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München - Jupp Heynckes beendet seine erste Woche nach der Rückkehr zum FC Bayern mit einem überzeugenden Sieg. Aber wie viel hat der neue Chef wirklich verändert?

Vom Resultat her hätte die Rückkehr von Jupp Heynckes auf die Trainerbank des FC Bayern nicht besser laufen können. Mit einem klaren 5:0 wurde der SC Freiburg am Samstag abgefertigt (Der Bundesliga-Spielplan).

Nach einigen Negativschlagzeilen in den vergangenen Wochen schaffte die Mannschaft den ersten kleinen Befreiungsschlag. Taktisch tat Heynckes dabei das, was jeder von ihm erwartete. Er schickte die Bayern im 4-2-3-1 auf den Rasen, stellte Javi Martínez ins zentrale Mittelfeld, ließ über die Flügel angreifen.

Es wirkte auf den ersten Blick wie eine Reise in erfolgreiche Zeiten – genau genommen ins Jahr 2013, als Trainer und Team zusammen die Champions League gewannen. Der SC Freiburg war ein willkommener Sparringspartner (Die Tabelle der Bundesliga).

Die Breisgauer in ihrem 5-3-2 waren offensichtlich anfällig auf den Außenbahnen. Oftmals fanden sich die beiden Flügelverteidiger, Christian Günter und Pascal Stenzel, in Unterzahlsituationen wieder.

Alaba brilliert

Gerade Stenzel war von Beginn an mit dem Duo bestehend aus David Alaba und Kingsley Coman konfrontiert. Alaba, der in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr sein absolutes Top-Niveau abrufen konnte, brillierte als aggressiver und gleichzeitig taktisch cleverer Außenverteidiger.

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Der Österreicher hinter- und vorderlief Coman unablässig. Immer wieder wurde er aus dem Mittelfeld oder eben von Coman bedient. So etwa auch vorm 1:0 der Bayern in der achten Minute.

Der Führungstreffer des deutschen Rekordmeisters veranschaulichte eine weitere Stärke der Heynckes-Elf an diesem Tag: Wenige Momente bevor Alaba bis zur Grundlinie durchgebrochen war und mit seiner Hereingabe das Eigentor von Julian Schuster erzwang, gewannen die Bayern den Ball nur einige Meter vor dem gegnerischen Strafraum.

Die Gäste hatten versucht, flach herauszuspielen. Ryan Kent versprang der Ball. Die Bayern übten hohen Druck im Gegenpressing aus und schalteten blitzschnell um.

Trotzdem bleiben Zweifel

Aber der Auftritt des Rekordmeisters war keineswegs makellos. Denn zwei Minuten vor dem 1:0 hätte Kent nach frühem Ballverlust der Hausherren selbst die Führung für Freiburg erzielen können. Auch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit blieben die Gäste mit Konterangriffen vereinzelt gefährlich.

Heynckes' Mannschaft tat sich gegen das intensive, aber keineswegs ausgeklügelte Pressing der Freiburger schwer. Gerade wenn Mats Hummels und Jerome Boateng bereits nahe der Mittellinie standen und der Raum vor ihnen damit sehr klein wurde, fanden die Aufbauspieler des Rekordmeisters nicht immer die richtige Lösung.

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Leichter taten sie sich, wenn schon vom eigenen Strafraum weg der Ball rasch mit Flachpässen nach vorn gespielt wurde. Dann hatten Martinez und Thiago mehr Raum. Die Verlagerungen auf die Außenbahnen gelangen problemloser.

Auch Thomas Müller schaltete sich vielfach clever über die Halbräume ein. Das Passspiel wirkte gewiss in einigen Phasen gefällig, aber über die vorhandenen Probleme bei eigenem Ballbesitz wird dies nicht hinwegtäuschen.

Heynckes vertraut auf Taktik der Erfolgssaison

Die Bayern sind weiterhin begrenzt kreativ, wenn ihnen der Gegner keine Räume bietet oder sie mit ihrer schlicht angelegten Ballzirkulation keine Spielfeldzonen freispielen können.

Eine grundsätzliche Verbesserung nach nicht einmal einer Trainingswoche unter Heynckes hat sicherlich keiner erwartet. Dass der 72-Jährige auf einige Grundelemente aus der Erfolgssaison 2012/13 zurückgriff, passte zum Bild, das durch die Rückholaktion vermittelt wurde.

Heynckes selbst wird schlichtweg darauf vertrauen, dass ein verbessertes Pressing sowie eine gut angelegte Flügeloffensive seiner Mannschaft zumindest fürs Erste in der Bundesliga zum Erfolg verhelfen werden.

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