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Dortmund und München - Borussia Dortmund rauscht ausgerechnet vor dem Liga-Gipfel gegen Bayern endgültig in die Krise. An Trainer Peter Bosz scheiden sich die Geister.

Borussia Dortmund hatte sich gerade zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen gegen Apoel Nikosia kräftig blamiert, da hallten erstmals Pfiffe durch das Stadion.

Die Chance auf das Achtelfinale der Champions League faktisch verspielt, sogar um die Europa League muss der BVB bangen und national bereits von der Spitze gekippt - da äußerten die sonst so treuen Fans der Borussia deutlich ihren Unmut.

Ausgerechnet vor dem Liga-Gipfel am Samstag (18.30 Uhr im LIVETICKER) gegen den FC Bayern kippt in Dortmund die Stimmung.

Kapitän Schmelzer verplappert sich

"Die Fans feiern uns für unseren Fußball", hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt vor knapp zwei Wochen noch trotzig verkündet. Das kann man so nicht mehr stehen lassen.

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Kapitän Marcel Schmelzer sprach nach dem 1:1 gegen Nikosia offen von einer "Krise" – auch wenn er dieses verpönte Wort schnell in eine "schlechte Phase" korrigierte.

Ist Bosz der richtige Trainer?

Im Zentrum der Verantwortung steht Trainer Peter Bosz. Die Frage, die sich allmählich stellt: Ist Bosz der richtige Trainer für den BVB?

Fakt ist: Bosz hält weiter stur an seinem strittigen 4-3-3-System fest.

Die Euphorie nach dem starken Saisonstart mit 19 Punkten und 21:2-Toren aus sieben Bundesligaspielen ist inzwischen verflogen.

Zunächst bekam der BVB gegen Topteams wie Tottenham oder Real Madrid die Grenzen aufgezeigt, nun reicht es nicht mehr für Nikosia.

Sturmtief und Hühnerhaufen

Es hakt in fast allen Mannschaftsteilen. Trotz 29 Torschüssen traf am Mittwochabend nur Raphaël Guerreiro.

Sinnbild für das Sturmtief ist Pierre-Emerick Aubameyang. Dortmunds Top-Torjäger wirkt verunsichert und gehemmt, blieb im vierten Spiel in Folge ohne Treffer. Gegen Nikosia hatte er nach seinem Null-Torschuss-Auftritt in Hannover zwar gleich drei gute Gelegenheiten, scheiterte aber einmal an der Latte und zweimal an seinem eigenen Unvermögen.

Und die Defensive bleibt ein Hühnerhaufen, wurde beim Gegentor sogar von den Zyprioten vorgeführt.

Bosz bleibt stur

Und Bosz? Wirkt stoisch, bleibt stur. Sieht kein Systemproblem, sondern dass die Spieler sein System nicht adäquat umsetzen.

Die Kritiker haben sich schon in Stellung gebracht. Zuletzt warnte Huub Stevens bei SPORT1: "Das, was er macht, ist gefährlich", und schrieb seinem Landsmann ins Stammbuch: „Wenn Plan A nicht greift, dann muss ein Trainer Plan B haben. In bestimmten Situationen musst du als Trainer den Spielern auch helfen und ihnen auch einen Rettungsring reichen, dass sie auch wieder Vertrauen bekommen.“

Stevens weiß, wovon er spricht. Damals bei Schalkes Eurofightern galt er als Garant für eine stabile Defensive.

Vertrauen von Team und Bossen

Noch darf sich Bosz der Rückendeckung sicher sein. Bei der Mannschaft genießt er einen guten Ruf, gilt eher als Spielerversteher.

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Die Verantwortlichen haben eine Art Schutzwall um Bosz aufgebaut. Manager Michael Zorc nahm nach dem 2:4 in Hannover demonstrativ die Spieler in die Pflicht. Watzke wetterte – vor dem Spiel gegen Nikosia – gegen Kritiker.

Vergleich mit Klopp

Die Haltung der BVB-Oberen ist verständlich. Trotz des Pokaltriumphes hatten sie sich nach der vergangenen Saison wegen persönlicher Differenzen von Trainer Thomas Tuchel getrennt.

Im Anschluss folgten Lobeshymnen auf Bosz. Seine menschlich angenehme Art wird ebenso mit Vor-Vorgänger Jürgen Klopp verglichen wie sein aggressives Gegenpressing.

Übrigens: Auch Klopp brauchte in Dortmund Zeit – inklusive einer Nachjustierung des Kaders - bis sich der Erfolg einstellte.

Aufgrund der in Dortmund gesteigerten Ansprüche darf aber infrage gestellt werden, ob ein BVB-Trainer auch heute noch die nötige Zeit bekommt.

Bosz: "Bayern kommt zur rechten Zeit"

Kurzfristig gehen die Borussen jedenfalls mental deutlich angeschlagen ins Spitzenspiel gegen die Bayern.

Zu verunsichert und weit unter der Form zu Saisonbeginn agiert die Mannschaft.

Bosz äußerte sich dennoch trotzig: "Das Spiel gegen die Bayern kommt zur rechten Zeit." 

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