vergrößernverkleinern
Robert Lewandowski und Mario Götze harmonierten bereits bei Borussia Dortmund

Rom und München - Der FC Bayern trumpft in Champions League und Liga auf - was nicht nur am Star-Kader liegt. SPORT1 analysiert den Höhenflug.

Von Mathias Frohnapfel

Irgendwie durchkommen wollten sie. Ohne Glanz und Gloria, aber mit vielen guten Ergebnissen die Vorrunde spielen. Man werde bis zur Winterpause leiden, "Probleme haben", sagte Bayerns Trainer Pep Guardiola.

Der Satz ist erst ein paar Wochen alt - und doch haben es die Münchner derart schnell geschafft, wieder wie mit Raketenschuhen zu spielen, dass sie sich selbst darüber wundern.

"Wir wissen, dass wir überraschend gut drauf sind", sagt Philipp Lahm. "Dafür, dass wir lange bei der WM waren, Verletzte haben." Die Hochkaräter Javier Martinez, Thiago, Bastian Schweinsteiger und Holger Badstuber fehlen ja aktuell.

Machtdemonstration in Rom

Doch die Bayern-Offensive erzielte allein in den vergangenen drei Spielen satte 17 Tore. Das 7:1 beim AS Rom war eine Machtdemonstration, die auch die europäische Konkurrenz in Madrid, Barcelona und London respektvoll registrierte. 

Was lässt den deutschen Rekordmeister aber schon zu diesem Zeitpunkt der Saison glänzen, da andere Teams nach Kontinuität suchen wie Bayer Leverkusen oder überhaupt ein bisschen Stabilität wie Erzrivale Borussia Dortmund?

SPORT1 nennt Faktoren, warum es im Team von Pep Guardiola bereits so gut läuft.

• Das Guardiola-System

Der Trainer hat die Mannschaft noch ballsicherer gemacht, die Abläufe sind fast automatisiert, das Positionsspiel perfektioniert. Ballbesitz ist nicht Selbstzweck, sondern immer zielgerichtet, um sich den Gegner zum entscheidenden Pass in die Tiefe zurechtzulegen.

Aktuell ist der FCB laut UEFA-Statistik in der Champions League das Team mit den meisten Strafraumszenen.

"Wir sind einen Schritt weiter als letztes Jahr, weil wir ein Jahr mehr zusammen trainiert haben", erklärt Lahm.

Guardiola selbst sieht ebenfalls viele positive Zeichen. "Dieser Verein hat tolle Leute und Spieler, es geht nur darum, das Beste aus ihnen herauszuholen", sagt er bescheiden.

• Das Guardiola-System

Bereits in der vergangenen Saison gelang es den Bayern, mit unterschiedlichen Systemen zu spielen - mal mit einem, mal mit zwei defensiven Mittelfeldspielern beispielsweise.

Jetzt hat der deutsche Rekordmeister auch die Dreierkette im Repertoire. Das Mittelfeld, Guardiolas Lieblingsstück des Spiels, ist somit fast immer in Münchner Hand, die Abwehr steht trotzdem sicher.

"Wir sind taktisch variabler geworden", findet auch Lahm.

• Das Guardiola-System

Der Stil des FC Bayern mit den vielen Pässen und dem kunstvollen Spielaufbau sei ein bisschen wie Jazz, während Real Madrid eher Rock 'n' Roll gleiche, ließ Alonso vor kurzem via "Süddeutsche Zeitung" wissen. Es lässt sich feststellen: Der Spanier kann beides.

Gegen Köln stellte er einen Rekord an Ballberührungen auf - mehr als 200. Mit Lahm lenkt der 32-Jährige das Mittelfeld perfekt, sodass das Fehlen der verletzten Stars Thiago und Schweinsteiger kaum auffällt.

Auch nach dem Rom-Spiel lobte Guardiola seinen Landsmann explizit: "Xabi weiß, wie man sofort die richtigen Entscheidungen trifft." Bestes Beispiel: Vor dem 3:0 schickte er Bernat auf die Reise, der vom Flügel Torschütze Lewandowski bediente.

Wie Lahm profitiert Alonso davon, in den Länderspielpausen frei zu haben. Beide Altmeister haben sich im Sommer aus ihren Nationalteams verabschiedet, mit übervollen Akkus glänzen sie dafür jetzt beim FCB.

• Integration von Lewandowski

Nach dem Sieg in Rom grinste Robert Lewandowski über beide Ohren, als er mit SPORT1 über den starken FC Bayern sprach.

"Das war für mich der höchste Sieg in der Champions League. Sieben Tore, das ist immer eine gute Nachricht", sagte der Ex-Dortmunder und fügte an: "Wir haben taktisch sehr gut gespielt, ab der ersten Minute waren wir sehr offensiv."

Der Pole traf selbst zum 3:0, war an vielen Szenen beteiligt. Die Mitspieler suchen und finden den Neuzugang - anders als zu Saisonbeginn - immer öfter. Und Lewandowski ist längst vom Klopp- zum Guardiola-Jünger geworden.

• Götzes gutes zweites Jahr

Bereits sechs Treffer in der Bundesliga, einer in der Champions League: Mario Götze ist aktuell die größte Überraschung im Münchner Team.

Plötzlich spielt der 22-Jährige wie befreit auf, hat sich auch mit seiner Rolle auf dem Flügel angefreundet - zumal er ganz nebenbei dann doch im richtigen Moment im Zentrum auftaucht, um zuzuschlagen.

Wie beim BVB harmoniert Götze glänzend mit Lewandwoski - ein weiteres Plus der Bayern 2014/2015.

• WM-Fahrer ohne Müdigkeit

Jerome Boateng, der beim WM-Triumph über Argentinien das Spiel seines Lebens machte, hat beim FCB rasch wieder seine starke Form gefunden. Damit war der Innenverteidiger in den ersten Wochen eine wichtige Stütze, als zum Beispiel mühsam der Sieg über Manchester City errungen wurde, Boateng das goldene Tor erzielte.

Auch der Brasilianer Dante wirkt inzwischen wieder verbessert, im Gespräch mit SPORT1 machte er dafür auch die zwischenzeitliche Pause bei Brasiliens Nationalteam und "meinen Kopf" verantwortlich. Der Kämpfer in ihm ist zurück.

In Rom spielte zwar sein schärfster Rivale Medhi Benatia von Beginn an, der Konkurrenzkampf und die Rotation dürften aber letztlich beiden Abwehrspezialisten gut tun.

Bleibt Arjen Robben, WM-Halbfinalist mit den Niederlanden. Der Flügelflitzer hat die wochenlange Abwesenheit von Franck Ribery vergessen lassen, traf auch in Rom doppelt.

"Diesen Abend muss man genießen", kommentierte Robben anschließend.

Heißhunger für neue Glanztaten hat er auf jeden Fall genug.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel