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Bayern-Stürmer Robert Lewandowski ließ gegen Barca einige gute Chancen aus
Bayern-Stürmer Robert Lewandowski ließ gegen Barca einige gute Chancen aus © getty images

München - Der FC Bayern zeigt gegen Barcelona eine couragiert Leistung, scheitert aber am eigenen Chancenwucher und Barcas magischem Dreieck. Die Schlussoffensive kommt zu spät.

Pep Guardiola hatte es eilig.

Nachdem das Halbfinalaus in der Champions League perfekt war, berief der Trainer des FC Bayern seine Spieler geschlossen in die Kabine.

Amüsante Nebenanekdote: Thomas Müller wurde von Mediendirektor Markus Hörwick sogar aus dem ZDF-Studio beordert. Was folgte war keine Gardinenpredigt, sondern eine Danksagung an die Mannschaft.

"Guardiola: Sehr stolz auf meine Spieler"

"Denn ich bin sehr stolz auf meine Spieler", erklärte Guardiola später.

Unter dem Strich blieb dennoch die ernüchternde Faktenlage, dass das "Wunder von München" ausgeblieben war. Der zweifache Torschütze Neymar und ein überragender Marc-Andre ter Stegen im Tor des FC Barcelona versperrten dem FC Bayern den Weg nach Berlin.

Die Münchner versuchten im Rückspiel alles, um das Unmögliche möglich zu machen und das 0:3 aus dem Hinspiel umzudrehen, erreichten aber trotz einer starken Vorstellung nur ein 3:2 (1:2).

Im Finale am 6. Juni in Berlin trifft Barca, das den Henkelpott zuletzt 2011 unter Trainer Pep Guardiola gewonnen hatte, auf Titelverteidiger Real Madrid oder Juventus Turin.

Ter Stegen ragt heraus

Nach dem frühen Führungstreffer der Bayern durch Medhi Benatia (7.) machte ein Doppelschlag von Neymar (15. und 29.) umgehend alle Hoffnungen der Gastgeber zunichte.

Zwischendurch erstickte ter Stegen mit atemberaubenden Paraden und Reaktionen jegliches Aufbäumen der Münchner, die in der zweiten Halbzeit noch fünf Treffer zum Weiterkommen hätten erzielen müssen - es blieb bei den zwei Toren der starken Robert Lewandowski (60.) und Thomas Müller (74.).

Wenn sich die Bayern, erneut ohne Mario Götze angetreten, etwas vorzuwerfen hatten, dann naives Abwehrverhalten und ihre Chancenverwertung. Allein Müller hatte ein halbes Dutzend Treffer auf Kopf und Fuß.

Lahm: "Haben es nicht heute verloren"

"Wir haben alle an das Wunder geglaubt, leider hat es nicht geklappt. Aber es war eine sensationelle Stimmung, ich habe selten so etwas erlebt", sagte Kapitän Philipp Lahm im ZDF: "Wir haben es nicht heute verloren, das ist klar, sondern im Hinspiel. Diese Spieler zu 100 Prozent auszuschalten, ist unmöglich. Aber wenn ich sehe, aber wir hatten sehr viele Torchancen."

Karl-Heinz Rummenigge hatte ebenfalls gemischte Gefühle: "Wenn man die 180 Minuten sieht, ist Barcelona verdient weiter gekommen, aber wir verabschieden uns erhobenen Hauptes. Wir haben es gegen die wahrscheinlich beste Mannschaft der Welt nicht geschafft, ins Finale von Berlin einzuziehen. Aber wir waren immerhin im Halbfinale - und das zum vierten Mal in Folge, also ist alles okay."

Bayern trifft früh

Trotz der miserablen Ausgangslage hatten sich alle Münchner noch einmal ins Zeug gelegt - auch die Anhänger. Ihre Choreografie vor dem Anpfiff ergab unter anderem den Schriftzug "Eine Stadt, ein Traum".

Tatsächlich dauerte es nur 6:45 Minuten, da lag der Ball im Netz hinter ter Stegen. Nach einem Eckball von Xabi Alonso war Benatia unbedrängt zum Kopfball gekommen.

Allerdings war es schon zu diesem frühen Zeitpunkt und trotz der Führung nur eine Frage der Zeit, ehe Barca selbst einen Treffer erzielen würde.

Barcas magisches Dreieck zaubert

Schon kurz vor dem Führungstor wären die Münchner beinahe überrumpelt worden: Manuel Neuer allerdings verhinderte gegen den allein vor ihm auftauchenden Ivan Rakitic den frühen Rückstand (4. ).

Doch nur elf Minuten später traf Barcelonas Trio Infernale den FC Bayern mitten ins Herz. Lionel Messi spielte Luis Suarez frei, der Uruguayer lief alleine auf Neuer zu - legte aber quer, statt selbst zu schießen: Neymar musste den Ball nur noch ins leere Tor schieben.

Bayern mit Chancenwucher

Damit war jegliche Hoffnung praktisch gestorben: Zum Weiterkommen waren nach einer Viertelstunde vier weitere Treffer nötig. Trotzdem versuchte es der FC Bayern weiter - und hatte Riesenchancen.

Es war die Phase, in der ter Stegen die Münchner fast zur Verzweiflung bachte: Müller scheiterte mit einem Kopfball am überragend reagierenden deutschen Torhüter (19.), der auch die Schüsse von Lewandowski (27.) und erneut Müller (29.) parierte.

Neymar mit dem Doppelpack

Und so kam es, wie es kommen musste: Die Bayern kassierten den nächsten Gegentreffer, und das nach fast dem gleichen Muster. Messi gewann einen Kopfball, Suarez schnappte sich den Ball - und legte ihn Neymar vor: 2:1.

Ärgerlich, denn Barcelonas Abwehr war und blieb anfällig, vielleicht auch im Gefühl, sicher im Finale zu stehen. Lewandowski hatte daher kurz vor der Pause noch eine Riesenchance zum 2:2. Ter Stegen parierte erneut sensationell und wischte den an ihm vorbeikullernden Ball von der Torlinie.

Barca zum achten Mal im Finale

In den ersten 15 Minuten nach der Pause schien es, als hätten sich beide Mannschaften mit dem Resultat abgefunden. Die Bayern bäumten sich schließlich noch einmal auf, trafen durch Lewandowski (60.) und Müller (74.), doch es war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass es wie im Vorjahr nicht für das Endspiel reichen würde.

Und Barcelona konnte sich sicher sein, dass es zum achten Mal nach dem Henkelpott greifen würde. Viermal haben die Katalanen die silberne Trophäe schon gewonnen - 2009 und 2011 jeweils gegen Manchester United und mit Guardiola.

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