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München - Bayern will teure Stars, bekommt aber keine. Das Gehaltsgefälle ist zu groß. Hoeneß' Pläne stocken. Andere Topklubs kommen den Münchnern zuvor.

Das Faszinierende an der griechischen Sprache ist ja ihr zugespitztes Vokabular. Das Wort dare zählt dazu. 

Als Verb übersetzt bedeutet es so viel wie "etwas wagen, etwas riskieren, sich an schwierigste Aufgaben herantrauen". Die eloquenten Briten haben aus diesem Wortstamm den Begriff daredevil kreiert. Zu deutsch: Draufgänger. 

Auch beim FC Bayern wollen sie in diesem Sommer ganz besonderes draufgängerisch sein. 

Corentin Tolisso - teuer aber keine Granate

Noch im Mai, am Rande der Meisterfeier, hatte Uli Hoeneß im Zusammenhang mit neuen Spielern von "Granaten" gesprochen. "Vielleicht wird es etwas geben, was es beim FC Bayern bisher noch nicht gegeben hat", verkündete er vollmundig. Von da an schwirrten Namen wie Alexis Sanchez, Marco Verratti, Dele Alli oder Romelu Lukaku durch München. Spieler, die derzeit europaweit mit horrenden Summen geködert werden. 

Der FC Bayern, so scheint es, will endlich so richtig mitzocken bei diesem Spiel. Sich an die ganz großen Transfers heranwagen. Also kürte Hoeneß seinen Klub zum daredevil der diesjährigen Transfer-Periode. Die Worte des Präsidenten sind zum Gradmesser für die Einkaufspolitik seines Klubs geworden.

Am Mittwoch meldete der FC Bayern mal wieder Vollzug in Sachen Neuzugängen. Er präsentierte einen 41-Millionen-Einkauf namens Corentin TolissoCorentin wer? 

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Der teuerste Transfer in der Geschichte des Rekordmeisters ist ein 22-jähriger Bubi, der dem Mainstream bislang gänzlich unbekannt war. Ist es das, was sich Hoeneß und die Bayern unter "Granaten" vorstellen? Oder ist der Bundesliga-Primus womöglich eine Nummer zu klein für Transfers von Weltformat? 

Es gibt Indizien, die darauf hindeuten. Ende 2016 hat das Magazin Sportingintelligence eine Liste der international führenden Sportligen mit den höchsten Gehältern veröffentlicht. Mit einem durchschnittlichen Jahressalär von 1,37 Millionen Dollar pro Akteur kommt die Bundesliga demnach nicht mal auf die Hälfte des Wertes, den die Premier League erzielt (3,22 Millionen Dollar).

Bei Gehältern kann Bayern nicht mithalten

Mit anderen Worten: Das Gehaltsgefüge im deutschen Fußball reicht nicht im Ansatz an das in England heran. Auch der FC Bayern kann in dieser Hinsicht nicht mithalten. Ein Grund, warum sich die Münchner zwar um Granaten bemühen, sich bislang aber mit Transfers zufrieden geben müssen, die vom (Gehalts)-Niveau eine Stufe darunter anzusiedeln sind.

Neulich, als der Wechsel von Serge Gnabry publik wurde, twitterte ein Reporter: "Das nächste Granätchen..." Das war noch nicht mal spöttisch gemeint, so sieht die Realität aus in München.

Und es ist nach wie vor nicht verwerflich, bei Transfers und Gehältern mit Augenmaß zu agieren.

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Beim Blick auf den Benchmarking-Report der UEFA wird noch ersichtlicher, wieweit die Bayern und die Bundesliga bei den Gehältern international hinten anstehen.

Demzufolge zahlte die Premier League im Finanzjahr 2015 mit 2,69 Milliarden Euro mehr als doppelt so hohe Gehälter wie jede andere europäische Liga. Die Bundesliga verzeichnete lediglich einen Gesamtwert von 1,25 Milliarden Euro.

Ein Grund für den großen Unterschied: Die Profiklubs in Deutschland wenden mit am wenigsten ihres Umsatzes für Spielergehälter auf. Inwieweit das den FC Bayern in seinem Bestreben hemmt, teure Stars unter Vertrag zu nehmen, zeigt ein Vergleich zu anderen Spitzenklubs. 

Top 10: Bayern fällt ab

Hinter Barcelona (340 Millionen Euro), Real Madrid (289 Mio.), Chelsea (284 Mio.) und Manchester City (276 Mio. Euro) fallen die Bayern bei Ausgaben für die Gehälter ihrer Spieler deutlich ab. Mit insgesamt 236 Millionen Euro bleibt ihnen nur Platz acht in den Top 10 Europas.

Mancherorts wird das noch als Zeichen soliden Wirtschaftens verstanden. Der Bayern-Aufsichtsrat, das wichtigste Kontrollgremium des Klubs, ist gespickt mit amtierenden und ehemaligen Dax-Vorständen. Menschen, die sich nicht ohne weiteres überzeugen lassen, warum ein einzelner Spieler das Gehaltsgefüge eines Klubs sprengen sollte.

Gut möglich, dass der selbsternannte Draufgänger FC Bayern in diesem Transfer-Sommer an entscheidender Stelle von seinen obersten Kontrolleuren gestoppt wird.

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