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Porto - Nach der Pleite in Porto suchen die Bayern nach Gründen. Xabi Alonso wird der Rolle als Führungsspieler nicht gerecht, Guardiola leidet, Rummenigge verzichtet auf Kritik.

Jerome Boateng klingelte es noch in den Ohren. Sechs Mal hatte der Stadionsprecher geschrien: "Jackson", sechsmal hatten mehr als 40.000 Fans des FC Porto zurückgeschrien: "Martinez". Glückselig nach dem Tor zum 3:1-Endstand im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Bayern.

Und ebenso verwundert. Martinez' Comeback nach einer Adduktorenverletzung und einem einzigen Training, das war sensationell - so wie die Patzer der Bayern. Vor Portos drittem Tor unterlief Boateng eine Flanke. Genau, jener Weltmeister und zuletzt so stabile Münchner Abwehrchef.

Drei unerklärliche Aussetzer

Boateng träumte in der zweiten Hälfte, Xabi Alonso und Dante hatten mit ihren unerklärlichen Aussetzern schon in den ersten Minuten des Spiels das Desaster eingeleitet.

Dabei sind Boateng, Dante und Alonso drei Routiniers, die für Verlässlichkeit stehen. Eigentlich. Am Mittwochabend symbolisierten sie im Drachenstadion von Porto stattdessen Schlafmützigkeit und die Zerbrechlichkeit einer von Verletzungen gebeutelten Mannschaft.

"In der zweiten Halbzeit war ein bisschen die Luft raus, dann kriegen wir ein blödes drittes Tor", beschrieb Boateng im Gespräch mit SPORT1 seinen eigenen bitteren Moment.

Eine 1:2-Niederlage wäre für die Bayern noch erträglich gewesen, ein 1:3 ist dagegen im Rückspiel am kommenden Dienstag deutlich schwerer aufzuholen.

"Dürfen nicht panisch werden"

Das wusste auch Boateng, als er in den zugigen Stadionkatakomben über die weiteren Aussichten sprach. "Wir müssen als Mannschaft da raus gehen, um das zu korrigieren", betonte er und dass man auf keinen Fall "panisch" werden solle.

Das extreme Angriffspressing der Portugiesen zu Beginn sowie ihre ruppige Gangart schmeckte den Bayern gar nicht.

Dante von Beckenbauer abgewatscht

Boateng stellte sich als einziger der drei Unglücksraben den Reportern.

Dante flüchtete dagegen in den Bus, da hatte der Brasilianer wohl noch nicht mal vernommen, wie FCB-Ehrenpräsident und Obergrantler Franz Beckenbauer im Sky-Studio geätzt hatte:  "Wenn er ein Isländer wäre oder irgendwo vom Nordpol, würde ich sagen, okay, der hat noch seine Skistiefel an. Aber er muss nur den Ball stoppen."

Ein haarsträubender Fehler vor dem 0:2, dazu eine heftige Schelte.  Die hätte sich ähnlich auch Xabi Alonso verdient gehabt, der nicht nur beim 0:1 viel zu langsam und passiv war.

Der Spanier war im vergangenen Sommer als Führungsspieler von Real Madrid geholt worden, doch dieser Rolle wurde er in Porto zu keiner Zeit gerecht. In Abwesenheit des erkrankten Bastian Schweinsteiger gab es niemanden im Team des deutschen Rekordmeisters, der vorwegging und seinen Teamkollegen die Richtung vorgab.

Ratlosigkeit an der Seitenlinie

Trainer Pep Guardiola litt an der Außenlinie und wirkte ratlos. Rannte hoch und runter, kratzte sich am Kopf. Alternativen hatte der Trainer ja keine, wie Boateng richtig feststellte: "Wir hatten heute keinen Offensivspieler, den wir einwechseln können."

Der FC Bayern ist derzeit so sehr von Verletzungen gebeutelt, dass ausgerechnet im Saisonendspurt die Luft auszugehen droht.

Rummenigge verzichtet auf Kritik

Auch wegen dieser unheimlichen Serie von Ausfällen verzichtete Karl-Heinz Rummenigge auf eine Attacke aufs Team, als er vor der noch einigermaßen bedröppelten Truppe und den Ehrengästen beim Mitternachtsbankett sprach.

"Ich bin nicht bereit, die Mannschaft zu kritisieren", sagte er: "Irgendwann ist der Tag, wo du kaputt bist." Die Rumpftruppe muss es nun am Dienstag richten.

Guardiola droht erstmalig Viertelfinal-Aus

Guardiola will daher der Mannschaft nicht weiter Selbstvertrauen nehmen. Auch deshalb klang seine Einschätzung ziemlich mild.

Für Fehler werde man eben "auf diesem Niveau" bestraft. "Ich bin nicht unzufrieden mit meinem Team - wir haben alles versucht in diesem Spiel."

Nach der Partie in Hoffenheim geht es für ihn und den Verein um alles. Noch nie zuvor ist Guardiola als Trainer bereits im Viertelfinale ausgeschieden – mit Barcelona nicht und auch nicht mit den Bayern.

"Es wäre kein Fußballwunder"

Jetzt wollen sie in München die Drachen aus Porto zähmen. Für diese Aufgabe wappneten sie sich bereits in Portugal mit einer gehörigen Portion Trotz.

"Wir hauen am Dienstag alles raus, spielen zu Hause", kündigte Thomas Müller an. "Es wäre kein Fußballwunder wenn wir zu Hause 2:0 gewinnen, aber es wird sehr schwer."

Manuel Neuer wertete die Ausgangslage ähnlich. "Wir haben es verbockt und müssen versuchen, es umzudrehen." Vom Verletzungspech wollte der Keeper dabei nichts wissen. Es werden keine Ausreden gesucht, verkündete er. "Der Kopf ist nicht unten."

Vor allem Alonso, Dante und Boateng müssen sich von ihrem Sekundenschlaf befreien, sonst überrumpelt Porto den FCB in München ein zweites Mal.

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