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Nach dem verlorenen Landesmeister Finale gegen den FC Porto gehen Matthäus und Co geschlagen vom Platz © Imago

München - Die Finalpleite 1987 gegen Porto traf Bayern ins Mark. Jean-Marie Pfaff und Klaus Augenthaler erinnern an den bitteren Moment und schätzen den Rivalen ein.

Als bei Jean-Marie Pfaff das Telefon klingelt, zwitschern in seinem Garten in Belgien die Vögel. Und die frühere Ikone des FC Bayern ist gut gelaunt - wie fast immer.

"Meine Mama hat immer gesagt: besser lachen als weinen", erzählt Pfaff.

Doch am 27. Mai 1987 war im Wiener Praterstadion selbst dem Gaudiburschen nicht zum Lachen zumute. Ja, dieses denkwürdige mit 1:2 gegen den FC Porto verlorene Finale. Jener Moment der Ungläubigkeit, als Rabah Madjer mit seinem Hackentreffer zum 1:1 die Wende einleitete.

"Es war sehr traurig, sehr schade", sagt Pfaff im Gespräch mit SPORT1.

"Die schlimmste Niederlage meines Lebens"

Auch jetzt, gut 28 Jahre später und vor dem Viertelfinalspiel in Porto (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVETICKER und im Sportradio SPORT1.fm), tut sie noch weh. Diese Niederlage, die Uli Hoeneß einst als die "schlimmste Niederlage meines Lebens" bezeichnete.

Hoeneß war damals gerade seit ein paar Jahren Manager des FCB und wusste nicht, was in seinem Leben - inklusive Barcelona 1999, Finale dahoam und Steueraffäre - noch auf ihn zukommen sollte.

Hoeneß litt in Wien, Pfaff genauso. Dabei hatten die Bayern im Halbfinale überraschend Real ausgeschaltet, das Festbankett in Österreichs Hauptstadt war vorbereitet, alles fein eingedeckt für 450 Ehrengäste.

"Wir waren so übermütig, weil wir geglaubt haben, Madrid war das schwerste Spiel", berichtet Pfaff. Und Porto, das gibt er ehrlich zu, das habe man gar nicht so richtig einschätzen können.

Pfaff wundert sich

"Sie haben damals nur auf Konter gespielt, wir haben das erste Tor geschossen, dann waren wir wie gelähmt. Wir hatten das Glück nicht gehabt, was wir gebraucht hätten. Sie sind zweimal in unsere Hälfte gekommen - und Tor."

Pfaff verbindet noch heute einiges mit dem FC Bayern, er ist immer wieder in München beim Rekordmeister zu Gast. Der Belgier findet, dass der Klub viel aus der Niederlage gelernt habe - vor allem, eben nie zufrieden zu sein.

1987 hat sich Pfaff nicht vorstellen können, dass er nie wieder solch ein großes Endspiel erreichen würde.

"Die anderen sagen: Ich habe gewonnen"

"Ich kann sagen, ich war im Finale, die anderen können sagen: 'Ich habe es gewonnen'", stellt er realistisch fest. "Alle sprechen über Merckx, der fünfmal die Tour de France gewann, keiner spricht über Poulidor."

Poulidor bekam den Spitznamen "der Mann, der nie die Tour gewann". Den Bayern erging es besser, nach 1987 eroberten sie zweimal die Champions-League-Trophäe, zuletzt 2013.

Ein Flugkopfball aus 16 Metern

Wiggerl Kögl fieberte dabei ebenso mit wie die ganzen anderen Ex-Granden. In Wien 1987 traf Kögl, inzwischen Spielerberater von Thomas Müller, per Flugkopfball aus 16 Metern. Über jenen Moment möchte er jetzt nicht mehr groß sprechen, es sei alles gesagt.

"Ich habe danach nie wieder so ein Kopfballtor gemacht", hat Kögl bereits mehrmals betont. Und dass die Bayern zu passiv geworden seien nach der frühen Führung.

Keine Gratulation per Fernschalte

Klaus Augenthaler musste das Drama aus der Ferne miterleben. Eine Höchststrafe.

"Ich habe keine gute Erinnerungen, ich bin in Madrid vom Platz geflogen und hatte danach eine Bandscheiben-Operation", berichtet der Ur-Bayer im Gespräch mit SPORT1.

Via Fernsehschalte sollte der Kapitän damals eigentlich den Kollegen gratulieren, daraus wurde nichts. "Da ist was zerbrochen", sagte er damals.

Revanche im Jahr 1991

Seine persönliche Revanche hat er ein paar Jahre später genommen. 1991 warfen die Bayern mit Augenthaler den FC Porto aus dem Landesmeisterpokal - allerdings bereits im Viertelfinale.

Die Bayern mussten dabei Ausfälle verkraften - wie heute. Unter anderem fehlte Augenthaler wegen einer Sperre im Rückspiel. Jetzt ist er wieder zuversichtlich, auch wenn er vor den technisch versierten Portugiesen warnt.

"Das ist Champions-League-Viertelfinale. Ich sehe den Vorteil, dass man erst auswärts spielt", sagt er.

Pfaff schätzt Porto indes als "sehr disziplinierte Mannschaft, die bei Freistößen sehr gefährlich ist". Die Münchner werden nun also in Porto Freistoßspezialisten Brahimi im Auge behalten und dann darauf hoffen, dass sie nach dem Rückspiel in einer Woche lachen und nicht weinen.

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