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München - Die Bundesliga hat einen neuen Trainer-Shootingstar: Domenico Tedesco soll Schalke 04 auf Vordermann bringen. Sein Ex-Boss erklärt SPORT1, was ihn ausmacht.

Ob es Bestimmung ist, dass Domenico Tedesco ausgerechnet neuer Trainer des FC Schalke 04 wird? Der Name muss ihm schon seit längerem um die Ohren schwirren.

Dort, wo er bislang Fußball gelehrt hat, bei Erzgebirge Aue, bezeichnen sie sich gerne als "Schalke des Ostens". Ein gar nicht mal weit hergeholter Vergleich angesichts der Bergbau-Geschichte beider Regionen. Nun wechselt Tedesco von einem Kumpel-Klub zum anderen.

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Der 31-Jährige wird in der Branche als Riesentalent gehandelt. 2016 hat der Deutsch-Italiener die Trainer-Ausbildung mit der Note 1,0 bestanden - unter anderem ließ er dabei Shooting-Star Julian Nagelsmann von 1899 Hoffenheim hinter sich. Selbstredend, dass das Begehrlichkeiten bei ambitionierten Klubs weckt.

Heidel wollte Tedesco schon früher

Als am Freitagvormittag sein Telefon klingelte und sich ein gewisser Christian Heidel meldete, wusste Aues Geschäftsführer Michael Voigt, was die Stunde geschlagen hatte. "Heidel hat gesagt, dass er schon länger den Gedanken hatte, ihn verpflichten zu wollen", verrät Voigt SPORT1. Jetzt hat Schalkes Sportvorstand zugeschlagen.

Es war sicher auch Tedescos Senkrecht-Start im Profi-Bereich, der Heidel restlos überzeugte. In elf Spielen mit Aue holte der junge Trainer bemerkenswerte 20 Zähler, rettete die abgeschlagenen Veilchen noch vor dem Abstieg.

Tedescos Punkteschnitt im Profifußball liegt bei 1,82 Zählern pro Partie. Nur zum Vergleich: Markus Weinzierl verlässt Schalke mit einer Quote von 1,26.

Existieren trotzdem Zweifel, dass der junge Tedesco das Zeug zum Bundesliga-Trainer hat?

Sein ehemaliger Boss hat keine. "Tedesco ist ein neuer Typ Trainer, der ein Fußballspiel liest und versteht", schwärmt Michael Voigt bei SPORT1, "er betreibt eine Wahnsinnsanalyse des Gegners und vom eigenen Spiel." Ein Trainer-Superhirn, das sich Schalke da geangelt hat.

Fachwissen ist Tedescos größter Trumpf

Tedescos Fachwissen, mit dem er schon beim Trainerlehrgang bestach, ist wohl sein größter Trumpf: "Er geht auf Spieler zu, verlangt keine Wunderdinge von ihnen, ändert nur zwei, drei Stellschrauben - und es läuft", lobt Voigt. "Das verschafft ihm im ganzen Umfeld sofort Akzeptanz." 

Keine Selbstverständlichkeit für einen Trainer, der als Spieler nicht über die Kreisliga hinausgekommen ist. Dort kickte Tedesco einst für den ASV Aichwald, einem Provinzklub vor den Toren Stuttgarts.

Als Trainer scheint Tedesco zu Höherem bestimmt. Er lässt zwischen Positionen rochieren, wechselt öfter das System, teilweise zwei- bis dreimal pro Spiel, ohne seine Spieler zu verunsichern und zu überfordern. Ein Balance-Akt, der nicht jedem Trainer-Akademiker gelingt.

"Er hat einen klaren Plan"

Kompetenzen, wegen der der Trainer-Shootingstar zuletzt bei mehreren Bundesligisten gehandelt wurde. Schalke hat letztlich das Rennen gemacht. "Man muss klar sagen: Das ist ein ganz anderes Umfeld für einen Trainer, ein ganz anderes Anspruchsdenken", sagt Aues Voigt, "doch Tedesco hat einen klaren Plan".

Ein klarer Plan. Genau das war es, was sie auf Schalke bei Markus Weinzierl schmerzlich vermisst haben. Tedescos Vorgänger hielt bis zuletzt starrköpfig an seinen taktischen Formationen fest. Ein Grund, weshalb Manager Heidel am Freitag von notwendigen "Veränderungen" sprach, "um die von uns gewollte Entwicklung vorantreiben zu können".

Der neue Eckpfeiler dieser Entwicklung soll Domenico Tedesco sein.

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