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München - Pierre-Emerick Aubameyang verschießt in Lissabon einen Elfmeter, vergibt weitere Großchancen und wird ausgewechselt. Hatte BVB-Trainer Thomas Tuchel damit Recht?

Einen Elfmeter verschossen, zwei weitere Großchancen vergeben: Bei der 0:1-Niederlage von Borussia Dortmund bei Benfica Lissabon war Pierre-Emerick Aubameyang die tragische Figur.

Der Abend zum Vergessen für den Angreifer wurde in der 62. Minute komplett gemacht. Trainer Thomas Tuchel wechselte Aubameyang aus und brachte Andre Schürrle. Akzente konnte der deutsche Nationalspieler allerdings keine mehr setzen.

Aubameyangs Auswechslung sorgte bei vielen Beobachtern für Verwunderung.

War die Maßnahme eine Strafe für die Fehlschüsse des Gabuners? Verdient ein Spieler wie Aubameyang nicht die Chance, seine Fehler wieder gut zu machen? Und war Aubameyangs Auswechslung am Ende nicht kontraproduktiv für den BVB?

Tuchel kritisiert Körpersprache

Tuchel rechtfertigte sich nach dem Spiel so: "Das war keine erzieherische Maßnahme. Ich werde mich nie in die Rangordnung beim Elfmeterschießen einmischen. Damit würde ich den kompletten Druck auf den legen, den ich bestimme. Das werde ich während eines laufenden Spiels nie machen."

Ein Grund für die Auswechslung sei Aubameyangs mangelnde Fitness nach seiner Reise zum Afrika Cup. Der Coach sagte: "Auba ist vom Afrika Cup zurückgekommen und ist körperlich nicht in einem hundertprozentigen Zustand. Deshalb habe ich sowieso darauf spekuliert, dass er wahrscheinlich nach 65 oder 70 Minuten raus muss."

In der weiteren Begründung war aber durchaus etwas Kritik herauszuhören: "Er hat nachdem er diese großen Chancen alle vergeben hat, in der Körpersprache nicht den Eindruck gemacht als würde er jetzt nur auf den nächsten warten, um den zu machen", analysierte Tuchel. Heißt im Klartext: Aubameyang ließ sich hängen und drägte sich nicht gerade auf, um Tuchel zu signalisieren: Lass mich auf dem Platz.

Richtiger Zeitpunkt für Schürrle?

Ein weiteres Motiv für die Auswechslung schob Tuchel am Schluss nach: "Ich meine: Wir haben Andre Schürrle draußen, der hier sehr, sehr harte Entscheidungen hinnehmen muss, wenn Auba spielt. Deshalb haben wir eine ganz normale sportliche Entscheidung getroffen."

Hier drängt sich aber schon die Frage auf: Ist ein Spiel im Champions-League-Achtelfinale, das auf der Kippe steht, wirklich der richtige Zeitpunkt, um Dauer-Reservist Schürrle Einsatzminuten zu gönnen?

Hitzfeld und Ballack contra Tuchel

Tuchel brachte mit Aubameyangs Auswechslung prominente Kritiker gegen sich auf.

Ex-BVB-Trainer Ottmar Hitzfeld sagte bei Sky: "Ich habe immer an meinen Top-Stürmern festgehalten. Weil ich weiß, dass sie auch in der 90. Minute noch treffen können. Sie können drei oder vier Chancen vergeben, aber irgendwann treffen sie."

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Der 68-Jährige weiter: "Wenn einer einen Elfmeter verschossen hat, dann habe ich ihn erst recht drin gelassen. Von daher verstehe ich die Auswechslung überhaupt nicht."

Deutlich wurde auch der frühere Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack. Bei Twitter schrieb er: "62. Minute! Wirklich?! Das sind die Momente, wo du zu 100 Prozent hinter deinen großen Spielern stehen musst."

Im Rückspiel gegen Benfica muss der BVB mit mindestens zwei Toren Abstand gewinnen. Sicher ist: Aubameyang wird erneut im Fokus stehen.

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