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Leverkusen - Heiko Herrlich ist der krasse Gegenentwurf zum glamourösen Bundesliga-Coach. Der Ex-Nationalspieler spricht im SPORT1-Interview über Glaube, Krankheit und Vorbilder.

Seit Saisonbeginn ist Heiko Herrlich als Trainer von Bayer Leverkusen zurück im Bundesliga-Geschäft. Doch der frühere Nationalspieler entspricht so gar nicht dem Bild einer schillernden Persönlichkeit im Fußball-Zirkus.

Herrlich setzt eher auf die ruhigen Töne. Für ihn sind schrille Frisuren und bunte Fußballschuhe zwar Teil der Vermarktung, aber wichtiger erscheint ihm der Teamgedanke. Aus Sicht des Ex-Nationalspielers muss ein Spieler sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Und da sieht er noch Luft nach oben. 

Doch auch als Trainer ist man gefordert. Das Wichtigste sei eine Verbindung zu den eigenen Spielern. Ohne die, so Herrlich, bringt das beste Trainingsprogramm rein gar nichts. 

Ein ehemaliger Trainer, der diesen Balanceakt perfekt hinbekam, war für ihn Ottmar Hitzfeld. Der Meistertrainer von Borussia Dortmund und dem FC Bayern München hinterließ bei Herrlich bleibenden Eindruck:

"Zuschauer kommen nicht wegen Trainer"

Wegen dessen Zurückhaltung und Bescheidenheit trotz großer Titel sieht er ihn als sein großes Vorbild. "Wenn Erfolge da waren, war er auf dem Podest immer ganz hinten. Das sind Punkte, die ich für mich übernommen habe. Letztendlich kommen die Zuschauer wegen der Spieler ins Stadion und nicht wegen der Trainer", sagt Herrlich im Interview mit SPORT1.  

Herrlich hat auch abseits des Fußballplatzes viel erlebt. Im Herbst 2000 wurde bei ihm ein bösartiger Tumor entdeckt. Die Ärzte konnten diesen erfolgreich therapieren, doch die Leidenszeit prägte Herrlich: "Natürlich ist man danach ein anderer Mensch. Kein besserer Mensch, aber es verschiebt sich viel im Leben, Motive verschieben sich. Sorgen, was materielle Dinge anbelangt, rücken in den Hintergrund."

Gläubiger Christ

Auch aus der Religion zieht der gläubige Christ viel Kraft. Wenn er vor Problemen steht und nicht richtig weiter weiß, holt er sich ab und an auch einen Rat aus einer Predigt. Dass der Glaube auch in den Traineralltag einfließen kann, zeigte sich während seiner Zeit bei Jahn Regensburg. Als Herrlich einen Spieler eigentlich suspendieren musste, besann er sich auf die Bibel. 

"Ich habe den Spielern aus dem Johannes-Evangelium vorgelesen und gesagt: Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Ich habe mich entschieden, dass der Spieler die Mannschaft zweimal zum Essen einladen muss", erinnert sich der Bayer-Coach bei SPORT1.  

Erfolg definiert Herrlich als gemeinsames Ganzes: "Erfolg ist für mich, wenn du das Gefühl hast, dass jeder im Kader seine Rolle gefunden hat und jeder alles für die Sache gegeben hat und die Mannschaft im Vordergrund steht und wichtiger ist als das eigene Ego." Aus Herrlichs Sicht muss es auch nicht immer nur um Titel gehen, auch ein Klassenerhalt bedeutet für den 45-Jährigen Erfolg.

Befragt zum Wechsel auf dem Trainerstuhl des FC Bayern hat Herrlich eine klare Meinung: "Die Mannschaft ist in einer unruhigen Situation und Bayern München hat mit ihm (Jupp Heynckes, Anm. d. Red.) sehr gute Erfahrungen gemacht. Aus Sicht der Bayern die absolut richtige Entscheidung."

  

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