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Ex-Nationalspieler Mehmet Scholl legt gegen die neue Trainergeneration um Nagelsmann, Tedesco und Wolf nach - und prognostiziert: "Wir fahren gegen die Wand".

Nach seiner harten Kritik an der deutschen Trainer- und Talenteausbildung legt Mehmet Scholl mit drastischen Worten nach. 

"Was wir jetzt in den Europapokalspielen erlebt haben, ist erst der Anfang. Wir fahren gegen die Wand", sagte der frühere Bayern-Star in der Bild. "Studenten haben die Nachwuchsleistungszentren und unsere große Liebe, den Fußball, übernommen."

Tags zuvor hatte der 46-Jährige gegen die neue Trainer-Generation um Domenico Tedesco von Schalke 04 und Hannes Wolf vom VfB Stuttgart geschossen.

In seiner Radiosendung "Mehmets Schollplatten" im Bayerischen Rundfunk ließ er deutliche Worte über die sogenannten "Systemtrainer" wie Tedesco folgen: "Die Tedescos, die Wolfs - sie sprießen aus dem Boden und der deutsche Fußball wird sein blaues Wunder erleben." 

"18 Systeme furzen"

Scholl bemängelte zudem, dass das Individuum heutzutage keine Rolle mehr spiele: "Sie sind nicht wirklich an den Menschen und den Fußballern interessiert. Viel schlimmer: Diese ganzen Trainer gehen jetzt in den Nachwuchs, weil oben die Plätze begrenzt sind."

Des Weiteren fürchtet Scholl, die Basis zu verlieren: "Die Kinder dürfen sich nicht mehr im Dribbling probieren, sie kriegen nicht mehr die richtigen Hinweise, warum ein Pass nicht gelingt, warum ein Dribbling nicht gelingt, warum ein Zweikampf verloren wurde. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen."

Unbequeme Spielertypen wie Effenberg und Co. werden laut Scholl dabei nicht mehr benötigt: "Nebenbei werden die Riberys und Robbens aussortiert, weil sie unbequem sind. Auch die Machtmenschen wie Effe, die dann am Ende den Unterschied ausmachen können, die werden auch aussortiert", meinte der ehemalige ARD-Experte.

"Weichgespülte Masse"

Letztlich werde ganz oben nur noch "eine weichgespülte Masse ankommen, die erfolgreich sein wird, aber niemals das Große gewinnen wird."

Scholl habe zwar versucht, auf DFB-Chefausbilder Frank Wormuth Einfluss zu nehmen, sei aber damit gescheitert. Seine eigene Ausbildung beim DFB im Jahr 2008 beschrieb der Ex-Bayern-Star als "Gehirnwäsche-Seminar".

In seinem jetzt schon legendären Spiegel-Interview aus dem Jahr 2015 hatte Scholl gesagt: "Je mehr ich die Kandidaten beobachtet habe, die mit Bestnoten abschließen, die dieses typische Kursbester-Gesicht haben und die Kursinhalte aufgesogen haben, desto mehr sträubten sich bei mir die Nackenhaare. Bei denen ist Taktik oberstes Gebot, das sind Laptop-Trainer."

Und weiter: "Die haben nie selbst oben gespielt und auch keine Ahnung, wie ein Profi auf höchstem Niveau tickt", erklärte er damals weiter. "Sie denken an Spitzenfußball, haben ihn aber selber nie erlebt."

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