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SPORT1-Experte Marcel Reif kritisiert in seiner Kolumne die Umsetzung des Videobeweises. Er fordert klare Ansagen, um die Schiedsrichter zu stärken.

Hallo Fußball-Freunde,

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 die bisherige Handhabung des Videobeweises präzisiert.

Ich habe das Gefühl: Als Abwehrverhalten gegen all die Kritik geht es ins: "Lass uns jetzt ganz klare Linien haben. Paragraf eins bis vier." Das kann doch nicht sein.

Wir können uns doch nicht blind stellen, wenn fünf oder sechs zutrifft. Es muss immer klar sein, dass der Schiedsrichter entscheidet. Aber er soll sich die Szenen bitte noch einmal anschauen. Denn es haben Millionen von Menschen gesehen.

Solche Situationen gibt es eben nicht am laufenden Meter. Das ist immer das Totschlagargument! Es geht um wenige spielentscheidende Situationen. Ob das jetzt ein Wahrnehmungsfehler ist, oder wie auch immer wir das benennen. Die Oberhoheit kann nur beim Schiedsrichter auf dem Platz sein.

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Aber warum soll es unter erwachsenen Menschen nicht möglich sein, zu sagen: "Hör zu: Ich habe das und das gesehen, schau es dir bitte noch einmal an und überprüfe deine Entscheidung." Dann wird es auch den Menschen im Stadion klar. Die verstehen nicht, was daran falsch sein soll.

Hundertprozentige Gerechtigkeit gibt es übrigens nie im Leben. Aber nehmen wir die Szene bei HSV gegen Stuttgart in der vergangenen Woche: Das Spiel wird am Ende durch diese Gelb-Rote Karte in der zwölften Minute entschieden. Wollen wir das?

Da, wo der Videoassistent Fehler vermeiden könnte und es sehenden Auges - sozusagen Videobeweis' Auges - nicht tun darf, macht sich der DFB doch lächerlich. Das ist doch Irrsinn!

Der DFB, Präsident Reinhard Grindel und wer für die Schiedsrichter zuständig ist sollten dafür sorgen, dass für alle Beteiligten Rechtssicherheit herrscht. Auch für die Vereine, die waren nämlich auch überrascht über Dinge, die unter der Hand irgendwo besprochen worden waren.

Ich möchte gerne wissen: Woran sind wir? Das sollte der DFB freundlicherweise einmal allen so klar kommunizieren. Dinge, die zu diskutieren sind, soll man durchaus gerne ausdiskutieren und ihnen den gebührenden Raum geben.

Ich glaube, man wird heute kaum jemanden finden, der sagt: Der Videobeweis muss weg. Zum Glück, denn diese Diskussion wurde ja mit religiösem Eifer geführt: Entweder tausend Prozent ja oder tausend Prozent nein.

Aber so wie es praktiziert und kommuniziert wurde, kann es nicht sein. So schafft es nur Unsicherheit und verunsichert die Schiedsrichter.

Wir haben gute Schiedsrichter. Denen sollten wir helfen. Wenn wir das hinbekommen und zwar für alle transparent, dann denke ich, kann es gegen den Videobeweis keine Argumente geben.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit dieser Saison begleitet Marcel Reif als Experte den Check24 Doppelpass auf SPORT1.

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