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Cristiano Ronaldo (l.) und Gareth Bale haben mit Real Madrid die letzten 20 Pflichtspiele gewonnen
Cristiano Ronaldo (l.) und Gareth Bale haben mit Real Madrid die letzten 20 Pflichtspiele gewonnen © getty

SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold sieht die Bayern in der Liga allein auf weiter Flur. International sei Real aber die Nummer 1.

Hallo Fußball-Freunde,

Paul Breitner hat mit seinen Aussagen im SPORT1-Doppelpass für mächtig Wirbel gesorgt. In manchem pflichte ich ihm voll bei, doch Einiges sehe ich auch komplett anders.

Wenn er Berti Vogts' Vorstoß ablehnt, wonach der FC Bayern auf Geld verzichten sollte, damit andere Klubs mehr finanzielle Möglichkeiten hätten, dann kann ich Paul nur Recht geben.

Andere Vereine hätten mit einer Vision oder Philosophie doch Vergleichbares schaffen können wie die Bayern, zumal manche sogar noch einen besseren Standort hatten. Doch die Konkurrenz ist meilenweit entfernt. Die Bayern haben dagegen früh die Weichen gestellt und stets wirtschaftlich starke Unternehmen um sich herum geschart.

Dass Breitner jedoch behauptet, dass die Bayern gegen nahezu niemanden mehr verlieren könnten, allenfalls gegen Real Madrid oder Barcelona, ist Quatsch. Paul Breitner sollte sich mal daran erinnern, wie das in der letzten Saison war.

Im Champions-League-Halbfinale nämlich hatten die Bayern in beiden Spielen gar keine Chance. Real hat mehr Tempo im Spiel und auch Spieler mit mehr Dynamik.

Wenn ich sehe, wie Gareth Bale und Ronaldo abgehen: Die waren im Vorjahr mit Ball schneller als die Bayern ohne. Ich habe also keine Ahnung, wie Paul auf so eine Behauptung kommt: Die beste Mannschaft der Welt ist einfach Real Madrid. Da sollte er mal schön den Ball flachhalten.

Manche reden nun von Arroganz-Anfall. Aber die Art, wie er das gesagt hat, ist eben typisch Paul, da bleibt er authentisch. Wenn er da nun den Diplomaten oder Weichspüler machen würde, würde das nicht zu ihm passen, das nähme ihm doch niemand ab.

Widersprechen muss man auch Breitners Aussage, dass mittlerweile fast jeder Spieler zu Real oder zu den Bayern will.

Xabi Alonso hatte in Madrid noch Vertrag, sprich: Wenn Real gewollt hätte, dann hätte er bleiben können und wäre wohl kaum in München gelandet.

Aber Real hat auf der Sechserposition nun bessere Spieler, die kleiner und jünger sind und auch nicht so einen großen Wendekreis haben wie Alonso mit seiner Größe.

Modric hat das im letzten Jahr gezeigt, um nur einen zu nennen.

Stichwort Champions League: Die Bayern täten ohnehin gut daran, neben Real, die als erste Mannschaft in diesem Jahr den Titel verteidigen könnten, noch ein paar andere Teams zu vermeiden.

Sehr unangenehm ist zum Beispiel PSG mit Ibrahimovic und Cavani - ein sehr athletisches Team. Auch Chelsea macht auf mich wieder einen sehr kompakten Eindruck, die haben eine gute Mischung gefunden, sind mit dem alten Terry vielleicht allein in der Innenverteidigung verwundbar. Beim FC Barcelona sehe ich inzwischen den Zenit überschritten.

Bis zum nächsten Mal, Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt als Kolumnist für SPORT1.

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