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Hertha BSC Berlin v Borussia Dortmund - DFB Cup Semi Final
Thomas Tuchel ist seit der Saison 2015/16 Trainer von Borussia Dortmund © Getty Images

Dortmund - Ausgerechnet vor dem DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern schwächelt Borussia Dortmund. Trainer Thomas Tuchel verschafft seinem Ärger darüber Luft - mit einer gewissen Taktik.

Die Vorfreude aufs DFB-Pokalfinale war ihm komplett verhagelt worden. Thomas Tuchel war restlos bedient nach dem Remis zum Liga-Abschluss gegen den 1. FC Köln.

Ausgerechnet vor dem Endspiel in Berlin am Samstag (19.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER), der letzten verbliebenen Titelchance von Borussia Dortmund, schwächelt seine Mannschaft.

"Wir haben einen absoluten Spannungsverlust in unserem Spiel und unserer Haltung", kritisierte der BVB-Trainer und sah die Schwarz-Gelben so weit "von der absoluten Topform entfernt wie vielleicht noch nie".

Wutrede als Weckruf

Dass es von Tuchel in seiner gut zehnmonatigen Amtszeit in Dortmund keine annähernd vergleichbare Wutrede gab, war der außergewöhnlichen Saison des besten Bundesligazweiten aller Zeiten geschuldet.

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Doch so authentisch Tuchels Worte gewesen sind, so kalkuliert waren sie. Der gewiefte Fußballlehrer wollte nicht einfach nur seinem Ärger Luft machen. Der 42-Jährige verstand seine mahnenden Worte auch als Weckruf an seine Spieler.

Keine Generalprobe für Berlin

Tuchels emotionaler Auftritt mutet insofern besonders an, da er vor der Partie noch sehr gelassen mit dem jüngsten Rückschritt in der Liga (0:1 in Frankfurt) umgegangen war.

"Wir spielen natürlich nicht mehr in der allerhöchsten Anspannung", hatte er einen Tag vor dem Köln-Spiel mit Verweis auf die verpasste "Sensation", die Bayern als Tabellenführer doch noch abzufangen, gemeint.

Verkrampfte Vorstellung

Von einem Härtetest für das Pokalendspiel in Berlin wollte er nichts wissen. Dennoch hatte er gehofft, sein Team werde frei und mit großer Lust" spielen. Davon war definitiv nichts zu sehen. Die Vorstellung wirkte verkrampft und uninspiriert.

Entsprechend rasant war Tuchels Laune während der 90 Minuten gegen Köln in den Keller gegangen.

Angriff außer Form

Größtes Manko: Der gelbgesperrte Henrikh Mkhitaryan fehlte den Schwarzgelben als kluger Spielgestalter und Ideengeber.

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Zudem ließ Adrian Ramos als alleinige Spitze die nötige Griffigkeit vermissen, der ins rechte Mittelfeld zurückbeorderte formschwache Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang fand ebenso wenig ins Spiel wie sein Nebenmann Shinji Kagawa.

Die meisten Bemühungen verpufften gegen das Kölner Abwehrbollwerk, aus ihrem Ballbesitzfußball generierten die Schwarzgelben keinerlei Ideen.

"Wenn wir so spielen, kriegen wir ein 0:5"

"Große Sorge" habe er, konstatierte Tuchel hinterher mit Blick auf das Duell gegen die Bayern. Die Sorge dürfte neben dem fehlenden Angriffsschwung vor allem der schwachen Defensivleistung der gesamten BVB-Elf gegen Köln geschuldet sein.

So wird gegen das Team von Coach Pep Guardiola nichts zu holen sein. "Wenn wir in Berlin so spielen wie gegen Köln, kriegen wir ein 0:5", sagte Mittelfeldspieler Gonzalo Castro.

Das weiß auch Tuchel. Dass die Dreier-Abwehrkette um Sven Bender (rechts), Sokratis (zentral) und Mats Hummels (links) ziemlich wackelte, dürfte ihn zusätzlich gewurmt haben.

Aus dem Rhythmus

"Mit einem Sieg die Saison zu beenden, gäbe nochmal ein gutes Gefühl und wäre ein guter Start in die dann letzte und entscheidende Pokalwoche", hatte Tuchel im Vorfeld gehofft.

Stattdessen musste er einen Tag später konstatieren, dass der Vizemeister zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt aus dem Rhythmus geraten ist.

Nun muss der noch titellose Coach im Training die nötige Lockerheit und richtige Haltung wieder hervorkitzeln – zur Not auch mit scharfen Worten. Dann könnte es auch mit der Vorfreude aufs Finale wieder klappen.

Tuchels Maßnahmen dafür sind wieder einmal speziell: Er gewährte seinen Spielern einen zusätzlichen freien Tag. Erst am Mittwoch startet der BVB in die finale Finalvorbereitung.

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