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Stuttgart und München - Ein Foulspiel an Christian Gentner überschattet den Sieg des VfB Stuttgart. Nun ist die Schwere der Verletzung bekannt. Der Video-Schiedsrichter bleibt stumm.

Der VfB Stuttgart hat mit einem 1:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg seinen zweiten Heimsieg im zweiten Bundesliga-Spiel gefeiert.

Die VfB-Fans interessierte nach Abpfiff aber vor allem der Gesundheitszustand von Kapitän Christian Gentner, der in der 85. Minute nach einem Zusammenprall mit VfL-Keeper Koen Casteels benommen liegen blieb, lange behandelt wurde und schließlich vom Platz getragen werden musste.

Am Abend folgte die traurige Gewissheit: Gentner zog sich in der Szene mehrere Knochenbrüche im Gesicht zu.

Wie kam es zu der Verletzung?

Gentner war fünf Minuten vor Schluss blutend und leicht benommen liegen geblieben, nachdem VfL-Keeper Koen Casteels mit dem Knie voran in ein Sprungduell mit dem Stuttgarter gegangen war und diesen dabei im Gesicht traf. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Die Sanitäter behandelten Gentner minutenlang, ehe er mit einer Trage vom Platz getragen wurde. Gentner musste sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden, war aber nach Angaben des VfB ansprechbar.

Wie schwer ist die Verletzung von Gentner?

Obwohl eine offizielle Diagnose noch ausstand, gab VfB-Coach Hannes Wolf auf der Pressekonferenz bereits leichte Entwarnung: "Er hat definitiv eine schwere Gehirnerschütterung, wahrscheinlich auch ein paar Knochen gebrochen, aber die Ärzte sagen, er wird wieder komplett okay."

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Anschließende Untersuchungen zeigten, dass sich Christian Gentner den unteren und seitlichen Augenhöhlenboden, das Nasenbein sowie den Oberkiefer gebrochen hat. Der 31-Jährige wird in den kommenden Tagen operiert und wird danach wieder vollkommen genesen können, gab der VfB bekannt.

Die Freude über die drei Punkte aber war getrübt. "Wir stehen noch alle unter Schock und können uns nicht so über den Sieg freuen, wir sind noch alle bei unserem Captain", sagte Wolf.

Wieso kam Casteels ungestraft davon?

Zwar waren sich alle einig, dass Casteels Gentner nicht mit Absicht getroffen hatte - doch der VfL-Torwart ging mit vollem Risiko in das Luftduell und räumte seinen Gegenspieler rigoros ab.

Da die Szene im Strafraum passiert war, lag ein Elfmeter und eine Gelbe Karte für den bereits verwarnten Casteels nahe, was einen Platzverweis zu Folge gehabt hätte. Ex-FIFA-Schiedsrichter Markus Merk forderte bei Sky "mindestens Gelb", Lothar Matthäus sogar die Rote Karte.

"Guido Winkmann hat die Szene im Spiel direkt als unglücklichen Zusammenprall bewertet, da der Wolfsburger Torhüter ausschließlich den Ball im Blick hat, klar wegfaustet und Christian Gentner nicht kommen sieht", äußerte sich Ex-FIFA-Schiedsrichter Hellmut Krug, beim DFB Chef-Instruktor und Projektleiter Video, in einem Statement des DFB.

Für Krug war Winkmanns Entscheidung vertretbar: "Regeltechnisch ist die Entscheidung zwar grenzwertig, aber vertretbar, auch wenn der Zusammenprall schlimm aussieht und die schwere Verletzung von Christian Gentner, dem wir eine baldige Genesung wünschen, mehr als bedauerlich ist."

Warum griff der Video-Schiedsrichter nicht ein?

Viele wunderten sich, warum Video-Assistent Deniz Aytekin in Köln bei der Szene nicht eingriff. Da die Aktion einen Elfmeter zur Folge hätte haben können, wäre der Einsatz des Video-Assistenten schließlich erlaubt gewesen.

Die erste Vermutung lautete, dass es technische Probleme angesichts des Dauerregens gab. Die Partie wurde bereits in der ersten Hälfte kurz unterbrochen, da Winkmann Probleme mit seiner Funkeinheit hatte.

Doch Krug stellte klar, dass die Technik während der Partie einwandfrei funktionierte: "Die Verbindung zwischen Schiedsrichter und Video-Assistenten funktionierte über die gesamte Spielzeit reibungslos."

Demnach habe Winkmann in der Spielunterbrechung Kontakt zum Video-Assistenten aufgenommen, "der diese Einschätzung nach Ansicht der TV-Bilder bestätigte. Deshalb wurde die Entscheidung nicht korrigiert."

Wie beurteilt Casteels die Szene?

Casteels bedauerte die schwere Verletzung Gentners, sprach sich aber von jeglicher Schuld frei.

"Wenn das Foul ist, muss man die ganze Jugendausbildung umstellen, ab fünf, sechs Jahren." Schon da werde Torhütern beigebracht, "dass du das linke Knie mitnimmst, wenn du mit rechts hochgehst, 99 Prozent der Torhüter machen das so", sagte Casteels.

Sein VfB-Kollege Ron-Robert Zieler unterstützte die Argumentation des Wolfsburger Keepers.

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