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München - Jupp Heynckes ist zurück beim FC Bayern. Bei seiner Vorstellung wird viel über die aktuelle Lage in München deutlich. SPORT1 erklärt die Pressekonferenz.

Es ist ein bisschen wie immer. Als Jupp Heynckes am Montag um 11.30 Uhr beim FC Bayern ruhigen Schrittes auf die große Fußballbühne zurückkehrt, wirkt es so, als sei er niemals ganz weg gewesen.

Feiner Maßanzug, Designerkrawatte mit stahlblau-linearem Design. Ganz Gentleman eben, wie man es seit jeher kennt von "Don Jupp". 

"Es ist ein Freundschaftsdienst, ich mache das für den FC Bayern und wegen der Verbundenheit", sagt Heynckes äußerst gelassen bei seiner offiziellen Vorstellung als neuer, alter FCB-Coach.

Die Begründungen der Klubbosse, warum der 72-Jährige nun der richtige Mann ist, fallen auf der 50minütigen Pressekonferenz jedoch teils recht bizarr aus.

"Jupp ist es gelungen, Hund und Katze zu befrieden. Dann ist er auch in der Lage, den FC Bayern zu trainieren", scherzt der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in Anspielung auf Heynckes' Familienleben in den vergangenen Jahren.

Und doch wirft die Pressekonferenz abseits aller Kuriositäten ein Schlaglicht darauf, wie es um die Befindlichkeiten und Machtverhältnisse der Bayern tatsächlich bestellt ist. SPORT1 beleuchtet die wichtigsten Erkenntnisse.

1. Darum nimmt Heynckes die Herausforderung an

Persönliche Ambitionen hat der 72-Jährige keine mehr, das stellt er gleich unmissverständlich klar: "Es ist nicht mein Traum gewesen, noch mal als Trainer zurückzukehren. Ich hatte mich ja total zurückgezogen, ein wahnsinnig angenehmes Leben", gibt Heynckes zu.

Dass der Fußballlehrer dem Klub doch zusagte, liegt dabei nicht nur an der langjährigen Vereinsverbundenheit und Freundschaft zu Klubpräsident Uli Hoeneß und Rummenigge ("Der Kontakt ist nie abgerissen").

Wie er zugibt, ließen ihn gesundheitliche Probleme seiner Frau mit der Zusage zögern. Iris Heynckes muss sich einer Knieoperation unterziehen. Doch die Familie gab schließlich ihr Okay für das Comeback auf der Fußballbühne: "Meine Frau und meine Tochter haben mir zugeraten. Dann hat Cando (Heynckes' Schäferhund, Anm. d. Red.) zweimal gebellt, und die Sache war in trockenen Tüchern", so Heynckes.

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2. Heynckes ist immer noch fit

Sein fortgeschrittenes Alter ist Heynckes nicht anzumerken - auf dem Podium zeigt sich der 72-Jährige vital und eloquent. Sein Eingangsstatement dauert acht Minuten: "Das Alter ist nur eine Zahl - nicht mehr", sagt Heynckes fast trotzig.

Und betont: "Ich bin körperlich fit, mein Geist ist fit. Ich habe einen Ruhepuls von 60 und einen Blutdruck von 120 zu 70. Da muss man noch gut drauf sein." Zuletzt hatte sich Heynckes mit Schwimmen, täglichen Spaziergängen und Übungen im Kraftraum fitgehalten.

Wie gut er tatsächlich drauf ist, dürften die nächsten Tage während der Trainingseinheiten und ersten Pflichtspiele zeigen. Schließlich geht es für die Bayern direkt wieder in drei englische Wochen.

3. So arbeiten Heynckes und Salihamidzic zusammen

Normalerweise ist in einem Bundesligaklub der Sportdirektor der Vorgesetzte des Trainers. Beim FC Bayern ist das anders. 

Heynckes lässt durchblicken, wer im Verhältnis zwischen ihm und Hasan Salihamidzic das Sagen hat: "Er wird von mir lernen können." Salihamidzic werde "viel einbringen, was ich unter Umständen übernehme."

Klingt wie ein Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler.

4. So steht es um das Machtverhältnis der Bosse

Auffällig ist, dass Hoeneß bei der Vorstellung wesentlich dominantere Klänge anschlägt als Rummenigge, nachdem beide zuletzt häufiger kein einheitliches Bild abgaben.

"Es hat in den letzten zehn Jahren immer wieder mal Unebenheiten gegeben. Ich denke, dass das in den nächsten Monaten nicht mehr passieren wird. Sie können das gerne beobachten, das wird dem FC Bayern nur guttun", gibt der Präsident zu.

Hoeneß zeigt sich angesichts der atmosphärische Störungen auch geläutert: "Ich ziehe mir den Schuh an, dass wir das zuletzt ein bisschen viel an die Öffentlichkeit getragen haben."

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Trotzdem klingen die Ausführungen wie ein erzwungener Burgfrieden. Auch wenn Hoeneß bei der Suche nach dem neuen Bayern-Trainer ab Sommer zunächst Rummenigge und Salihamidzic als Hauptverantwortliche nennt, begreift er sich doch nach wie vor als der eigentliche Strippenzieher - und die Verpflichtung von Kumpel Heynckes als persönlichen Punktsieg.  

5. Das kommt nach Heynckes

Ausgerechnet Heynckes selbst macht vielsagende Andeutungen, wer ihn ab Sommer 2018 beerben wird: "Es gibt gute junge deutsche Trainer. Dortmund ist Pokalsieger geworden, davor Vizemeister, hat überragenden Fußball gespielt, Hoffenheim spielt strukturierten Fußball."

Mit anderen Worten: Die Wahl der Bayern dürfte auf Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann fallen. Die Bosse wollen sich jedoch nicht in die Karten blicken lassen und spielen zunächst mal auf Zeit.

"Wir werden im Jahr 2017 noch nicht verkünden, was am 1.6.2018 passieren wird. Wir werden uns mit der Entscheidung viel Zeit nehmen", sagt Rummenigge auf SPORT1-Nachfrage zur Nachfolgersuche.

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