Die deutschen Champions-League-Teilnehmer klagen über die zu hohen Belastungen. Berechtigte Kritik oder vorgeschobene Ausrede?

Man könnte denken, die Saison nähere sich schon ihrem Ende. Dabei ist sie gerade mal fünf Wochen alt.

Doch bereits jetzt nimmt das Wehklagen täglich zu. "Wir gehen natürlich auf dem Zahnfleisch", begründete Schalkes Trainer Jens Keller die blutleere Vorstellung beim 1:1 gegen die international eher zweitklassigen Slowenen aus Maribor (Bericht).

Auch die anderen deutschen Champions-League-Teilnehmer stoßen ins gleiche Horn. Man müsse aufpassen, die Spieler nicht kaputt zu machen, warnte Dortmunds Coach Jürgen Klopp.

Die Beanspruchung sei bei drei Partien in einer Woche grundsätzlich zu hoch, monierte Leverkusens Sportchef Rudi Völler. Und sein Bayern-Kollege Matthias Sammer bezeichnete die Belastung sogar als "mörderisch".

Daher hätte auch das Top-Quartett der Bundesliga die meisten Ausfälle, sagte Sammer - womit er richtig liegt: Je sechs Langzeitverletzte beklagen Schalke und Dortmund, fünf sind es bei Bayern und drei bei Bayer.

Berechtigte Kritik am immer weiter aufgeblähten Spielplan oder nur vorgeschobene Ausrede für die teilweise sehr dürftigen Leistungen seit Saisonbeginn?

Zumindest kann man nicht alles auf die englischen Wochen schieben, denn die gibt es schon seit Jahren.

Gerade der Kader des FC Bayern ist trotz aller Ausfälle angesichts von Bankdrückern wie Pizarro, Höjbjerg oder Rode noch immer hochkarätig besetzt.

Auch die Dortmunder haben vor der Saison mit viel Geld fast alle Positionen auf Top-Niveau doppelt besetzt. Und die Verletzungen betreffen zudem kaum die deutschen Weltmeister, sondern vielmehr Akteure ohne große WM-Belastung wie Ribery, Reus, Martinez, Mkhitaryan oder Farfan.

Vermutlich müssen die Spitzenteams der Bundesliga einfach ihr Trainingspensum umstellen, um das Verletzungspech zu minimieren und international konkurrenzfähig zu bleiben.

In der Premier League beispielsweise wird bei den meisten Klubs wie etwa dem FC Chelsea in Champions-League-Wochen fast gar nicht trainiert, nur regeneriert. Ähnlich machen es die Topteams in Spanien, beim FC Barcelona gibt es Konditionsarbeit meist nur in Spielformen mit Ball.

Anpassung lautet daher für die Bundesliga das Zauberwort, denn es wäre utopisch zu glauben, dass der internationale Spielkalender reduziert wird.

Dazu stecken leider zu viel Geld und zu viel Politik im Spiel.

(Mehr zum Thema bei Bundesliga aktuell ab 18.30 Uhr im TV auf SPORT1)

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel