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Markus Gisdol, Manuel Baum und Andries Jonker (v.l.) kämpfen mit ihren Vereinen gegen die Relegationszugabe am Saisonende © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/ Getty Images/ Imago

Die Angst vor der Relegation geht um und mit ihr eine veritable finanzielle Gefahr. Was würde ein Abstieg für Augsburg, Wolfsburg oder den HSV bedeuten?

Es ist die Horrorvorstellung eines jeden Bundesligavereins: Der Abstieg. Neben der Schmach, nicht mehr zur Elite zu gehören, hat der Gang in die Zweite Liga vor allem wirtschaftliche Folgen.   

Dass im Abstiegsfall die Einnahmen zurückgehen, ist zwangsläufig. So strömen in der Regel weniger Fans ins Stadien, wenn die Gegner nicht FC Bayern oder Borussia Dortmund, sondern Sandhausen oder Heidenheim heißen. Zudem müssen die Ticketpreise gesenkt werden. 

Weitaus kritischer für die Vereinskassen sind jedoch die einbrechenden Einnahmen bei den TV-Geldern.

Für die Saison 2017/18 stehen insgesamt 1,194 Milliarden Euro zur Verfügung, dazu kommen die Erlöse aus der internationalen Vermarktung. Krösus ist der FC Bayern München, dem knapp 100 Millionen Euro zustehen.

Eine Klasse tiefer erhalten die Vereine deutlich weniger vom großen Kuchen, den die DFL unter den 36 Profiklubs aufteilt. SPORT1 zeigt auf, welche Folgen ein Abstieg für Hamburg, Wolfsburg oder Augsburg hätte.

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Hamburger SV:

Dass der Dino offenbar immun gegen einen Abstieg ist, hat er in über 50 Jahren bewiesen: Die Uhr tickt immer noch zuverlässig. Darauf verlassen sollten sich die Verantwortlichen beim HSV aber nicht. 

Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen sträubt sich zwar, wenn er auf mögliche Konsequenzen eines erstmaligen Abstiegs der Hamburger angesprochen wird - dennoch habe man sich "natürlich schon mit einem Zweitliga-Szenario beschäftigt." 

"Ein Abstieg zieht natürlich auch personelle Konsequenzen nach sich", sagte Bruchhagen SPORT1. "Der Lizenzspieler-Etat verkleinert sich fast auf die Hälfte. Das geht aber jedem Verein so, der absteigen muss."

Durch einen Abstieg gebe es eben "extreme TV-Einbußen. Dann rutschten wir automatisch auf Platz 19 im Fernsehgeld-Ranking", erklärt Bruchhagen: "Normalerweise wären wir beim Klassenerhalt auf Platz 13 oder 14 im Ranking. Wenn es aber runter geht, sind wir 19. nach Zweitliga-Bedingungen. Das ist schlimm.“

In Zahlen ausgedrückt: 18 Millionen Euro weniger würde der Hamburger SV in der kommenden Saison bekommen, sollte die Uhr doch aufhören zu ticken. Für den ohnehin schon klammen Klub, der seit Jahren auch von Anteilseigner Klaus-Michael Kühne lebt, eine düstere Aussicht.

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VfL Wolfsburg:

Mit Blick auf die TV-Gelder wäre der Abstieg aus der Bundesliga für den VfL Wolfsburg die größte Katastrophe. Die Wölfe würden in der Zweiten Liga etwa 40 Millionen Euro weniger aus dem Topf der nationalen Rechte kassieren.

Statt wie aktuell 69,46 Millionen Euro würde die DFL nur noch gut 29 Millionen nach Wolfsburg überweisen.

Bedenkt man, dass der durch den Abgasskandal kriselnde Mutterkonzern VW ab der kommenden Saison ebenfalls eine drastische Etatkürzung plant, lässt sich das ganze Ausmaß eines Abstiegs ausmalen.

Bereits bei einem Verbleib in der Bundesliga würde der 100-Millionen-Euro-Etat des früheren Champions-League-Teilnehmers damit um 20 bis 25 Millionen schrumpfen.

Gerade bei einem ambitionierten Klub wie Wolfsburg, vor zwei Jahren noch Vizemeister und Pokalsieger und als einzig "echter" Verfolger der Bayern gehandelt, ist der Kader auch entsprechend ausgerichtet. Das bedeutet zum einen hohe Kosten im Unterhalt und zum anderen einen nicht zu unterschätzenden Wertverlust einiger Spieler im Abstiegsfall.

Entweder sind Spieler für die Zweite Liga zu teuer oder für andere Klubs schwer vermittelbar. Oder aber Ausstiegsklauseln, wie sie wohl bei einigen Spielern in Wolfsburgs Kader in den Verträgen stehen dürften, würden den eigentlichen Marktwert torpedieren.

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FC Augsburg:

Der FC Augsburg würde 25 Millionen Euro weniger bekommen. Der FCA hat vor dieser Saison investiert wie noch nie in seine Belegschaft, rund 20 Millionen Euro konnte Manager Stefan Reuter in den Ausbau des Kaders stecken.

Augsburg hat sein Gehaltsniveau deutlich angehoben, die meisten Spieler besitzen langfristige Verträge. Im Zusammenspiel mit den deutlich reduzierten Einnahmen aus Ticketing, Fernseh- und Sponsorengeldern käme aber ein dickes Minusgeschäft auf die bayerischen Schwaben zu.

Die WWK-Arena ist schon bei einigen Bundesligaspielen nicht ausverkauft, in der Zweiten Liga wäre ein enormer Rückgang der Zuschauerzahlen zu kalkulieren. Der Werbewert ist für die Sponsoren eine Etage tiefer überhaupt nicht mehr vergleichbar mit dem der Bundesliga.

Ganz zu schweigen vom ideellen Rückschlag, den der Klub erleiden würde: In den letzten zehn Jahren ging es für den FCA im Prinzip nur bergauf, aus einem ambitionierten Zweitligisten wurde ein wackeliger Erstligist, der sich stabilisiert hat und fast schon zum Inventar der Bundesliga gehört. Ein zweites Mainz wollte Augsburg werden.

In den ersten Jahren nach dem Aufstieg war ein Abstieg immer auch mit eingepreist, der Klub darauf vorbereitet. Ein Abstieg jetzt nach sechs Jahren wäre für die Ausrichtung des Klubs schlicht fatal.

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