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Bundestrainer Joachim Löw (r.) vermeidet im Confed-Cup-Sommer die Konfrontation mit den Bundesligaspitzenklubs © SPORT1 / Imago

Mit seiner Personalauswahl für den Confed Cup im Sommer dieses Jahres setzt Bundestrainer Joachim Löw klare Prioritäten - der SPORT1-Kommentar.

Der deutsche Kader für den Confed Cup in Sommer in Russland ist ein klares Statement von Bundestrainer Joachim Löw. Er schreit laut "es gibt wirklich Wichtigeres".

Löw hat sich bei der Präsentation seines Aufgebots nicht einmal die Mühe gemacht, diese Kernaussage wortreich zu verwässern: Eine Zwischenstation sei das Turnier vom 17. Juni bis 2. Juli, ein Warm-up für das "Ziel für die Ewigkeit", die Verteidigung des WM-Titels im nächsten Jahr an gleicher Stelle.

Dafür braucht er all seine Stars in bester Form und Laune. Und das erklärt, warum er es im Vorfeld des Confed Cups mit aller Gewalt vermeidet, irgendeinen von ihnen oder die Bosse ihrer Arbeitgeber vor den Kopf zu stoßen.

Nur noch drei Weltmeister nimmt Löw mit zur vermeintlichen WM-Generalprobe. Allen Leistungsträgern gönnt er Urlaub und eine komplette Saisonvorbereitung.

Marco Reus hätte Löw zwar sehr gerne als Führungsspieler in diesem Sommer mit dabei gehabt. Auch mit Mario Gomez war fest gerechnet worden. Doch deren offenkundiges Desinteresse an einer Teilnahme hat den Bundestrainer umdenken lassen.

Vom FC Bayern steht – die in dieser Saison noch nicht dreifach belasteten Neuzugänge Niklas Süle und Sebastian Rudy einmal ausgenommen – nur Joshua Kimmich im Aufgebot. Von Borussia Dortmund lediglich Matthias Ginter. Beide zählen in ihren Klubs (noch) nicht zu den Unentbehrlichen, sind also auch nicht überspielt.

Eine mögliche Konfrontation mit den Verantwortlichen der mächtigen beiden Spitzenvereine hat Löw damit ebenfalls umgangen. Hier den Weg des geringsten Widerstands zu beschreiten, wird ihm mit Blick auf den Sommer 2018 nicht schaden.

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Zumal er sich sicher sein kann, dass lange Verschmähte wie Lars Stindl und Sandro Wagner oder Überraschungsgäste wie Amin Younes, Kerem Demirbay oder Diego Demme anders als die Etablierten im Confed Cup die Chance ihres Lebens sehen.

Ob sie ausreichend stark sind, um den Turniersieg mitzuspielen, bezweifelt wohl aber selbst der Bundestrainer. Die Zielvorgabe, mit dem "Perspektivkader eine sportlich gute Visitenkarte abzugeben", lässt daher jede Menge Luft nach oben.

Bewährt sich das Confed-Cup-Aufgebot nicht, greift Löw eben im kommenden Sommer ausschließlich auf sein bisheriges Mannschaftsgerüst zurück.

Glänzt das dann bei der WM, wären die Protagonisten eines verpatzten Confed Cups schon so gut wie vergessen. 

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