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Peter Brings (r.) hofft auf den Einzug des 1. FC Köln in die UEFA Europa League © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann / Getty Images/ Imago

München - Vor dem Europa-League-Endspiel des 1. FC Köln gegen Mainz spricht Kölsch-Rocker Peter Brings bei SPORT1 über den FC und die Freundschaft zu Lukas Podolski.

Durch ihre Hits "Kölsche Jung" und "Superjeilezick" haben die Kölner Karnevalsrocker Brings in der Domstadt längst Kultstatus erreicht.

Ihre Songs sind aus dem Karneval sind sie nicht mehr wegzudenken, werden regelmäßig auch bei den Heimspielen des 1. FC Köln gespielt - demnächst auch in der UEFA Europa League?

Im SPORT1-Interview spricht Sänger Peter Brings über die Stimmung vor dem entscheidenden Duell der Geißböcke mit Mainz 05 (Sa., 15:30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER), das Erfolgsgeheimnis von Jörg Schmadtke und Peter Stöger und warum ein anderer Trainer sein Vorbild ist.

Brings erzählt außerdem von seiner Freundschaft zu Lukas Podolski - und warum er sich von ihm einen früheren Wechsel aus Istanbul gewünscht hätte.

SPORT1: Herr Brings, was macht einen Kölschen Jung aus?

Peter Brings: Ein Kölscher Jung ist bodenständig, lässt keinen im Regen stehen, zeigt Solidarität und macht das Maul auf, wenn es nötig ist. Und er ist immer bei sich selbst. Wir sind nicht besser als die Jungs aus München oder Hamburg, aber jeder von uns in der Band ist ein Kölscher Jung.

SPORT1: Ist FC-Coach Peter Stöger ein Kölscher Jung?

Brings: Absolut! Er ist der Beste, den der FC seit Jahren hat.

SPORT1: Sportchef Jörg Schmadtke ist gebürtiger Düsseldorfer. Das macht nichts, oder?

Brings: Überhaupt nicht. Unsere beiden Ton-Männer sind aus Düsseldorf und machen den geilsten Sound auf der Welt. Und unser Booker, der unsere vielen Karnevals-Auftritte bucht, war mal Prinz in Düsseldorf. Düsseldorfer sind im Endeffekt auch Kölsche Jungs, sie wissen es nur nicht (lacht).

SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf Peter Brings in München zum Interview. Der Sänger ist aktuell mit seiner Band auf Tour.

SPORT1: Wie sehen Sie die Entwicklung beim FC?

Brings: Positiv. Aber in Köln labern sie schon wieder alle, was mit der Europa League alles anders werden wird. Ich habe zuletzt in einer Kölner Zeitung gelesen: 'Der Kölsche Jung wird jetzt europatauglich' - damit war unser Song und der Verein gemeint. Ich würde mich natürlich riesig freuen, aber alle sollen auf dem Teppich bleiben.

SPORT1: Aus der rheinischen Diva ist ein seriöser Fußballklub geworden.

Brings: Stimmt. Es hat dem Verein gut getan hat, dass der Filz rauskam - der Klüngel, wie man bei uns verniedlichend sagt. Jörg Schmadtke und Peter Stöger haben damit nicht wirklich viel am Hut, sie treffen selbstbewusst eigene Entscheidungen und wie es aussieht, machen sie es genau richtig. Beide sind mit dem Herzen dabei.

SPORT1: Wann begann eigentlich Ihre Liebe zum FC?

Brings: Ein einschneidendes Erlebnis war für mich der Aufstieg in die Bundesliga. Alle sind auf den Rasen gestürmt und ich habe das zu Hause auf der Couch miterlebt. Plötzlich sagte ich zu meiner Frau 'Mach mal lauter, was singen die denn da?' Da hat das ganze Stadion 'Kölsche Jung' gesungen. Beim Gedanken daran bekomme ich heute noch Gänsehaut. Wir wurden dann vom Verein zur Aufstiegsfeier eingeladen und ab da ging es ab. Wenn ein eigener Song von heute auf morgen so erfolgreich ist, dann kannst du das nur staunend realisieren. Unser Song wurde anschließend die neue FC-Hymne. Wahnsinn!

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SPORT1: Zwischen Brings und Lukas Podolski gibt es eine enge Freundschaft. Wie kam es dazu? Er ist keiner, der in der Kölner Musikszene seine Wurzeln hat.

Brings: Nicht wirklich (lacht laut). Mich hat ein Kölner Sportjournalist einmal angesprochen, ob wir nicht Lust hätten Poldi kennenzulernen. 'Gerne, warum nicht', dachten wir uns. Dieser Journalist meinte 'Poldi will mit Euch Halleluja singen'. 'Das will der nicht wirklich', meinten wir. Doch dann stand Poldi plötzlich im Proberaum, ganz alleine und vor der Tür parkte ein riesiges Auto, das war glaube ich ein Bentley. Wir gingen ins Studio und haben die Nummer aufgenommen. Das Video wurde im Stadion gedreht, es lag natürlich ein Riesen-Fokus drauf. Und mittlerweile ist er ein Kumpel von uns geworden. Der Poldi ist ein Weltstar.

SPORT1: Im Video zu "Kölsche Jung" spielt Podolski sogar mit…

Brings: Poldi rief mich damals an und meinte: "Was für eine geile Nummer." Früher haben die Fußballer nach der Karriere immer eine Tankstelle oder einen Kiosk aufgemacht. Also kam uns die Idee, dass Poldi sich ins Büdchen stellt und wir kamen dann alle vorbei. Er hat alles mitgemacht, hat den Song gepusht und uns gepusht. Er schreibt uns seitdem regelmäßig. Das besondere an dieser Freundschaft ist, dass er in einer anderen Welt lebt als wir. Der Fußball und der Rock 'n' Roll sind gar nicht so weit voneinander entfernt.

SPORT1: Podolski wechselt im Sommer nach Japan. Der richtige Schritt?

Brings: Mit Japan habe ich kein Problem, da kann man schon Fußball spielen. Ein Problem hatte ich mit Poldis letztem Arbeitsumfeld Türkei. Denn unter Erdogan Fußball zu spielen geht gar nicht. Poldi war ja bei Galatasaray Istanbul. Ich hätte mir einfach gewünscht, nachdem, was in der Türkei passiert ist, dass er einfach gegangen wäre. Er hätte einfach sagen müssen 'Das brauche ich nicht'. So wie es Mario Gomez bei Besiktas Istanbul gemacht hat. Das war eine Riesen-Nummer von ihm. Fußballer sind auch Leitfiguren in unserem Land und müssen richtig handeln. Und Gomez hat richtig gehandelt.

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SPORT1: Der FC hatte schwere Jahre hinter sich, Brings von 1995 bis 2000, als man sich fast aufgelöst hätte. Kann man die Bandgeschichte etwas mit der der Geißböcke vergleichen?

Brings: Ein bisschen. Bei uns gab es schwere Jahre, denn wir haben nie den Weg gehen können, den wir uns vorgestellt haben. Wir haben zwar nie gehungert ähnlich wie der FC nie schlechter als 2. Liga war, doch ich weiß nicht, ob wir es über 2000 geschafft hätten, aber dann kam der Song "Superjeilezick" mit ihm kam der Durchbruch, der Startschuss zum Erfolg. Ähnlich wie beim FC, als Stöger aus Österreich kam.

SPORT1: Noch kann der 1. FC Köln die direkte Europa League-Qualifikation schaffen. Was denken Sie?

Brings: Es ist noch alles drin. Wenn es gelingt, flippen sie in Köln komplett aus. Dann hast du Rosenmontag, Ostern und Weihnachten an einem Tag.

SPORT1: Können Sie sich ein Leben ohne den Karneval und ohne den FC vorstellen?

Brings: Nein. Wir wussten damals nicht, welchen Stellenwert der Karneval und der FC für diese Stadt hat, bis wir dann Karneval-Stars wurden. Ohne den Karneval würde es uns wahrscheinlich auch nicht mehr geben.

SPORT1: Ihr musikalisches Vorbild ist Udo Lindenberg. Gibt es ein fußballerisches?

Brings: Ich habe ein Trainer-Vorbild, nämlich Ewald Lienen. Er ist eine linke Socke, also politisch gesehen. Er zeigt immer Courage, reißt das Maul auf, wenn ihm etwas quer liegt. Er ist ein Kölscher Jung, hat ja auch mal den FC trainiert. Er ist ein gerader Typ und einer der wenigen Personen im Sport, der zum Wählen aufruft. So Typen wie ihn sollte es mehr geben. Er ist mein Vorbild im Sport.

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