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Georg Pangl
Georg Pangl kritisiert die Champions-League-Reform und mahnt zur Vorsicht © APA (Archiv/Pfarrhofer)

Der Generalsekretär der EPFL kritisiert die CL-Reform und mahnt zur Vorsicht. Im exklusiven Interview bei SPORT1.fm erklärt er die Tücken und den Vorgang der Reform.

Die UEFA und ihre umstrittene Champions-League-Reform: Nachdem das neu verabschiedete Vermarktungsmodell bereits scharfe Kritik aus der Liga hervorgerufen hatte, schaltet sich nun mit der EPFL der Interessenverband der europäischen Fußballligen ein.

Was bedeutet die Reform? Ab der Saison 2018/2019 wird es für die vier führenden Fußballnationen Deutschland, England, Spanien und Italien vier fixe Startplätze geben. Auch die Verteilung der TV-Gelder wird einem neuen Verteilungsschlüssel unterliegen. Zudem wird es neue Anstoßzeiten geben.

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Georg Pangl, Generalsekretär der EPFL macht bei SPORT1.fm seinen Unmut über die Reform der Champions League durch die ECA und der UEFA deutlich: "Der Prozess ist von der ECA und der UEFA ohne Einbeziehung der Ligen, hinter dem Vorhang eines sehr intransparenten Prozesses vonstatten gegangen und hat mit dem Ergebnis starke Auswirkungen auf die Ligen."

Solidarität wird zum Randthema

Der Österreicher räumt ein, dass die großen Klubs, die für den größten Teil der Einnahmen verantwortlich sind, auch den größten Teil des Geldes bekommen sollen: "Man darf aber auch den Gedanken der Solidarität nicht vergessen. Der wird bei der neuen Reform leider zum Randthema."

"Die Schere, die zwischen den ganz Großen, den Mittleren und den Kleinen besteht", kritisiert Pangl weiter, "wird durch diesen Beschluss noch weiter ausgeweitet und das ist für die Nachhaltigkeit des Fußballs nicht gut."

Ginge es nach Pangl, so würde er die ganze Sache noch einmal komplett neu diskutieren und die Reform erneut aufrollen: "Wir wollen den Prozess zurück an den Start bringen und von vorne beginnen, um einen transparenten, demokratischen Prozess abzuwickeln."

Große Klubs nabeln sich ab

Der EPFL-Generalsekretär befürchtet, dass sich die ohnehin schon finanziell starken Klubs abnabeln und die Kluft zu den "kleinen" Vereinen nicht mehr zu schließen ist. Der nächste Schritt, so Pangl, wäre die Einführung der Super League. In dieser würden nur die europäischen Top-Klubs antreten und sich untereinander messen. Das wäre "fatal", so der 50-jährige Österreicher.

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Dabei nimmt er sich und die Verbände in die Pflicht, langfristig zu arbeiten: "Die Klubs müssen kurzfristig denken. Wir sehen uns als Wettbewerbshüter mit langfristiger Planung."

"Man trifft sich im Hinterzimmer"

Der Österreicher wirft den Verantwortlichen der ECA und der UEFA vor, mit versteckten Karten gespielt zu haben: "Wenn man etwas zu verbergen hat, dann trifft man sich gerne im Hinterzimmer und lässt einen ausgleichenden Partner außen vor. Vielleicht haben wir uns in den letzten zehn Jahren nicht laut genug bemerkbar gemacht."

Er stellt außerdem den Verdacht in den Raum, die ECA habe das derzeitige Führungsvakuum der UEFA ausgenutzt: "Das sehen wir so, ja."

Damit greift der Generalsekretär indirekt auch Karl-Heinz Rummenigge an, der in der Funktion als Vorsitzender der ECA tätig ist und die Reform unterstützt. Als Vorstandschef des FC Bayern München vertritt er natürlich auch die Interessen des deutschen Rekordmeisters. Der FCB würde finanziell von der CL-Reform profitieren.

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