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Der BVB verliert gegen Monaco, doch im Anschluss wird nur über das Attentat vom Vortag gesprochen. Die Spieler geben tiefe Einblicke in ihr Seelenleben.

Wie nah den BVB-Spielern die Ereignisse vom Dienstagabend wirklich gehen, zeigte sich nach dem nachgeholten Viertelfinal-Hinspiel gegen den AS Monaco.

Mit Tränen in den Augen stand Matthias Ginter in der Mixed Zone des Signal-Iduna-Park: "Das war kein normales Spiel für uns. Ich bin wirklich froh, wenn wir jetzt gleich Zuhause sind und einfach mal abschalten können.“ (Reaktionen zur Dortmunder Niederlage)

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Wie Ginter gab auch Sven Bender einen tiefen Einblick in sein Seelenleben: "Ganz ehrlich: Es heißt immer, wir sollen in diesen Situationen Profis sein. Aber ist das so? Wärt ihr alle Profis, wenn euch so etwas passiert?“, fragte Bender in einer Runde mit Journalisten.

"Ich konnte nicht ans Sportliche denken"

Gerade einmal 24 Stunden nach dem schlimmen Angriff auf den Mannschaftsbus musste Borussia Dortmund auf den Rasen zurückkehren. Der BVB verlor das Spiel mit 2:3. Vor allem im ersten Durchgang waren den Spielern die Ereignisse des Vortages anzumerken: Viele kleine Fehler, Unkonzentriertheiten, keine Spritzigkeit im Spiel nach vorne. Das Ergebnis: ein 0:2-Rückstand zur Pause.

Dass die Borussia überhaupt zu diesem Spiel angetreten war, kann der jungen Mannschaft gar nicht hoch genug angerechnet werden. Eigentlich hatten sich die Spieler nach dem Bomben-Anschlag gewünscht, nicht direkt wieder spielen zu müssen. Abwehr-Chef Sokratis: "Wir sind keine Tiere. Wir sind Menschen mit einer Familie, mit Gefühlen. Das war der schwierigste Tag meines Lebens. Ich konnte nicht ans Sportliche denken."

Ähnlich äußerte sich auch der BVB-Kapitän. Marcel Schmelzer berichtete, die Mannschaft habe über den Tag versucht, sich aufs Spiel vorzubereiten. Immer wieder sei man in den Gesprächen mit den Mitspielern, aber auch Freunden oder der Familie auf den Anschlag gekommen.

"Wir haben alle Pressekonferenzen und Nachrichten verfolgt – obwohl uns jeder gesagt hat, wir sollen uns das nicht antun. Jedes Detail hat es eigentlich noch schlimmer gemacht", so Schmelzer.

Verunsicherter Schmelzer ausgewechselt

Am Schlimmsten sei gewesen, dass die Bomben, die im Endeffekt "nur" BVB-Verteidiger Marc Bartra an der Hand verletzten, mit Metallsplittern versehen waren, so Schmelzer.

Solche Details seien kaum aus dem Kopf zu bekommen: "Ich habe gehofft, dass wir das alles zur Seite schieben können. Ich muss aber ehrlich sein: Es war nicht das gleiche wie sonst", gab Schmelzer zu, dem die Verunsicherung auf dem Platz besonders anzumerken waren. Trainer Thomas Tuchel wechselte seinen Kapitän zur Pause aus.

Trotz der widrigen Umstände zeigte die Borussia im zweiten Durchgang ein ordentliches Champions-League-Spiel. Vor allem der eingewechselte Christian Pulisic sowie Shinji Kagawa und Ousmane Dembélé wirbelten die Abwehr der immer müder werdenden Monegassen das eine oder andere Mal gehörig durcheinander. Es haperte allerdings bei Chancen von Aubameyang, Dembele oder Kagawa gleich mehrfach am Abschluss.

BVB-Familie steht zusammen

Am Ende hielt die Tuchel-Truppe den Schaden mit der 2:3-Niederlage zumindest in Grenzen. "Sportlich ist im Rückspiel sicherlich alles drin", sagte Ersatz-Torwart Roman Weidenfeller unmittelbar nach dem Spiel. Auch der Routinier sprach von einer ganz besonderen Partie, bei der vor allem die Zuschauer der Mannschaft extrem geholfen hätten.

Tatsächlich präsentierte sich die BVB-Familie an diesem Mittwoch von ihrer besten Seite. Im Spiel zeigte die Südtribüne mit einer beeindruckenden BVB-Choreo aus Regencapes Geschlossenheit.

Bereits vor Anpfiff hatten die Fans ihre Spieler lautstark bejubelt, aus 60.000 Kehlen die Fußball-Hymne "You’ll never walk alone" gesungen und Spruchbänder für den verletzten Marc Bartra präsentiert.

Auch die Mannschaft dachte an ihren spanischen Kollegen und lief zum Aufwärmen mit T-Shirts mit Bartras Konterfei auf. Darauf der Spruch "Mucha fuerza, estamos contigo" - zu deutsch: "Viel Kraft, wir sind mit Dir!"

Diese Kraft braucht nun aber der gesamte Verein. Gemeinsam stehen Mannschaft, Trainer und Betreuer vor einer Monsteraufgabe: Sie müssen die aufwühlenden Ereignisse irgendwie verarbeiten. Am Samstag wartet Eintracht Frankfurt in der Bundesliga, dann geht’s zum Rückspiel nach Monaco.

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