfen hat es uns nicht. Das muss man klar sagen. Eine Ausrede ist das aber nicht", sagte Sportchef Jens Todt.

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