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Thomas Tuchel weist dem erneuten Busvorfall im Vorfeld des Rückspiels in Monaco eine mit entscheidende Bedeutung für das Aus zu. Die Stimmen zum Viertelfinale.

Borussia Dortmund hat das Halbfinale in der Champions League deutlich verpasst. Beim AS Monaco gab es eine 1:3-Niederlage, nachdem schon das Hinspiel mit 2:3 verloren gegangen war.

Nach der Partie machten die Protagonisten vor allem die schwache erste Halbzeit als Grund für das Ausscheiden verantwortlich.

SPORT1 fasst die Stimmen von Sky, ZDF und aus der Mixed Zone zusammen:

Thomas Tuchel (Trainer Borussia Dortmund): "Wir haben sehr fehlerhaft begonnen und viele Fehler gemacht. Das hat sich durchs ganze Spiel gezogen. Wenn du immer hinterherlaufen musst, dann ist es sehr schwer, Sicherheit zu bekommen. Wir hatten offensiv viele Räume, aber wir haben zu kompliziert gespielt und hatten hinten keinen Mut, um nachzurücken. Das hat in der Summe nicht gereicht." (Die Torjäger der Champions League)

Zum 0:1: "Das war eine Fehlerkette, die letztlich bis zum Torwart reichte und im Tor endete. Damit war der ganze Glaube, den wir hatten, dahin. Wir hatten in der ganzen ersten Halbzeit nicht die Kompaktheit und den Mut, waren zu fehlerhaft in unserem Passspiel, im Positionsspiel, um dominanter zu werden und mehr Torchancen herauszuspielen. Wir konnten nie nachlegen, es sollte nie sein."

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Zum Spielverlauf: "Mit so einem frühen Gegentor ist das Vertrauen natürlich erst mal komplett weg. Wir haben nicht giftig genug verteidigt und waren nicht kompakt genug. Wir haben unser höchstes Niveau heute definitiv nicht geschafft. Die Voraussetzungen waren extrem schwer und wir hatten nicht die Energie und das Spielglück. In beiden Spielen hatten wir nie das Gefühl, dass es jetzt läuft. Alles, was gegen uns sein konnte, war gegen uns und dann ist es verständlich, dass der allerletzte Glaube fehlt."

Zum Fehler von Lukasz Piszczek vor dem 1:3: "Das ist bezeichnend. Er hat in den Spielen zwei Fehler gemacht. Er ist auf allerhöchstem Niveau Musterprofi, aber auch Familienvater und hat in der letzten Woche unglaublich gelitten. Das hat ihn was gekostet und darum bin ich da sehr nachsichtig, auch wenn die Fehler sehr krass sind. In der Summe sind diese beiden Fehler in der Champions League zu groß. Darum sind wir leider verdient raus."

Zur Dreierkette: "Dieses System liegt uns wahnsinnig gut, wir haben damit schon super Leistungen gezeigt, gerade in der Champions League Top-Spiele gemacht. Aber heute waren wir nicht gut genug, frei genug, zu fehlerhaft. Auf diesem Niveau darfst du einfach nicht so viele Fehler machen. Es ist eine wahnsinnige Plackerei, die dann wieder auszubügeln. Mit jedem technischen Fehler geht dir natürlich auch Vertrauen flöten. In der Summe war die Leistung nicht rund genug, um etwas Großes zu schaffen."

Zu Ousmane Dembele: "Der Junge spielt zu viel für sein Alter und für seine erste Saison in dieser Liga. Es liegt wahnsinnig viel Verantwortung von unserem Offensivspiel bei ihm und das hat man ihm in den letzten Wochen angemerkt. Wir wollten ihm heute gönnen, spät nachzukommen, wenn er nicht mehr so hart attackiert werden kann. Wir haben es dann doch schon nach 20 Minuten machen müssen."

Zur Verfassung nach dem Anschlag: "Die Champions-League-Bilanz ist absolut top. Die letzten beiden Spiele stehen da in einer Klammer. Das Hinspiel, das wir als Betroffene auszutragen hatten, war das unnötigste Spiel in der Champions-League-Geschichte. Ich war überrascht, wie unglaublich gut wir dort die 2. Hälfte bestritten haben. Wir waren in diesem Viertelfinale sicher nicht in der Verfassung, in der du sein musst, wenn du so einen Traum weiterleben willst. Man kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Für die Champions-League-Kampagne gebührt ihr daher das größte Kompliment."

Zum erneuten Bus-Anschlag: "Vorsichtig ausgedrückt, war das Verhalten sehr unglücklich.Wir wussten nicht, was los war. Diese Viertelstunde sorgt dafür, dass wir nicht an Fußball denken konnten, obwohl wir eigentlich gut auf das Spiel vorbereitet waren. Wir saßen um 19.15 Uhr abfahrbereit im Bus. Die Polizei  war um uns herum, die uns Begleitschutz geben sollte auf dem Weg zum Stadion. Wir sind 16, 17 Minuten nicht losgefahren. Auf mehrmalige Nachfrage wurde uns gesagt "aus Sicherheitsgründen". Acht Tage nachdem, was uns im Bus passiert ist, gibt es wohl kaum eine schlechtere Situation. Es war ein etwas beklemmendes Gefühl, das hat man auch gemerkt. Ich habe nicht mehr daran gedacht, als das Spiel losgegangen ist. Ob es die Spieler beeinflusst hat, müsste man sie selbst fragen. Aber natürlich ist es auch eine Aufgabe, uns zu erlauben, frei zu sein, an dieses Spiel zu denken und es mit Spaß anzugehen. Dass wir es in den Mittelpunkt der Vorbereitung stellen, uns darauf einzulassen. Wir hatten eigentlich das Gefühl, dass wir das gut hinbekommen hatten. Und natürlich hatten wir dann eine Stunde und 15 Minuten vor Spielbeginn alle den gleichen Gedanken. Und der ging nicht um Fußball. Das war auf jeden Fall keine schöne Situation."

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Michael Zorc (Sportlicher Leiter Borussia Dortmund): "Der AS Monaco ist so oder so eine Top-Mannschaft, die Offensive ist hervorragend besetzt. Die Spiele sind unabhängig von dem Vorfall sehr unglücklich für uns gelaufen. In Dortmund sind wir durch ein klares Abseitstor in Rückstand geraten. Wir hatten in beiden Spielen zu viele individuelle Fehler, die zu Toren geführt haben. Das hat Monaco mit seinen beiden abschlussstarken Stürmern ausgenutzt."

Zu den Auswirkungen des Anschlags auf den weiteren Saisonverlauf: "Von den Experten hören wir, dass das nicht in drei, vier Tagen oder in ein oder zwei Wochen verarbeitet ist. Das ist bei jedem Spieler individuell und kann durchaus noch einige Wochen dauern. Wir spielen jetzt weiter im Drei-Tage-Rhythmus, Samstag in Gladbach und am Mittwoch im Pokalhalbfinale in München. Wir haben wenig Zeit zum Verschnaufen und müssen uns den Aufgaben stellen."

Roman Bürki (Borussia Dortmund): "Wir waren von der ersten Sekunde an nicht bereit und haben hinten zu viel zugelassen. Die frühe Führung gibt Monaco Aufwind und Selbstvertrauen, das war vielleicht ausschlaggebend. An der Aufstellung hat es nicht gelegen, wir haben Chancen gehabt. In der zweiten Halbzeit haben wir alles reingeworfen und gekämpft, aber leider hat es nicht gereicht." (Alle Ergebnisse im Überblick)
Zur verspäteten Busabfahrt: "Ich will das nicht als Ausrede nehmen. Wir sind Profi genug, um das wegzustecken. In den letzten Tagen haben wir einiges wegstecken müssen, das schwieriger zu verkraften ist als eine verspätetet Abfahrt."

Marco Reus (Borussia Dortmund):  "In den ersten 20 Minuten haben wir keine Zuordnung gehabt. Wir haben vorne zwei oder drei gefährliche Situationen gehabt, mit etwas Glück geht der Ball rein und das Spiel läuft anders. Aber in der ersten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt. Wir haben uns die Anfangsphase ganz anders vorgestellt. Beim 3:1 war das Ding gegessen. Mit dem heutigen Spiel dürfen wir nicht zufrieden sein und sind nicht zu Unrecht ausgeschieden." (LIVETICKER zum Nachlesen)
Zur verspäteten Busabfahrt: "Es war komisch. Wir wussten nicht, warum wir nicht losgefahren sind. Angeblich war es nur, weil wir freie Fahrt haben wollten. Aber wir standen dann auch noch im Stau. Das beeinflusst natürlich unseren Rhythmus und die Automatismen. Das hat aber wenig damit zu tun, dass wir schlecht gestartet sind und zwei Gegentore bekommen haben."

Marcel Schmelzer (Borussia Dortmund): "Wir würden lügen, wenn wir sagen, dass uns das Warten im Bus nicht nervös gemacht hätte. Es hätte schon geholfen, wenn man da kurz mal eine Wasserstandsmeldung durchgegeben hätte, was das Problem ist. Aber die Abfahrt hat keine Rolle dabei gespielt, dass wir das Spiel verloren haben."

Oliver Kahn (TV-Experte):  "Monaco hat nicht umsonst auch ManCity raus geworfen. Sie können lauern, aber auch schnell umschalten. Dortmund hat zu viele Räume für das Umschaltspiel angeboten. Mit Falcao im Sechzehner sind sie dann brandgefährlich. Irgendwo hat bei Dortmund immer der letzte Pass gefehlt oder der Abschluss war schlecht. Jemerson hat Aubameyang aus dem Spiel genommen und dann wird es für den BVB schwierig, Tore zu erzielen."

Leonardo Jardim (Trainer AS Monaco): "Es ist das erste Mal, dass eine Mannschaft, die sich über die dritte Qualifikationsrunde qualifiziert hat, ins Halbfinale einzieht. Diese Mannschaft bleibt in der Geschichte der Champions League. Wir haben ein sehr solides Spiel abgeliefert, immer mit viel Ehrgeiz. Die vier Mannschaften im Halbfinale denken, sie können den Wettbewerb gewinnen. Wir sind nicht der Favorit, aber wir haben die Ambitionen, uns für das Finale zu qualifizieren."

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