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Die Dortmunder Spieler verlassen nach dem Sprengstoffanschlag auf ihren Mannschaftsbus, in Begleitung der Polizei, die Unglücksstelle © Getty Images

Nach dem Anschlag auf den BVB-Bus herrscht Fassungslosigkeit. Was sind die Hintergründe der Tat und wie geht es weiter? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen AS Monaco ist ein Sprengstoffattentat auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ausgeübt worden. Es kam zu drei Explosionen. BVB-Profi Marc Bartra wurde dabei verletzt und ist inzwischen am Handgelenk operiert worden.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist passiert?

Als sich Borussia Dortmund am Dienstagabend auf dem Weg zum Signal-Iduna-Park gemacht hat, kam es in der Nähe des Mannschaftsbusses zu drei Explosionen. Der Bus wurde an zwei Stellen stark beschädigt, Scheiben gingen zu Bruch. BVB-Profi Marc Bartra erlitt dabei einen Bruch der Speiche im rechten Handgelenk und diverse Fremdkörpereinsprengungen an der Hand und am Arm. Ein Polizist, der den Bus auf dem Motorrad begleitete, erlitt ein Knalltrauma und einen Schock. Die Polizei geht von "einem gezielten Angriff auf die Mannschaft des BVB" aus und bestätigte den Fund eines Bekennerschreibens. Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen übernommen.

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Wie geht es Marc Bartra?

Der spanische Innenverteidiger wurde notärztlich versorgt und am späten Dienstagabend in einem Dortmunder Krankenhaus operiert. Bei dem Eingriff gab es keine Komplikationen. "Wir haben gehört, dass alles gut verlaufen ist", sagte BVB-Präsident Reinhard Rauball am Mittwoch.

War der Mannschaftsbus speziell geschützt?

Ja. Der Bus verfügt über verstärkte Scheiben, ist aber nicht gepanzert. Zudem wurde der Teambus von Motorradpolizisten begleitet.

Welche Auswirkungen hat der Anschlag auf die Sicherheitsvorkehrungen für die Neuansetzung des Spiels am Mittwoch?

Die Sicherheitsvorkehrungen wurden verschärft. "Es ist selbstverständlich, dass wir uns auf einen Großeinsatz vorbereiten. Es wurden Schutzmaßnahmen für die Spieler beider Mannschaften eingeleitet", sagte der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange und kündigte "sehr umfangreiche Maßnahmen an".

Gab es die Möglichkeit, das Spiel zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen?

Nein. Die Neuansetzung für den Mittwochabend war alternativlos. "Es gab dazu keine Alternative, weil die Terminsituation zwischen Viertel- und Halbfinale nichts anderes zulässt", sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) wies darauf hin, dass man sich mit allen Parteien auf den Termin der Neuansetzung verständigt habe.

Wie haben die Spieler von Borussia Dortmund reagiert?

Die Spieler waren geschockt. "Nach dem Knall haben wir uns alle im Bus geduckt, wer konnte, hat sich auf den Boden gelegt. Wir wussten nicht, ob noch mehr passiert", sagte Torhüter Roman Bürki. Nach einer Besprechung haben die Spieler die Nacht zu Hause verbracht. Am Mittwochvormittag absolvierten sie eine Trainingseinheit, danach begann die unmittelbare Vorbereitung auf das Spiel. "Ich habe gerade in der Kabine an die Mannschaft appelliert, der Gesellschaft zu zeigen, dass wir vor dem Terror nicht einknicken", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

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Wie reagierte Gegner Monaco?

Im Stadion zeigten sich die Anhänger der Monegassen solidarisch mit den Dortmunder Fans. "Dortmund, Dortmund", schallte es aus dem Monaco-Block, als noch unklar war, ob die Partie am Dienstag stattfinden kann.

Nach der Absage des Spiels zeigten sich die BVB-Fans ihrerseits solidarisch. Unter dem Hashtag #bedforawayfans boten sie den mitgereisten Gäste-Anhängern eine Übernachtungsmöglichkeit an. Der BVB machte via Twitter auf die Aktion aufmerksam.

Nach Bekanntwerden der Absage nutzte die Mannschaft des AS Monaco derweil den Signal-Iduna-Park für eine lockere Trainingseinheit. Die Spieler sollten sich bewegen, lautete die Begründung des französischen Tabellenführers.

Ist am Mittwoch an ein vernünftiges Fußballspiel zu denken?

Dass den BVB-Profis der Schreck noch eine ganze Weile in den Gliedern stecken wird, ist selbsterklärend. "Die ganze Mannschaft ist in einer Schockstarre. Solche Bilder bekommst du nicht aus dem Kopf", sagt Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

"Ich hoffe, dass die Mannschaft einigermaßen in der Lage ist, am Mittwoch wettbewerbsfähig auf dem Feld zu stehen. In so einer Krisensituation rücken alle Borussen zusammen."

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Ex-BVB-Profi und SPORT1-Experte Steffen Freund glaubt nicht daran. "Wenn es einen direkten Angriff auf den Bus gab, dann ist das nicht bis Mittwoch weg. Das ist mental und psychisch nicht zu verkraften. Das hat ganz schöne Ausmaße."

Optimistischer ist Präsident Reinhard Rauball: "Die Spieler werden das wegstecken und in der Lage sein, ihre Leistung abzurufen. Das wäre das Schlimmste, wenn diejenigen, die den Anschlag verübt haben, jetzt auch noch damit etwas erreichen."

Ob dies gelingen kann - ungewiss. Zudem ist der BVB durch einige Ausfälle (Andre Schürrle, Eric Durm) und den beim Anschlag verletzten Marc Bartra zusätzlich geschwächt. Auch Marco Reus hätte wohl am Dienstag nicht gespielt.

Was sagt die Bundesanwaltschaft?

Sie hält einen terroristischen Hintergrund für den Bombenanschlag auf den Bus für wahrscheinlich und islamistische Motive für möglich. Im Zuge der Ermittlungen haben die Behörden die Wohnungen von "zwei Verdächtigen aus dem islamistischen Spektrum" durchsucht. Eine der beiden Personen wurde vorübergehend festgenommen. Der Erlass eines Haftbefehls wird geprüft.

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