Video

Mönchengladbach - Mönchengladbach bringt Manchester City an den Rand einer Niederlage, verliert aber durch den neunten Elfer im zehnten Pflichtspiel. Ein längst akutes Problem.

Wie erklärt man im Fußball das Unerklärliche?

Wie versucht man, das Irrationale rational darzustellen? Das Unfassbare, das Unbegreifliche begreiflich zu machen?

Meistens sind es mehrere Komponenten, die zu rätselhaften Aussetzern führen. Gerne wird dann von der Psyche gesprochen. Von einem Kopfproblem.

Oder aber schlicht von spielerischen Unzulänglichkeiten, einer Verkettung unglücklicher Umstände vielleicht, einem ungeschickten Verhalten.

"Da müssen wir uns hinterfragen"

Borussia Mönchengladbach gingen nach dem 1:2 gegen Manchester City im zweiten Gruppenspiel der Champions League die Erklärungen allerdings so langsam aus. Der glückliche Siegtreffer der Engländer in der 90. Minute war schon bitter genug.

Den Tiefschlag "perfekt" machte schließlich die Tatsache, dass der verwandelte Foulelfmeter von Sergio Aguero der neunte Elfmeter im zehnten Pflichtspiel war, den sich die Gladbacher einfingen. Unfassbar, unerklärlich, unbegreiflich.

"Das ist jetzt schon öfter passiert, da müssen wir uns hinterfragen und das unbedingt abstellen. Es kann einfach nicht sein, dass wir so viele Elfmeter gegen uns bekommen. Wir müssen einfach klarer werden und vielleicht dann einen Schritt schneller sein", sagte Patrick Herrmann SPORT1.

FBL-EUR-C1-MONCHENGLADBACH-MAN CITY
Lars Stindl begreift die Pleite nicht © Getty Images

Torschütze Lars Stindl fand nicht wirklich eine Erklärung. "Wir haben das angesprochen. Das kann immer mal passieren. Es ist aber ein bisschen viel im Moment. Das müssen wir abstellen", sagte Stindl SPORT1. Offenbar ist das in dieser Saison aber einfacher gesagt als getan.

Gladbach nimmt Zweikämpfe an

"Vielleicht ist der eine oder andere zu ungeschickt im Zweikampf oder nicht kontrolliert genug. Wir wissen, dass wir den Gegner im Strafraum zuerst stellen müssen und dann versuchen müssen, die Bälle zu blocken. Den Gegner unter Druck setzen, ohne zu wild oder zu unkontrolliert zu agieren", sagte Interimstrainer Andre Schubert.

Ob nun mangelnde Cleverness, fehlende Konzentration oder schlicht und einfach Tollpatschigkeit: Schubert ist natürlich froh, dass die Mannschaft die Zweikämpfe inzwischen überhaupt wieder annimmt, sie im Gegensatz zum verpatzten Saisonstart endlich wieder sucht.

Gegen City warfen sich die Gladbacher geradezu in das Spiel, schalteten bisweilen den Kopf aus und gingen ihr erstes Heimspiel in der Königsklasse gegen den haushohen Favoriten auf eine beeindruckende emotional-irrationale Art und Weise an.

Ohne Angst vor den großen Namen

Ohne Angst vor den großen Namen der mit den Scheich-Milliarden gepimpten Premier-League-Truppe. Gladbach warf über weite Strecke ein spielerisches Spektakel gegen britisches Kalkül in die Waagschale.

Mit Mut und Entschlossenheit, Selbstvertrauen und offensivem Temperament sowie Mut zu Fehlern, den Schubert sogar gefordert hatte. Fehler und Ungenauigkeiten, die die Gladbacher bei aller erfrischenden Unbekümmertheit auch zur Genüge machten.

Auch wenn Schubert das angesichts der inzwischen bereits vier Elfmeter unter seiner Regie sicher anders gemeint hatte.

"Das ist ein Prozess, was den Strafraum betrifft. Darüber müssen wir reden und versuchen, das abzustellen", sagte er.

Bei seiner Mannschaft wechselten sich nach der zweiten Niederlage im zweiten Champions-League-Spiel die Gefühle ab, pendelten zwischen Stolz über die eigene Leistung, Enttäuschung ob der unglücklichen Niederlage und Frust angesichts der anhaltenden Elfmeter-Seuche. Von den bislang neun wurden sieben verwandelt, einer ging neben das Tor und einer an die Latte.

Strafstoß selbst vergeben

Doch natürlich hätte der Elfmeter niemanden mehr interessiert, hätte die Borussia die teils hochkarätigen Chancen zuvor effektiver genutzt. Raffael verschoss nicht nur selbst einen Foulelfmeter, sondern scheiterte wie auch Herrmann am glänzend aufgelegten Joe Hart.

So kam City immer besser in die Partie, weil die Borussia praktisch mit der Führung das Spiel mehr und mehr aus der Hand gab, die Kontrolle verlor und dem intensiven Auftritt zum Teil auch Tribut zollen musste.

Ein englischer Torhüter in Topform und ein spielerischer Einbruch ausgerechnet nach der Führung: Manche Dinge sind im Fußball in der Tat nur schwer zu erklären.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel