vergrößernverkleinern
Kerstin Lasogga kontert Kritik von Klaus-Michael Kühne an HSV und Pierre-Michel Lasogga
Kerstin Lasogga ist empört über die Kritik von HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne (l.) an ihrem Sohn Pierre-Michel (3.v.r.). Unterstützung erfährt sie von Ex-HSV-Coach Bert van Marwijk (r.) © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago/Picture Alliance/Eugen Zimmermann

München - Nach der Kritik von HSV-Investor Kühne nimmt Kerstin Lasogga ihren Sohn in Schutz. Auch ein ehemaliger HSV-Coach wundert sich über den Umgang mit dem Stürmer.

Der Hamburger SV ist mit einem 1:0-Heimsieg gegen den FC Augsburg in die neue Bundesliga-Saison gestartet.

Doch das große Thema an der Elbe ist nicht etwa der Dreier, sondern mal wieder Investor Klaus-Michael Kühne. Der Mäzen hatte in der vergangenen Woche die Transferpolitik und die Mannschaft kritisiert. Und das gewohnt scharf.

Einige Spieler bezeichnete er als Luschen. Vor allem Stürmer Pierre-Michel Lasogga wurde von Kühne an die Wand genagelt, gar als "Jahrhundert-Flop" bezeichnet. Das brachte dessen Mutter, die auch Beraterin von Lasogga ist, auf die Palme.

"Ich glaube, Herr Kühne weiß, dass er mit seiner Aussage einen großen Fehler gemacht hat. Er kann Spieler als Luschen beschimpfen, aber er darf doch keinen einzelnen Spieler nennen", sagte eine aufgebrachte Kerstin Lasogga im Gespräch mit SPORT1.

"Der Einzige, der Tore schießt, ist Lasogga"

"Es kann nicht sein, dass Pierre keine Chance mehr kriegt. Er hat das Fußballspielen nicht verlernt. Es sind immer viele Zuschauer beim Training und viele sagen: 'Der Einzige, der im Training Tore schießt, ist Lasogga.' Ich weiß nicht, warum er nicht mehr spielt, werde es aber rausfinden", kündigte die Mutter an.

Der HSV habe seit Jahren "Probleme, die Fans stehen immer zum Klub und für Kühne gibt es regelmäßig Spieler, die schuldig sind. Das ist eine Unverschämtheit."

Video

In dem Moment vergisst sie sogar die Rolle als Beraterin, sondern spricht als Mutter: "Pierre ist kein böser Junge, vielleicht ist er zu lieb und zu ehrlich. Ihm bedeutet der HSV etwas. Er hängt an diesem Verein, nicht nur wegen des Geldes, er will Fußball spielen."

Ihr Sohn sei "natürlich enttäuscht", gebe "immer Vollgas, ist immer dabei, egal, wo ihn der Trainer aufstellt. Er ist Stürmer, wird aber im Training hinten aufgestellt."

Van Marwijk schwärmt von Lasogga

Auch ein ehemaliger HSV-Trainer wundert sich über die harsche Kühne-Kritik an Lasogga.

"Ich war ein Fan von Pierre. Er war damals schon fast in der Nationalmannschaft. Ich finde ihn super. Er ist nicht nur ein sehr netter Junge, sondern auch ein sehr guter Stürmer", sagte Bert van Marwijk zu SPORT1. Der Niederländer war 2013/14 fünf Monate Lasoggas Trainer beim HSV.

Der 65 Jahre alte heutige Nationalcoach von Saudi-Arabien schwärmt geradezu von Lasogga: "Zu meiner Zeit war Pierre erst 22 Jahre jung. Er hat immer sehr hart gearbeitet und wichtige Tore für den HSV geschossen. Pierre war immer ein Teamplayer und hatte stets einen positiven Einfluss auf die Mannschaft, war zu meiner Zeit immer fröhlich."

Das Wichtigste aber sei, "dass er ein klasse Stürmer ist. Leider habe ich keinen Kontakt mehr zu dem Jungen. Es tut mir sehr leid, dass er jetzt so außen vor ist beim HSV."

Video

HSV-Vorstandsboss Heribert Bruchhagen reagierte ebenfalls auf die Wortwahl Kühnes. Im CHECK24 Doppelpass meinte der 68-Jährige: "Der Luschen-Vorwurf hat mir gar nicht gefallen und inzwischen hat mich Herr Kühne auch wissen lassen, dass er diesen Ausdruck bedauert. Das ist ihm rausgerutscht und es tut ihm leid. Wörter wie Jahrhundert-Flop sind nicht gut für den HSV. Gerade nach Niederlagen hat Herr Kühne in der Vergangenheit schon mal emotional geantwortet."

Verwunderung beim Ex-Coach

Derweil wundert sich van Marwijk aus der Ferne regelmäßig, "dass ich seinen Namen nicht mehr lese, wenn der Kader feststeht. Lasogga ist physisch und fußballerisch unglaublich stark. Damals hat er mit zehn Toren auf sich aufmerksam gemacht."

Das ist Vergangenheit - und Lasoggas Mutter ist traurig: "Für Pierre ist es sehr verletzend, wie er beim HSV behandelt wird."

Und sie spricht ein generelles Problem im Fußballgeschäft an. Mario Götze von Borussia Dortmund sei ein warnendes Beispiel. "Wie werden diese jungen Spieler oft behandelt? Solange sie oben sind, werden sie als Superstars gefeiert. Wenn sie in einem Loch sind, wird draufgehauen", klagt sie: "Muss so etwas sein? Was hat Mario Götze durchgemacht? Man kann auch den Kopf kaputt machen von solchen Spielern."

On Lasogga allerdings noch eine Zukunft beim HSV hat, ist fraglich.

Seine Mutter sondiert gerade den Markt - sagt aber auch: "Nach solchen Aussagen von Herrn Kühne wird es natürlich schwer. Es muss sich aber etwas tun. Ich weiß, was Pierre kann."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel