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SPORT1-Redakteur Holger Luhmann blickt auf die Saison von Bayern-Trainer Pep Guardiola und BVB-Coach Thomas Tuchel © SPORT1/Getty Images

Berlin - Das Pokalfinale zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund zementiert die Machtverhältnisse im deutschen Fußball. BVB-Trainer Thomas Tuchel und seine Spieler haben noch Luft nach oben.

Das Pokalfinale von Berlin hat die Machtverhältnisse im deutschen Fußball manifestiert. Zwar musste der FC Bayern München ins Elfmeterschießen, um den Pokal zu holen. Der Sieg gegen Borussia Dortmund war aber verdient.

Pep Guardiola verlässt die Bayern nicht nur mit einem Triumph und dem Double. Der Spanier hat mit seinen vergossenen Tränen auf dem Rasen des Olympiastadions auch Menschlichkeit gezeigt. Es sind bekanntlich häufig die letzten Eindrücke, die im Gedächtnis bleiben. Als Fußball-Genie war Guardiola stets anerkannt, spätestens in Berlin hat er sich auch rein persönlichen Respekt verdient.

Wie nachhaltig Guardiola die Münchner geprägt hat, wird die Zukunft zeigen. Fest steht: Unter seiner Regentschaft sind die Rekord-Bayern der nationalen Konkurrenz weiter enteilt. Durch den Wechsel von Weltmeister Mats Hummels von Dortmund nach München wird die Kluft nicht kleiner werden. Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti fällt in ein gemachtes Nest einer hochkarätig zusammen gestellten und in den vergangenen Jahren bestens geschulten Mannschaft.

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Borussia Dortmund hat im ersten Jahr unter Trainer Thomas Tuchel zwar eine Saison gespielt, die viele dem BVB in dieser Form nicht zugetraut haben. Unterm Strich steht man dennoch mit leeren Händen da: Dramatisches Aus im Viertelfinale der UEFA Europa League gegen Jürgen Klopps FC Liverpool, Platz zwei in der Bundesliga sowie nun das dritte verlorene Pokalfinale in Folge.

Grundsätzlich kann die Borussia ein positives Fazit ziehen. Tuchel hat sich schnell vom kloppschen Fußball emanzipiert und mit taktischem Geschick dem FC Bayern lange einen spannenden Zweikampf geliefert.

Im Finale hat aber auch Tuchel Lehrgeld bezahlt. Seine defensive Grundausrichtung hat den Respekt vor den Bayern verdeutlicht. Nur 30 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. Die Dortmunder haben schlichtweg auf einen Lucky Punch durch einen Konter oder einen Sieg im Elfmeterschießen gehofft und damit die Vormachtstellung der Bayern anerkannt.

Im entscheidenden Moment haben gestandene Offensivspieler wie Henrikh Mkhitaryan gekniffen. Auch das ist ein Unterschied zum ausgeprägten Mia san Mia der Bayern.

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Dass Tuchel die Entscheidung, die Abwehrspieler Sven Bender und Sokratis im Elfmeterschießen antreten zu lassen, auf seine Kappe nimmt, ehrt ihn. Man darf nicht vergessen: Tuchel ist noch immer ein junger Trainer, auch er wird seine Lehren aus der Saison ziehen und sich weiter entwickeln.

Für die BVB-Verantwortlichen um Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc geht es nun darum, das Geld aus dem Hummels-Transfer und den bevorstehenden Einnahmen in der Champions League klug zu investieren. Damit die Bayern künftig vielleicht doch mal wieder zu packen sind.

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