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Huub Stevens trat am 10. Februar 2016 aufgrund von Herzrhythmusstörungen als Hoffenheim-Coach zurück.

München - Die TSG Hoffenheim muss nach Sandro Wagner auch Mark Uth ziehen lassen. Der ehemalige TSG-Coach Huub Stevens spricht bei SPORT1 über einen drohenden Ausverkauf.

Die TSG Hoffenheim steht vor einer Zerreißprobe.

Im vergangenen Sommer verließen mit Niklas Süle und Sebastian Rudy zwei Nationalspieler den Verein in Richtung FC Bayern.

Zum Jahreswechsel ließ der Klub auch Stürmer Sandro Wagner für 13 Millionen Euro nach München ziehen. Seit Dienstag steht ein weiterer Abgang eines Leistungsträgers nach dieser Saison fest: Mark Uth wechselt ablösefrei zum FC Schalke. Bei den Königsblauen erhält der 26-Jährige einen Vertrag bis 2022.

Auch der bisherige Co-Trainer Alfred Schreuder hat bereits den Abflug gemacht, er verließ Hoffenheim auf eigenen Wunsch und arbeitet ab sofort bei Ajax Amsterdam.

Serge Gnabry, momentan noch ausgeliehen von den Bayern, wird im Sommer wahrscheinlich nach München zurückkehren, da der Rekordmeister mit ihm plant.

Zudem kann Nadiem Amiri die TSG im Sommer verlassen. Er hat eine Ausstiegsklausel, wonach er für 17 Millionen Euro gehen kann. Tottenham Hotspur zeigt schon länger Interesse am 21-Jährigen.

"...dann kann es Probleme geben"

Weitere Abschieds-Kandidaten könnten sein: Innenverteidiger Benjamin Hübner und Kroatiens Nationalspieler und WM-Teilnehmer Andrej Kramaric.

Droht also der Ausverkauf? "Ich hoffe nicht", sagt Huub Stevens, von Oktober 2015 bis Februar 2016 Trainer der TSG und Vorgänger vom jetzigen Coach Julian Nagelsmann, im Gespräch mit SPORT1.

"Natürlich muss der Verein immer wieder gute Spieler verkaufen. Und wenn man weiter mit jungen Spielern so arbeitet wie in den vergangenen Jahren und es immer wieder schafft, sie aus der eigenen Jugend nach oben zu holen, dann kann es weiter gut gehen", sagt Stevens. Seine Einschränkung: "Diese Spieler müssen dann auch einschlagen.“

Falls nicht, wird es nach Meinung des Niederländers brenzlig: "Es gibt vielleicht auch mal den Moment, wenn nicht so viele Jugendspieler den Sprung zu den Profis schaffen. Dann kann es Probleme geben."

Rosen: "Hätten gerne mit Mark verlängert"

Aktuell stehen die vier Top-Talente Stefan Posch, Robin Hack, Kevin Akpoguma und Dennis Geiger, der am Mittwoch seinen Vertrag langfristig bis 2022 verlängerte, für neue Zuversicht.

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Der Abgang von Uth wiegt schwer, das weiß Alexander Rosen natürlich. Der TSG-Direktor Profifußball kommentierte die Entscheidung des Stürmers nüchtern: "Natürlich hätten wir gerne mit Mark verlängert, aber er hat sich gegen unser Angebot entschieden. Damit muss man im Profi-Geschäft rechnen und klarkommen."

Hinzu kommen die ständigen Spekulationen um einen vorzeitigen Abschied von Trainer Julian Nagelsmann aus Hoffenheim nach dieser Saison. Zuletzt sprach TSG-Mäzen Dietmar Hopp in der Sache zwar ein Machtwort, indem er klar stellte, Nagelsmann müsse seinen Vertrag, der bis 2021 datiert, zumindest bis 2019 erfüllen, doch die Gerüchteküche brodelt weiter.

Zumal Nagelsmann kürzlich die Spekulationen um seine Zukunft selbst befeuerte: "Wenn du als Verein in der Lage bist, dir alle drei Jahre eine neue Mannschaft zu leisten, dann kann ein Trainer auch zehn Jahre in einem Klub Erfolg haben. Irgendwann geht ansonsten die Originalität deiner Ansprachen verloren, man nutzt sich ab", sagte er der Heilbronner Stimme.

Nagelsmann befeuert Spekulationen

Es ist nicht zu erwarten, dass Hopp seinem Trainer in der nächsten Saison einen komplett neuen Kader zur Verfügung stellen wird. "Wenn hier jemand Titelambitionen hätte, dann würde ich sagen: 'Sorry, da bin ich nicht der Richtige', betonte Hopp. Worte, die Nagelsmann sicher nicht gerne hört.

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Stevens macht sich so seine Gedanken über den TSG-Coach. "Ich weiß nicht, was mit Julian passiert, ob er vielleicht doch im Sommer gehen wird. Auch Schreuder ist ein großer Verlust. Wenn Julian auch noch gehen sollte, dann wird es ganz eng."

Ganz entscheidend sei, so Stevens, "ob Julian selbst bereit ist für den Schritt zu einem größeren Klub zu wechseln. Ich würde ihm raten es noch nicht zu tun."

Der ganz große Hype um Nagelsmann hat nachgelassen, das dürfte ihm ganz recht sein. Für Stevens ist diese Entwicklung "ganz normal". Ein junger Trainer, der neu ist, bekomme "natürlich Lob", sagt der 64-Jährige. Doch inzwischen ist es "schwieriger für ihn, aber das gehört zu Julians Entwicklung dazu."

Einen Wechsel zu einem großen Klub sollte sich Nagelsmann sowieso gut überlegen, sagt Stevens. "Vielleicht ist es für ihn besser, diese Entwicklung bei Hoffenheim durchzustehen als bei einem großen Verein. Bei einem Spitzenklub hast du mehr Druck als in Hoffenheim. Julian muss nur in sich selbst rein horchen."

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