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Duisburg - Schalke überzeugt beim Kantersieg in Duisburg mit offensiver Ausrichtung. Geis glänzt als Taktgeber, vor allem Huntelaar profitiert. Doch ein Zwischenfall sorgt für Ärger.

Plötzlich rollten Duisburger Anhänger kurz vor der Halbzeit ein Transparent aus. Nicht allzu groß, aber deutlich zu sehen. Mit einer geschmacklosen Nachricht.

"2011? Nicht mal Rudi kann sich erinnern", stand dort in blauen Lettern geschrieben. Gemeint war Rudi Assauer, der an Alzheimer erkrankte Ex-Manager von Schalke 04. 2011 verlor der MSV Duisburg das Finale des DFB-Pokals gegen den Revier-Nachbarn 04 mit 0:5.

Auch diesmal, in der ersten Runde desselben Wettbewerbs, fegten die Königsblauen förmlich über den Zweitliga-Aufsteiger hinweg und siegten wieder mit 5:0 (3:0) - überschattet eben von jener Aktion im Duisburger Block.

Assauer nimmt Entschuldigung des MSV an

"Das ist mehr als beschämend", äußerte sich Schalkes Sportvorstand Horst Heldt. "Alles hat seine Grenzen, das ist aber absolut geschmacklos."

Auch die Gastgeber reagierten mit Unverständnis. "Ich bin genauso fassungslos wie die Spieler und alle Verantwortlichen, was die sogenannten Fans da gemacht haben", stellte Duisburgs Geschäftsführer Bernd Maas klar, der extra in die Pressekonferenz gekommen war. "Ich möchte mich dafür in aller Form beim FC Schalke entschuldigen."

Sowohl vom Klub, als auch von Assauer samt Tochter Bettina Michel, wurde diese Entschuldigung auch angenommen, wie der MSV per Mitteilung verkündete.

"Wir beide wissen, dass dieses Plakat überhaupt nicht die Meinung des MSV Duisburg widerspiegelt", werden die beiden zitiert, die demnach oft selbst bei Heimspielen in der Arena seien und sich dort immer herzlich aufgenommen fühlten: "Deshalb konnte auch nicht eine Handvoll Idioten uns einen ansonsten so schönen Fußballnachmittag kaputt machen."

Breitenreiter setzt auf volle Offensive

Ein schöner Fußballnachmittag war es in erster Linie aus Schalker Sicht. Trainer Andre Breitenreiter hatte seine Elf in einem 4-4-2-System mit geballter Offensiv-Power auf den Rasen geschickt.

Mit einem starken Julian Draxler und einem ebenso gefährlichen Eric Maxim Choupo-Moting auf den Flügeln, die die frühe Führung durch Klaas-Jan Huntelaar (4.) vorbereiteten.

"So muss sich der Gegner auf mehrere Leute einstellen, das ist für uns einfacher", erklärte der Niederländer.

Diese Ausrichtung zahlte sich mit weiteren Treffern durch Matija Nastasic (39.), Johannes Geis (45.), Franco Di Santo (62.) und Leon Goretzka (85.) aus.

"Wir haben eine überzeugende Leistung geboten", lobte Breitenreiter: "Die Jungs haben von der ersten Minute an gebrannt und dem Gegner nicht den Hauch einer Chance gelassen. Wir hatten schnelle Balleroberungen, haben gut gepresst und die Tore einfach erzwungen."

Heldt lobt "schönen Fußball"

Auch Heldt schwärmte: "Unsere Fans haben nach schönem Fußball gelechzt, und den haben sie bekommen."

Vor allem Geis erweist sich immer mehr nicht nur als Standard-Experte - der 21-Jährige bereitete so zwei Tore vor und war selbst per Freistoß erfolgreich - sondern auch als wichtiger Taktgeber mit guten Spieleröffnungen inklusive präzisen Pässen. "Er hat super Bälle gespielt, das ist wichtig für unseren Aufbau", sagte Huntelaar.

Der Niederländer profitierte dabei besonders von der neuen Ausrichtung, war in nahezu jedem Testspiel der Königsblauen erfolgreich.

Huntelaar lässt Di Santo den Vortritt

Es hätte sogar ein weiterer Treffer auf sein Konto gehen können. Als Schiedsrichter Wolfgang Stark den Duisburger Branimir Bajic nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz geschickt und den Gästen einen berechtigten Elfmeter zugesprochen hatte, ließ er seinem neuen Sturm-Partner Di Santo den Vortritt.

Doch der Ex-Bremer scheiterte an MSV-Keeper Michael Ratajczak (32.).

"Ich wollte ihm seinen ersten Treffer für Schalke gönnen", erklärte Huntelaar, und der Argentinier selbst sagte. "Es war eine tolle Geste von ihm, mir den Ball zu geben."

Es beschreibt eine Harmonie, wie sie auch auf dem Rasen schon in Ansätzen zu erkennen ist. Hier und da stockte es dann aber doch noch einmal ein wenig.

Euphorie im Keim erstickt

Deshalb wollen auch die Schalker den Sieg nicht überbewerten. Zu viel Euphorie soll gar nicht erst aufkommen.

"Das war ein guter Auftakt, aber nichts, was man in den Himmel loben sollte. Jetzt geht es normal weiter", kündigte Heldt an.

Denn zum Bundesliga-Auftakt in Bremen, sagt Huntelaar, "fangen wir wieder bei Null an".

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