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Lewis Holtby ist bei Trainer Markus Gisdol (r.) aktuell nur Statist. Der Mittelfeldspieler hat noch einen Vertrag bis 2018. © Credit: SPORT1-Grafik: Getty Images/ Davina Knigge/ Imago

München - Lewis Holtby spielt beim Hamburger SV zurzeit keine Rolle - nicht einmal bei den Amateuren. Sein Berater spricht bei SPORT1 über Holtbys Möglichkeiten.

"Ich bin soooo glücklich. Dieses Tor werde ich nie in meinem Leben vergessen."

Diesen Satz sagte Lewis Holtby im April nach seinem Last-Minute-Tor beim 2:1-Heimsieg des Hamburger SV gegen den 1. FC Köln. Ein Dreier, der für die Hanseaten auf dem Weg zum Klassenerhalt enorm wichtig war.

Holtby war damals der Mann des Spiels und feierte hinterher ausgelassen mit den Fans der Rothosen auf dem Zaun.

Einige Monate ist das her und das Lachen ist mittlerweile den Sorgenfalten gewichen.

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Kein Platz für Holtby - Berater wundert sich

Anfang der Saison traf Holtby noch beim 3:1 in Köln, doch der 27-Jährige spielt aktuell in den Planungen seines Trainers Markus Gisdol keine Rolle mehr. Zuletzt gehörte der Mittelfeldspieler nicht einmal mehr zum Kader.

Der Coach untersagte ihm in der vergangenen Woche sogar einen Einsatz im U21-Team, das am Samstag 1:4 bei der Reserve von Eintracht Braunschweig verlor. Holtbys Berater hat dafür wenig Verständnis.

"Lewis hat in den vergangenen Wochen darum gebeten, in der U21 spielen zu dürfen, um im Rhythmus zu bleiben und wichtige Spielpraxis zu bekommen. Diesem Wunsch wurde nicht entsprochen", sagt Marcus Noack im Gespräch mit SPORT1. "Da kann man geteilter Meinung sein, ob das richtig ist oder nicht. Ich war allerdings sehr überrascht, als ich davon in Kenntnis gesetzt wurde", erzählt der Berater.

Noack sieht Holtbys Wunsch "vielmehr als bemerkenswertes Signal von einem Spieler, der fast 200 Bundesligaspiele, knapp 40 Premier-League-Spiele absolviert und sich obendrein immer gänzlich mit dem HSV identifiziert hat. Er hat jede Situation - positiv wie negativ - in seiner Laufbahn angenommen. So ist es auch dieses Mal."

Gisdol: "Wollen nicht unseren Talenten den Platz nehmen"

Gisdol sieht das anders. "Es wäre der falsche Weg", sagte der 48-Jährige zu Holtbys neuerlichen Ausbootung. "Wir wollen nicht unseren Talenten den Platz nehmen, sich zu entwickeln. Wir wollen von unten nach oben ausbilden und nicht von oben nach unten."

Eine Ohrfeige für den Profi, der in dieser Saison bislang auf lediglich sieben Liga-Einsätze gekommen ist. Holtby, seit 2014 bei den Hanseaten unter Vertrag, war eines der Gesichter des Klassenerhalts 2014/2015.

"Die Aufmerksamkeit der Mannschaft liegt in sich, in der Ausbildung der vielen tollen Talente. Das wollen wir nicht ändern und schon gar nicht stören", sagte Gisdol bei rautenperle.com.

Worte, die Holtby in der momentanen Situation zusätzlich schmerzen werden.

Trennung im Winter?

Wie geht es weiter? Einen Vereinswechsel im Winter schließt Noack nicht aus.

"Die Saison ist noch lang und ich bin mir hundertprozentig sicher, dass Lewis' Qualitäten dem HSV auch in dieser Spielzeit noch helfen werden", so der Berater. "Stand heute gehe ich natürlich davon aus, dass Lewis seinen bis Sommer 2018 datierten Vertrag erfüllen wird."

Allerdings wisse man auch "um die Mechanismen des Marktes, wenn ein Spieler der Kategorie Lewis Holtby über einen längeren Zeitraum kaum sportliche Berücksichtigung findet."

Sollte Bewegung in die Sache kommen, sei der Verein mit Sportchef Jens Todt "erster Ansprechpartner" für Noack, der noch anmerkt: "Wir werden die Dinge in aller Ruhe und Sachlichkeit besprechen, wie wir es immer getan haben."

Keine Frage, die aktuelle Situation dürfte zu der wohl schwierigsten Phase in Holtbys Karriere gehören.

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