München - Weidenfeller ist nicht mehr die Dauerlösung. Langerak hat vorm Anderlecht-Spiel Chancen, doch Dortmund hat den Markt im Blick.

Video

Jürgen Klopp hat das Dortmunder Tor durchgeschüttelt. Und der Trainer der Borussia hat damit ein ganz neues Problem ausgeschaufelt. Oder zumindest eine Aufgabe, die er in den kommenden Monaten lösen muss.

Nach dem 1:0 gegen Hoffenheim klebte Klopp "Bauchentscheidung" über den Wechsel im Tor.

Bedeutet: Er organisierte sich ein paar zusätzliche Tage, wollte sich nicht sofort dauerhaft festlegen zwischen Mitch Langerak und Roman Weidenfeller.

Umfallen wird Klopp aber wohl kaum. Kehrt er beim Champions-League-Spiel gegen Anderlecht (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und LIVE im Sportradio SPORT1.fm) zurück zu Weidenfeller, dürfte Langerak jedes Vertrauen verlieren.

Außerdem ist Weidenfeller 34 und damit acht Jahre älter als sein Konkurrent: keine langfristige Lösung mehr als unumschränkte Nummer eins.

Entscheidung ist gefallen

Vergangenes interessiert Klopp nicht. "Wenn jemand spielt, hat es nichts mit dem bisherigen Verdienst zu tun. Ich habe schon häufiger verschiedene Spieler aufgestellt. Es geht immer um den Moment", sagte er. Über die Besetzung im Tor gegen Anderlecht hat er bereits entschieden, behält dies aber noch für sich.

Langerak nutzte bislang fast jede Einsatzchance, war Weidenfeller in den letzten Jahren verletzt oder bekam eine Pause. Von bislang 28 Pflichtspielen für Borussia Dortmund gewann er 23 und verlor nur vier.

Langerak gegen Hoffenheim nicht gefordert

Das Problem für Klopp: Noch weiß er nicht, wie Langerak als Nummer eins über eine ganze Saison funktioniert. Gegen Hoffenheim bekam der Australier auch kaum etwas zu tun.

Gegen Anderlecht könnte das ganz anders aussehen, wenn man bedenkt, wie viele Chancen die Belgier im Hinspiel hatten.

Es geht für Dortmund um den Gruppensieg und damit bereits um eine gute Chance aufs Viertelfinale. Der Worst Case: Langerak fängt gerade jetzt an zu patzen und kostet den BVB damit indirekt mehrere Millionen Euro. Denn: Fällt der BVB auf Platz 2 zurück, drohen im Achtelfinale Hochkaräter wie Real Madrid.

Asien-Cup als Risiko

Der Asien-Cup vom 9. bis 31. Januar könnte zum zusätzlichen Risiko werden. Langerak steht im vorläufigen Aufgebot der gastgebenden Australier. Am 30. Dezember entscheidet sich, ob er beim Turnier dabei ist. Dann würde er die Wintervorbereitung und wahrscheinlich den Beginn der Rückrunde verpassen.

Aufgrund der noch unsicheren Lage braucht Dortmund im Sommer Alternativen. SPORT1 nennt die aussichtsreichsten Kandidaten:

Marc-Andre ter Stegen:

Schon im Sommer war der BVB nach SPORT1-Informationen an ter Stegen dran, der damalige Gladbacher entschied sich aber für den Wechsel ins Ausland.

Zufrieden kann er mit seiner Situation in Barcelona nicht sein, die Tür für Dortmund ist also zumindest offen. Allerdings hat ter Stegen immer wieder klargestellt, dass er sich unbedingt in Barcelona durchsetzen will. Ein Wechsel nach einem Jahr käme einer Flucht gleich.

Hinzu kommt: Bei einem Vertrag bis 2019 wird die Sache extrem teuer für Dortmund. Realistisch ist also höchstens ein Leihgeschäft.

Ron-Robert Zieler:

Bei Bundestrainer Joachim Löw liegt der Hannoveraner als Nummer drei im Tor vor beispielsweise Bernd Leno oder auch ter Stegen. Seit der WM stand Zieler immer im DFB-Kader und spielte zuletzt beim 1:0 in Spanien über 90 Minuten.

Bei 96 hat er bis 2017 unterschrieben, darf aber für eine festgeschriebene Ablösesumme gehen. Diese soll unter zehn Millionen Euro liegen.

Kevin Trapp:

Nach seinem Syndesmosebandriss wird der Frankfurter in der Rückrunde wieder einsteigen können. Aktuell läuft der Poker um Trapps neuen Vertrag.

Die Kurzfassung: Entweder er ist spätestens 2016 weg, oder die Eintracht stimmt einer Ausstiegsklausel in seinem neuen Vertrag zu. Dann dürfte Trapp schon im Sommer für sechs bis acht Millionen Euro gehen.

Roman Bürki:

Der Schweizer ist die unwahrscheinlichste Lösung. Nicht aus mangelndem Talent, sondern weil er für den Maßstab BVB noch nicht genug Erfahrung in der Bundesliga hat.

Die Dortmunder sollen sich bei Michael Skibbe nach Bürki erkundigt haben, schließlich kennt der ihn noch aus der gemeinsamen Zeit beim Grasshopper-Club Zürich.

Bleibt die Frage: Was wird aus Weidenfeller? Er kündigte bereits an, Klopps Entscheidung zu akzeptieren. Weidenfeller spekuliert nach mittlerweile zwölfeinhalb Dienstjahren auf einen Job in Dortmund nach seinem Karriereende.

Die Degradierung kommt aber mindestens ein halbes Jahr zu früh. Nach dieser Saison hätte der Klub zusammen mit Weidenfeller eine Entscheidung verkünden können. Aufgrund seiner Patzer sah sich Klopp aber schon jetzt zum Handeln gezwungen.

Eine herabgestufte Nummer eins als Nummer zwei hat selten über längere Zeit gut funktioniert. Deshalb braucht Dortmund Ersatz.

Video
teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel