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Philipp Lahm und Jerome Boateng jubeln
Der FC Bayern München steht im Halbfinale der Champions League © SPORT1/Getty

München - Der FC Bayern besinnt sich auf sein Selbstbewusstsein. Für den Champions-League-Endspurt hat der Klub alle Möglichkeiten, Pep Guardiolas Position ist gefestigter denn je.

Es ist unverkäuflich und unkopierbar. Dieses Mia san Mia. So buchstabiert sich das Selbstbewusstsein des FC Bayern als  trotziges Bekenntnis zu den eigenen Stärken, dazu der unbändige Wille, nie klein beizugeben. 

Ein Motto, das den Klub seit Jahrzehnten wie eine unsichtbare Kraft antreibt. Einst mit grimmigen Antlitz wie dem von Oliver Kahn, jetzt auch mit spitzbübischem Augenschlag wie dem von Thomas Müller. Mit dem Rücken zur Wand, tönte der nach dem 6:1-Triumph über Porto, sei Bayern eben am stärksten.

Die Münchner stehen nach einer famosen Leistung im Halbfinale der Champions League - zum vierten Mal in Folge. Ein Vereinsrekord. Im Idealfall soll der Henkelpott wieder bei den Ohren gepackt werden wie 2013. Keine unrealistische Vorstellung für diese Mannschaft aus Stehauf-Männchen. Geeint vom Kitt des Mia san Mia.

Dabei schien jenes Motto zuletzt nur noch Folklore. Die Jahreshauptversammlung im November glich in ihrer nüchternen Art eher der Hauptversammlung eines Aktienkonzerns, eine Institution wie Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt warf zuletzt entnervt das Handtuch.

Wie viel Guardiola verträgt der Klub? Mit dieser Frage beschäftigten sich danach die Medien. Zumal Ex-Präsident Uli Hoeneß, ebenso hemdsärmelige wie vermittelnde Kraft, zwar als Freigänger an der Säbener Straße präsent ist, aber seinen Einfluss nicht wie früher geltend machen kann.

Nach der Gala gegen ein völlig verdattertes Porto wird deutlich, dass Klubbosse, Trainer und Spieler wieder die Einheit zum höchsten Gut erheben. Das ist angesichts der Verletzungsmisere absolut geboten und macht stark. Ebenso wie die Geste von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der jetzt auf Müller-Wohlfahrt zugeht.

Die Münchner Arena erzitterte nach Schlusspfiff, selten feierten Team und Fans so innig. Die Fan-Choreo mit der Aufschrift "Niemals aufgeben" war die passende Übersetzung des Vereinsmottos für den Abend.

Am Ende stand ein Sieg gegen alle Widerstände. Errungen mit Herzblut. Und einer taktischen Meisterleistung von Trainer Guardiola, der seinen Mannen auch lange Bälle gestattete. Sein Kniff, das verletzungsgeplagte Team schon vorab in den Heldenstatus zu erheben, wirkte.

Bayern ist vorbereitet für das Halbfinale. Guardiola könnte im Moment von seinen Spielern wohl jede noch so bizarre Aufstellung verlangen. Doch er sollte in der Saisonendphase vorsichtig mit der Klub-DNA umgehen, allzu viele Eingriffe vermeiden. Das Comeback des Mia san Mia stärkt auch seine Rolle vor dem Anlauf aufs große Finale in Berlin.

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